Fonds-Performance und Zufall

Viele Privatanleger argumentieren so: „Fonds X hat über die letzten 5 Jahre seinen Vergleichsindex geschlagen. Der Fonds-Manager hat also bewiesen, dass er sein Handwerk versteht. Also handelt es sich hier um einen empfehlenswerten Fonds.“

Ich antworte dann: „Naja, dass Fonds X über 5 Jahre so gut war, könnte auch alleine auf Glück und Zufall beruhen. Wenn Sie heute in diesen Fonds investieren, kann diese Glückssträhne vielleicht anhalgen, vielleicht aber hört sie jäh auf und schlägt in eine Pechserie um.“

Die Anleger glauben mir dann in der Regel nicht und meinen: „Dass ein Fonds fünf Mal hintereinander besser als sein Vergleichsindex ist, das wäre ja so, als würde man beim Münzwurf fünf Mal hintereinander ‚Zahl‘ werfen. Und dafür liegt die Wahrscheinlichkeit bei 3,1%, also verschwindend gering. Dass der Fonds X also nur aufgrund von Glück und Zufall fünf Mal hintereinander so gut war, dafür ist die Wahrscheinlichkeit sehr, sehr niedrig.“

Tatsächlich liegt hier ein Denkfehler. Auch eine neuere Studie eines Finanzwissenschaftlers, Dirk Nitsche, kam zu dem Ergebnis: Gute Renditen bei Investmentfonds haben mehr mit Glück und Zufall zu tun, als man glaubt.

Warum liegt die Wahrscheinlickeit, dass Fonds X über 5 Jahre rein zufälligerweise seinen Vergleichsindex geschlagen hat, nicht bei 3,2%?

Weil es das falsche Modell ist. Das richtige Model sieht so aus:

Man stelle sich 10.000 Menschen beispielsweise in einem Stadion vor. Jeder einzelne ist mit einer Münze ausgestattet. Und dann werfen diese 10.000 Menschen 5 Mal hintereinander ihre Münze. Dass dann am Ende einer von diesen 10.000 Menschen mindestens einer dabei ist, der tatsächlich 10 Mal hintereinander „Zahl“ geworfen hat, diese Wahrscheinlichkeit ist bemerkenswert hoch. Sie liegt nämlich bei 100,0%.

Da es ja mehr als 10.000 Investmentfonds gibt, ist dieses Modell anwendbar. Und das heißt: Es wäre extrem erstaunlich, wenn man unter 10.000 Investmentfonds im Nachhinein nicht mindestens einen Fonds finden würde, der fünf Mal hintereinander seine Benchmark schlägt – und zwar nur aufgrund von Glück und Zufall.

Selbst über einen Zeitraum von 10 Jahren hinweg, liegt diese Wahrscheinlichkeit noch bei 99,9%. Anders formuliert: Dass wir im Nachhinein einen Fonds unter 10000 finden, der über 10 Jahre hinweg rein zufälligerweise jedes Jahr besser als sein Vergleichsindex war, die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 99,9%! Also extrem hoch.

Wer diese wahrscheinlichkeitstheoretische Rechnung kennt, hält eine vergangene gute Performance nicht mehr für einen Indiz für ein besonderes Können des Fonds-Managements. Das kann natürlich sein, muss aber nicht. Jedenfalls ist es ohne weiteres denkbar, dass ein Fonds über einen langen Zeitraum hinweg rein aufgrund von Glück und Zufall eine Top-Performance erbracht hat.

Wer eine vergangene Top-Performance als Argument dafür nimmt, dass dieser Fonds „wahrscheinlich“ auch in Zukunft überdurchschnittliche Renditen erzielen wird, wird mit ziemlicher Sicherheit Schiffbruch erleiden. In Finanzdingen ist es nicht ratsam, von der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen.

Es gibt andere Kriterien zur Beurteilung von Investmentfonds, eine vegangene Performance-Entwicklung ist sicher kein gutes Kriterium. Meiner Erfahrung nach orientieren sich leider die meisten Anleger aber vor allem daran.

Das Bemerkenswerte ist ja, dass das noch nie funktioniert hat. Man sehe sich einmal an, welche Fonds ums Jahr 2000 hochgelobt und als Top-Performer gefeiert wurden. Oder welche Fonds gerade um 2005 „in“ waren. Die allermeisten dieser Fonds, sind heute in die Vergessenheit abgetaucht. Heute werden andere Fonds gefeiert und hoch gelobt, – von denen aber wiederum vor fünf Jahren niemand geredet hat.

Es ist doch offensichtlich, dass jede Zeit ihre Fonds hat, die gerade „in“ sind. Und es dauert nicht lange, dann sind sie wieder „out“. Eben Investment-Moden. Und die große Masse der Anleger kommt ja jedes Mal zu spät, weil ja der Top-Performer immer erst im Nachhinein erkennbar ist. Anleger springen dann darauf und dann kommt nicht selten die große Enttäuschung … bis dann wieder der nächste Fonds ins Rampenlicht gehievt wird.

Jüngst hat der Finanzwissenschaftler Dirk Nitsche (Cass Business School aus London) 550 deutsche Aktienfonds untersucht. Er analysierte deren Entwicklung von 1990 bis 2009. Sein Ergebnis: 83% aller untersuchten Investmentfonds erreichen ihren Erfolg durch Zufall. Zitat: „Statistisch gesehen gibt es nicht einen einzigen Fonds, dessen Erfolg auf Können des Fondsmanagers beruht.“

Ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis sich diese Erkenntnis auch bei Privatanlegern herumspricht, wenn überhaupt.

5 Antworten
    • Peterreins
      Peterreins says:

      Meiner Meinung nach gibt es (mindestens) drei wichtige Kriterien:

      1. Gebühren und Kosten

      Je höher die Kosten eines Fonds, umso unwahrscheinlicher, dass er langfristig zufriedenstellende Ergebnisse aufweisen wird – vollkommen unabhängig davon, wie die vergangene Entwicklung war. Denn die vergangene Entwicklung (positiv wie negativ) könnte alleine auf Glück, Pech und Zufall zurückzuführen sein.

      Typischerweise übersehen viele Anleger die große Bedeutung der Gebühren. Sehr häufig wird auch nur auf einen einzigen Kostenfaktor gesehen (beispielsweise die Ausgabeaufschläge), andere Kostenfaktoren aber übersehen. Wichtig ist hier natürlich die Gesamtsicht, und nicht nur ein Einzelasepekt.

      2. Das Risikomanagement

      Die Frage ist, welche Form des Risikomanagements verfolgt der Fonds? Sehr, sehr häufig wird nämlich gar kein Risikomanagement betrieben. Dann nämlich, wenn der Fondsmanager glaubt, ein so gutes Prognosesystem zu haben, dass nichts schiefgehen kann. Risikomanagement ist für die Fälle wichtig, in denen die Dinge anders laufen als erwartet. Und das geschieht im Finanzbereich leider immer und immer wieder. Hier, im Bereich des Risikomanagements, wird der eigentliche Mehrwert des professionellen Managments geschaffen – nicht etwa bei richtigen Prognosen, wie die Mehrheit der Privatanleger glaubt.

      Im Prinzip jeder Anleger hat mal recht, mal liegt er falsch. Langfristig so etwa 50% / 50%. Durch Prognosen wird kein Mehrwert erzeugt. Wohl aber durch die Art und Weise, wie man auf Fehler reagiert. So ähnlich hat es übrigens auch die Hedgefonds-Legende George Soros ausgedrückt.

      3. Passt der Fonds zu den persönlichen Anlagezielen des Anlegers?

      Ein sehr wichtiges Kriterium wird von Privatanlegern auch fast immer nicht berücksichtigt. Ein Fonds kann – an sich – sehr gut sein, und trotzdem nicht zu den individuellen Zielen des Anlegers passen. Manchmal ist man beispielsweise einfach mit Festgeld oder Tagesgeld sehr gut beraten, manchmal aber auch mit Disountzertifikaten. Manchmal mit einem ETF-Portfolio plus Rebalancing. Sehr häufig eine Kombination aus diesen Komponenten. Was genau am besten ist, kann man aber erst sagen, nachdem die Anlageziele geklärt sind.

      Ich kann aus meiner Praxis als Anlageberater sagen: Fast kein Anleger hat seine Anlageziele hinreichend gut geklärt. Genau in dieser Klärung besteht ein Großteil guter Anlageberatung. Schlechte Anlageberatung hingegen ist bloß Produkt-orientiert, ohne vorher zu klären, inwiefern ein Anlageprodukt zum Anleger passt oder nicht.

      Aber eines können Sie mir wirklich glauben: Mit das schlechteste Kriterium, einen Fonds zu beurteilen besteht darin, sich seine vergangene Performance anzusehen. Das mag ganz interessant sein, eine gute Entscheidungsgrundlage bilden aber Vergangenheitszahlen nicht.

      Antworten
  1. thomas
    thomas says:

    Danke für die ausführliche Erklärung und Entschuldigung, dass ich die „Netikette“ nicht vorher gelesen habe (Du/Sie).

    Wenn es nach den Kosten geht, müsste man aber fast immer auf einen gemanagten Fonds verzichten.

    Gruß
    Thomas Schindler

    Antworten
    • Peterreins
      Peterreins says:

      Sehr geehrter Herr Schindler,

      gar kein Problem wegen der Etikette. Ich finde es halt schöner, wenn man sich als Fremde „siezt“. Ich duze ja auch keinen wildfremden Menschen, den ich auf der Straße treffe.
      Und ja, Sie haben recht, die meisten aktiv gemanagten Fonds kann man vergessen:
      1. Weil sie zu teuer sind
      2. Weil sie keine vernünftige Risikomanagement-Strategie haben.
      ETFs alleine haben zwar eine sehr gute Kostenstruktur, aber bei einem ETF einfach so fehlt eine Risikomanagement-Strategie.
      Hier empfehle ich – allgemein gespropchen – das Rebalancing, so wie es David Swensen in seinem Buch „Erfolgreich Investieren“ beschrieben haben. ETFs einfach so zu erwerben ohne sich eine Strategie zu überlegen, halte ich für nicht gut.

      Antworten
  2. Christian Schmidt
    Christian Schmidt says:

    Servus zusammen, genau das ist das Thema. Es gibt nicht „den besten Fonds“, genauso wie es nicht „die beste Aktie“ gibt. Leider wird bei der Anlageentscheidung nahezu ausschließlich auf die Rendite der Vergangeheit geschaut. Renditen sind jedoch nicht kalkulierbar und auch nicht kontrollierbar, sondern das Ergebnis der eingegangenen Markt- und Unternehmensrisiken. Die einzige Stellschraube, die gedreht werden kann, ist das Risiko. Leider wird mit der Kennziffer „Volatilität“ nicht geworben, und kaum eine Kapitalanlagegesellschaft nennt offen die Ziel- und die Istvolatilität ihrer Fonds. Zum Trost sei angemerkt, dass die Fondsindustrie mit Kosten und Gebühren vergleichsweise transparent umgeht. Steht alles in den rechtsverbindlichen Verkaufsprospekten, die nur leider sehr wenig Anklang finden, weil sie sich nicht spannend lesen… Anders sieht es da im Bereich Versicherungen aus. Wer jemals versucht hat, Riester – Produkte miteinander zu vergleichen oder herauszufinden, wie hoch die Kostenquote dort ist, der wird staunen.
    Ergo: Über Geld sprechen – denn wer spricht, dem kann geholfen werden!

    Beste Grüße aus Dortmund
    Christian Schmidt

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