Volker Looman über die Finanzen junger Leute

Ich habe in der FAZ vom 6. November auf Seite 23 einen Beitrag von Volker Looman aus Reutlingen gelesen. Titel: „Versicherungen und Sparbriefe für junge Leute“. Darin behandelt Volker Looman den Fall eines 20-jährigen jungen Mannes, der 200.000 Euro geerbt hat. In sehr vielen Punkten stimme ich mit Looman überein, in ein paar Punkten aber auch nicht …

Volker Looman rät dem jungen Mann zu folgenden Dingen, die auch ich für absolut elementar halte:

  1. Der junge Mann sollte ein Testament machen.
  2. Er sollte eine private Haftpflichtversicherung abschließen.
  3. Er sollte sich um eine geeignete Krankenversicherung kümmern.
  4. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist wichtig (Achtung bei der sog. Erwersunfähigkeitsklausel).

Wie gesagt, in all diesen Punkten stimme ich absolut überein. Womit ich aber nicht einverstanden bin, ist der Anlagevorschlag für die 200.000 Euro des jungen Mannes, wie ihn Volker Looman macht.

Der Finanzanalytiker aus Reutlingen ist zu dem Ergebnis gekommen, dass der junge Mann in Summe 80.000 Euro braucht, bis er in fünf Jahren mit seinem Studium fertig ist. Loomans Vorschlag ist wie folgt:

„Die ersten 10.000 Euro fließen auf das Girokonto. In einem Jahr werden für das Auto und den Konsum 20.000 Euro benötigt. In 24 Monaten sind für das Auslandsjahr noch einmal 20.000 Euro erforderlich. Danach werden drei Jahre jeweils 10.000 Euro benötigt.

Sparbriefe mit Sinssammlung und Laufzeiten von zwölf Monaten bis fünf Jahren sind preisgünstig und sicher. Beim Erwerb fallen keine Kosten an, und die Papiere sind durch den Sicherungsfonds der Banken geschützt.“

Zunächst einmal halte ich es für viel ratsamer, die ersten 10.000 Euro nicht einfach aufs Girokonto zu legen, sondern auf ein gut verzinstes Tagesgeldkonto.

Zweitens halte ich Banksparbriefe nur für bedingt empfehlenswert. Gerade bei Sparbriefen die eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren (oder länger) haben, besteht sehr wohl ein Risiko: nämlich das Inflationsrisiko.

Nehmen wir an, jemand bindet sich mit einem Banksparbrief für fünf Jahre an einen Zinssatz von 3 Prozent p.a. Und nehmen wir rein theoretisch an, dass die Inflation ab dem nächsten Jahr bis auf weiteres bei 4 Prozent p.a. ansteigt. Dann wird der junge Mann real (d.h. unter Berücksichtigung der Geldentwertung) einen erheblichen Verlust gemacht haben.

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich nicht die Prognose mache, dass es zu einer hohen Inflation kommen wird. Ich will nur darauf als mögliche Gefahr hinweisen und darauf, dass in diesem Fall ein fünfjähriger Sparbrief durchaus mit Risiken behaftet ist.

Umgekehrt liegt natürlich in einer fünfjährigen  Zinsbindung auch eine Chance. Es könnte ja sein, dass Inflationsrate und Kapitalmarktzisnen noch weiter sinken. In diesem Falle könnten die 3 Prozent, die man heute bekommt, historisch hohe Zinssätze sein.

Der Punkt ist: Man weiß es heute nicht. Tatasche jedoch ist, dass ein fünfjähriger Sparbrief mit festem Zinssatz mit Chancen und Risiken verbunden ist. Eine komplett sichere Sache ist ein langlaufender Sparbrief sicher nicht.

Da der junge Mann insgesamt 200.000 Euro anzulegen hat, 80.000 für die Ausbildungszeit verplant sind, verbleiben noch 120.000 Euro zum Anlegen. Volker Looman schreibt dazu:

„Sollte das Verlangen nach Chancen nicht zu unterdrücken sein, sollten 60.000 Euro in einen Sparbrief und 60.000 Euro in einen börsengehandelten Indexfonds wie den Stoxx 600 angelegt werden.“

Auch mit diesem Anlagevorschlag bin ich nicht einverstanden. Warum denn nur Europa? Lässt hier möglicherweise die sogenannte Home Bias grüßen? (Als Home Bias wird in der Forschung die Neigung der Anleger bezeichnet, bei der Geldanlage den Heimatmarkt irrational zu bevorzugen.)

 Aus meiner Sicht sollte ein gut diversifiziertes Portfolio folgende Anlageklassen umfassen:

  • Europa (Stoxx 600)
  • Amerika (S&P 500-Index)
  • Japan (Nikkei 225-Index)
  • Emerging Markets
  • Rohstoffe
  • Staatsanleihen

Eventuell solle man auch an die Anlageklasse Immobilien denken. Diese mit einem kleinen Betrag abzudecken, ist aber größtenteils keine leichte Aufgabe (siehe hierzu folgenden Blog-Beitrag: Wie man am besten in Immobilien investiert.)

Denkbar ist auch – gerade unter dem Gesichtspunkt der Risiko-Diversifikation – die Beimischung eines guten Hedgefonds. Das ist natürlich wieder so ein negativ besetzter Begriff. Aber gute Hedgefonds konnten gerade in der Krise 2008 agute Gewinne erzielen und so die Verluste anderer Anlageklassen (zumindest teilweise) ausgleichen. 

Was mir bei dem Anlagevorschlag von Volker Looman vor allem nicht gefällt, ist, dass nichts zum Thema Risikomanagement gesagt wird. Der Anlagevorschlag ist statisch. Es wird aber nichts gesagt, was zu tun ist, falls die Aktienmärkte vielleicht wieder stark fallen. Sollte man da vielleicht nachkaufen? Oder vielleicht Stop-Loss-Marken setzen?

Meiner Meinung nach jedenfalls ist ein vernünftiges Risikomanagement-Konzept entscheidend für einen langfristigen Anlageerfolg, natürlich neben der elementaren Forderung, sein Vermögen möglichst optimal zu diversifiieren. Beides sehe ich nicht bei dem Anlagevorschlag von Volker Looman.

6 Antworten
  1. Klaus
    Klaus says:

    Was ich an der Rechnung viel mehr bedenklick finde, sind die 80.000 Euro die für 5 Jahre Studium veranschlagt werden. Das sind 1333 Euro pro Monat, netto! In meinem ganzen Bekanntenkreis gab es niemanden, der auch nur in die Nähe eines solchen Budgets kam. Dazu kommt noch, dass jemand, der sich während seines Studiums keine Sorgen ums Geld machen muss (und daher auch nicht zu jobben braucht) eigentlich nach 4 Jahren fertig sein müsste. Spätestens. Daher würde ich sagen, dass 40.000 Euro für das Studium absolut ausreichend sein sollten. Das sind immer noch mehr als 800 Euro netto im Monat, womit ein 20jähriger gut auskommen dürfte.

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  2. JEH
    JEH says:

    Interessanter Artikel, jedoch scheint einiges an den Haaren herbeigezogen zu sein.
    Zu Girokonto: Es gibt Konten (bsp. DKB) die verzinst sind. Aber da gleich 10.000 drauf zu legen ist schlicht zu ideenlos und NICHT empfehlenswert.
    „In einem Jahr werden für das Auto und den Konsum 20.000 Euro benötigt“- bitte was? 20.000? Fährt der Mann einen 5er BMW?
    Und: für was so viel Geld ausgeben, wenn danach sowieso ein Aulandsaufenthalt geplant ist- oder nimmt er das Auto mit?
    „80.000 für die Ausbildungszeit“ Nur realistisch, wenn er auf einer Privatuni ist- ansonsten nicht. Mit etwa 800-1000 Euro pro Monat und guter Finanzplanung sollte man inkl. allem relativ gut auch in sehr teuren Städten hinkommen (außer er gibt bewusst bedeutend mehr aus).
    Kurz laufende Sparbriefe sind auch empfehlenswert! Mit zwei Jahren Laufzeit sind oft 3 Prozent drin. Aber „fünf Jahre“ in der akutellen Zeit ist mit erlaub: idiotisch.
    „geeignete Krankenversicherung“ Er ist 20. Vllt. ist kann er sich noch für die Zeit über die Eltern versichern. Eine eigene „studentische“ Versicherung ist meist rausgeworfenes Geld, wenn man sich über die Familie mitversichern lassen kann…
    Es scheint als ob Volker Looman eher Versicherungen und ähnliches unters Volk bringen möchte. Mit guter bis sehr guter Finanzberatung hat der „Fall“ nichts zu tun.

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    • Peterreins
      Peterreins says:

      Man kann sich sachlich über die Vorschläge und Ideen von Herrn Volker Looman streiten. Und man kann hier in einzelnen Punkten durchaus anderer Meinung sein als er.

      Worauf ich aber nicht den Hauch eines Zweifels zulassen möchte, ist, was die Integrität von Herrn Looman betrifft. Ihre Vermutung „es scheint als ob Volker Looman eher Versicherungen und ähnliches unters Volk bringen möchte“ halte ich daher für vollkommen unakzeptabel. Ich finde es wirklich nicht korrekt, hier mit solchen Unterstellungen und Vermutungen zu arbeiten. Damit tut man Herrn Looman zu 100% unrecht. Es ist direkt eine persönliche Beleidigung.

      Stattdessen bin ich der Meinung: Wenn es nur 5 Prozent mehr Finanzberater im Stile eines Volker Loomans hätte, hätten wir eine bessere Welt. Wenn zu mir jemand käme und sagen würde, er möchte eine Finanzberater durch eine andere Person als ich es bin, dann würde ich ohne zu zögern Herrn Looman nennen.

      Wie gesagt: Auf die Korrektheit und Integrität von Herrn Looman lasse ich rein gar nichts kommen. Wohl aber bin ich in einzelnen fachlichen Punkten anderer Meinung als er. Das ist aber eine ganz normale Sache. Und es ist auch schwer zu sagen, wer tatsächlich recht hat. Er hat diese Meinung, ich jene. Möglicherweise liege ich ja falsch. Man kann auch gerne darüber diskutieren oder streiten – solange alles auf einem sachlichen (nicht beleidigend-persönlichen) Niveau bleibt. Genau das war der Zweck meines Weblog-Beitrags.

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  3. Klaus
    Klaus says:

    Danke für diesen Hinweis, Herr Peterreins! So sehr ich selbst die neuen Möglichkeiten zur self-publishing und der unmittelbaren Beteiligung der Leser in Blogs und Publikationen schätze, ist es doch bedauerlich, dass damit oft ein Verlust an Niveau und eine Tendenz zu Polarisierung und Polemisierung einhergeht.

    Dennoch würde ich gerne die Gelegenheit nutzen, meinen Kommentar (und den von JEH) aufzugreifen und eine weiterführende Frage zu stellen:

    Inwieweit betrachten Sie es als Finanzberater als Ihre Aufgabe, Ihren Kunden (gerade jungen Kunden wie in diesem Fall!) bestimmte „Werte“ und „Bewusstsein“ für den Umgang mit Geld zu vermitteln? Die Empfehlung von Herrn Loomann an den jungen Mann scheint mir ein bedenkliches Signal in Richtung Konsumerismus zu senden. Nur weil der junge Mann durch windfall profits zu Geld kam, heisst das ja lange nicht, dass er innerhalb weniger Jahre einen großen Teil davon ausgeben sollte.

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  4. al_man
    al_man says:

    Bei der Betrachtung der Situation geht es aus Sicht des Beraters nicht darum, das Ausgabenniveau des Kunden zu hinterfragen, sondern vielmehr auf die Frage des Kunden eine passende Antwort zu finden. Wichtig in der Situation des Kunden, insbesondere, wenn wenig Ahnung besteht und gleichzeitig sehr viel (emotionale) Verantwortung mit dem Erbe verbunden ist: Fehler vermeiden!!! Und diese Fehler werden mit den Vorschlägen von Herrn Loomann und Dr. Peterreins vermieden. Nicht mehr und nicht weniger!
    Natürlich kann es in Kundensituationen schon mal vorkommen, dass man sich auch kritisch zur Ausgabensituation des Kunden äußern muss. Dann nämlich, wenn abzusehen ist, dass dieses Niveau über kurz oder lang den finanziellen Ruin bedeutet.
    Hierzu noch eine Anmerkung: Sowohl in jungen Jahren als auch im Ruhestand muss der Flexibilität äußerste Priorität eingeräumt werden: Für Junge aufgrund der Unsicherheit bezüglich der Zukunft, für Ältere aufgrund der Unsicherheit bezüglich Inflation und Gesundheit.

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  5. Klaus
    Klaus says:

    Lieber Herr Friess, was der Kunde angefragt hat, wissen wir ja nicht. Wenn er ausdrücklich angegeben hat, dass er während des Studiums unbedingt ein Auto braucht, dann muss das in die Kalkulation natürlich einbezogen werden. Sollte das allerdings nicht der Fall gewesen sein, würde ich ähnlich wie JEH die Empfehlung bzw. Planung für ein fatales Signal halten. Auch unter der Maßgabe der von Ihnen selbst betonten Flexibilität. Denn ein Auto schränkt die finanzielle Flexibilität eines Studenten erheblich ein, neben dem Anschaffungspreis entstehen über die Jahre ja noch beträchtliche Folgekosten.

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