Pfandbriefe

Ein Leser dieses Weblogs fragte mich letzte Woche nach der Funktionsweise von Pfanbriefen. Diese Art von Wertpapieren geht zurück bis auf Friedrich den Großen (1769) . Vor der Finanzkrise hat der eine oder andere vielleicht eine Parallele zu den amerikanischen Mortgage-backed Securities (sprich „mo:gitsch…“, Abk.: MBS) gesehen. Tatsächlich gibt es hier Ähnlichkeiten, aber auch wichtige Unterschiede.

Die Definition eines Hypothekenpfandbriefes lautet so: Ein Pfandbrief ist eine von einer Pfanbriefbank emittierten Anleihe, die zusätzlich durch eine sogenannte Deckungsmasse besichert ist. Bei Hypothekenpfandbriefen ist diese Deckungsmasse eine Anzahl von Darlehensforderungen, die durch Grundpfandrechte auf Grundstücke besichert sind.

Eine herkömmliche Aneihe ist so gut oder schlecht, wie der Emittent zahlungsfähig ist. Geht der Emittent in die Insolvenz, erleidet der Inhaber einer Anleihe normalerweise erhebliche Verlust. Das Besondere bei Pfandbriefen ist nun, dass diese Wertpapiere noch eine zusätzliche Besicherung haben. Sollte die emittierende Bank zahlungsunfähig werden, dann gehen die Grundpfandrechte auf Grundstücke unmittelbar in den Besitz der Pfanbrief-Inhaber über.

Wie ein Pfandbrief werden auch MBS durch einen Pool von Immobilien-Hypotheken besichert. Der Unterschied ist aber, dass sie nur durch diesen Hypotheken-Pool besichert werden. Die emittierende Bank selbst muss für nichts gerade stehen. Kommen die Hypotheken im Pool in Schwierigkeiten, so kommt auch die MBS in Schwierigkeiten, vollkommen unabhängig davon ob des der emittierenden Bank gut geht oder nicht.

Bei einem deutschen Pfanbrief muss aber zunächst einmal die emittierende Bank geradestehen, was Zinszahlung und Tilgung betrifft. Und erst in zweiter Reihe – also wenn die Pfandbriefbank zahlungsunfähig ist, wird die Sicherung durch die Immobilien-Hypotheken wirksam.

Hapothekenpfanbriefe sind wie gesagt ziemlich sicher, bieten aber eine höhere Rendite als beispielsweise deutsche Bundesanleihen. Beispielsweise bekommt man auf einen Hypothekenpfandbrief der Hypovereinsbank (HV0EBA), der noch etwa 5 Jahre Restlaufzeit hat, derzeit 1,873 Prozent. Eine Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland mit derselben Restlaufzeit bringt derzeit hingegen nur 1,416 Prozent.

Hier noch ein Link zu einer Darstellung der verschiedenen Zinsstrukturkurfen: Börse-Stuttgart-Zinsstrukturkurven.

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6 Antworten
  1. JEH
    JEH says:

    Sehr richtig- viele schwören ja auf Pfandbriefe oder Bundesanleihen. Irgendwie unverständlich, denn da frage ich mich immer: Warum sollte ich Pfandbriefe erwerben, wenn ich bei den besten Tagesgeldkonten auf einfachere Weise mehr Zinsen bekomme…

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  2. Holger
    Holger says:

    Gute Erklärung dieses wichtigen (aber nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlichen) Unterschiedes. Interessieren würde mich jetzt noch der Unterschied zwischen deutschen Pfandbriefen und Covered Bonds aus dem (europäischen) Ausland – falls es da überhaupt einen grundlegenden Unterschied gibt…

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    • Peterreins
      Peterreins says:

      Deutsche Pfandbriefe gehören zu der Wertpapierklasse der Covered Bonds. Auch in anderen Ländern gibt es Benken, die Covered Bonds emittieren. Das Besondere an den deutschen Pfandbriefen jedoch ist, dass das Pfanbriefgeschäft auf einer eigenen gesetzlichen Grundlage steht und dass Pfandbriefbanken einer besonderen staatlichen Überwachung unterliegen. Das gibt es so in anderen Ländern nicht.

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  3. TÜLAI
    TÜLAI says:

    Lieber Herr Dr. Peterreins,

    Wieso konnten Pfandbriefbanken wie die Hypo Real Estate (HRE) sowie die staatlichen Landesbanken HSH Nordbank als größte europäische Emittentin von Schiffsfinanzierungen und die West LB überhaupt in solche Notlagen geraten, wie sie es taten, wenn sie doch einer besonderen staatlichen Überwachung unterliegen?
    Was war beziehungsweise was ist diese Überwachung wert?
    Waren beziehungsweise sind ihre Kontrolleure unfähig und / oder gleichgültig?

    Angeblich war ab Herbst 2008 der Börsenhandel mit Pfandbriefen für ein paar Monate weitgehend zum Erliegen gekommen. Ebenso gab es wohl fast keine Neuemissionen.
    Da ich die Gründe dafür nicht kenne, eröffnet mir die bloße Information allerdings überhaupt kein Verständnis der Zusammenhänge.
    In meiner Phantasie kann ich mir genau konträre Gründe ausdenken: Möglicherweise fehlten die Kaufwilligen im Markt, weil sie über keine Barmittel verfügten und keine Kredite bekamen. Möglicherweise fehlten aber auch die Verkaufswilligen im Markt, weil sie die sichere Anlageform der Pfandbriefe in jener Krisensituation nicht hergeben mochten.

    Viele Grüße
    TÜLAI

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  4. Manfred
    Manfred says:

    Sehr geehrte(r) TÜLAI,
    der konkrete Anlaß für die Schieflage der HRE war ja deren Dubliner Tochter Depfa, die das Staatsfinanzierungsgeschäft betrieben hat. Dabei hat letztere zu sehr auf die Fristentransformation gesetzt, d. h. langfristige Ausleihungen sehr kurzfristig refinanziert. Als sich dann in der Finanzkrise alle Banken misstrauten und sich kein Geld mehr liehen, wurde die Depfa illiquide.

    Solche Szenarien, dass sich die Banken untereinander kein Geld mehr leihen würden, hatten die staatlichen Aufseher wohl auch nicht auf dem Schirm.

    Viele deutsche Banken und auch Versicherungen (z. B. Munich Re) hatten (und haben) in großen Mengen Pfandbriefe gekauft, d. h. einen großen Teil ihres Vermögens in Pfandbriefe angelegt, weil sie sich davon eine Überrendite gegenüber Bundesanleihen versprachen bzw. versprechen.
    Die Rettung der HRE durch den Staat (Verstaatlichung) diente deshalb in erster Linie der Rettung der Pfandbriefinhaber, also der Banken und Versicherungen, (genauso wie das 750 Mrd. €- Garantiepaket für die südlichen Euroländer letztlich auch der Rettung der europ. Banken und Versicherungen diente).

    Wenn man die HRE abgewickelt hätte, wäre es das erste Mal gewesen, dass man die Deckungsstöcke hätte liquidieren müssen, um die Pfandbriefinhaber auszuzahlen.
    Man wollte es einfach bei der HRE nicht darauf ankommen lassen, auszuprobieren, ob die Sicherungsmechanismen der Pfandbriefe mit der Deckungsmasse aus Immobilienkrediten oder Staatsanleihen wirklich funktionieren.

    Denn als erstes wäre das wohl ein heilloses Durcheinander geworden, die Pfandbriefkurse wären stark gefallen, und die Banken und Versicherungen hätten deshalb Verluste bilanzieren müssen. Das wollte man vermeiden. (Vielleicht hätte man dann auch noch festgestellt, dass die Immobilien und Grundstücke, die die Deckungsmasse darstellen, gar nicht so wertvoll gewesen wären, wie man dachte (vgl frontal21.de vom 10.06.09)).
    (Es gibt glaube ich auch noch andere Gründe, warum man den Sicherungsfall nicht eintreten lassen wollte, aber die weiß ich im Moment nicht.)
    Man hat es bisher immer vermieden, Pfandbriefbanken pleite gehen zu lassen, wenn sie illiquide waren, man hat sie dann übernommen bzw. sie wurden übernommen, vergleiche AHBR (Allg. Hypothekenbank Rheinboden) und Düsseldorfer Hypothekenbank.

    Der Handel mit Pfandbriefen ist während der Finanzkrise deshalb fast zum Erliegen gekommen, weil sich die Geld-Brief-Spannen sehr stark ausgeweitet hatten. D. h. den Börsenhändlern war es zu riskant, Pfandbriefe auf die eigenen Bücher zu nehmen, weil auch sie dem Konstrukt der Pfandbriefe nicht mehr recht trauten; möglicherweise weil man den Unterschied zu den US-amerikanischen MBS nicht genau kannte; und weil die emittierenden dt. Pfandbriefbanken (deren größte eben die HRE und auch die Eurohypo sind) wohl auch viele Immobilien finanziert haben, die an Wert verloren hatten, weniger in Deutschland, hier sind die Immobilienpreise ja stabil geblieben, aber dafür im europäischen Ausland, z. B. in Irland, Großbritannien und Spanien, nehme ich an. Deswegen befürchtete man damals wohl schon, dass beide Hypothekenbanken Schwierigkeiten bekommen würden. Beide wurden ja dann auch (teil)verstaatlicht, die HRE ganz, und die Commerzbank, die Muttergesellschaft der Eurohypo, bekam eine 16 Mrd. schwere „stille Beteiligung“ des Staates.
    Außerdem haben möglicherweise die Banken Pfandbriefe verkauft, um an Liquidität zu kommen in der Finanzkrise. Das führte dann zu sinkenden Preisen der Pfandbriefe und damit zu höheren Risikoprämien gegenüber den „ganz sicheren“ Bundesanleihen.

    Die Kurse der ausländischen Pfandbriefe, also z. B. der spanischen „Covered Bonds“, haben allerdings noch viel stärker gelitten als die der deutschen.

    Soweit meine Erkenntnisse.

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  5. TÜLAI
    TÜLAI says:

    Lieber Manfred,

    vielen Dank für die ausführliche Antwort!

    Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) lamentiert in einer Pressemeldung vom 20.09.2010 über die Bestimmungen von Basel III, so wie man es von Lobbyisten erwarten darf. Verbände machen sich nun mal eine einseitige Darstellung ihrer eigenen Interessen zu einer ihrer Aufgaben. 🙁

    Die sachliche Angemessenheit der Befürchtungen des vdp kann ich nicht beurteilen:

    „Pfandbriefbanken drohen Nachteile durch Baseler Regulierung“
    http://www.institutional-money.com/cms/news/uebersicht/artikel/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=23120&tx_ttnews%5BbackPid%5D=11&cHash=f793482ead

    Markus Früauf scheint sich dieser Perspektive in seinem FAZ-Artikel weitgehend anzuschließen:

    http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc~E7F292F56DDC2499D8E557248CEBFC352~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    „Basel III
    Hohe Hürde für den Pfandbrief
    Die Bankenaufseher müssen Liquiditätsregeln erst noch beschließen. Der Baseler Ausschuss möchte erreichen, dass Wertpapiere sicher und liquide sind. Doch die diskutierten Vorgaben legen die Hürden für einige Schuldtitel sehr hoch.“

    Der Artikel von Julia Groth in DIE ZEIT vom 16.09.2010
    „Comeback eines Langeweilers
    Trotz der Dauerkrise um die Hypo Real Estate: Der gute alte deutsche Pfandbrief wurde jüngst zum Exportschlager“

    http://www.zeit.de/2010/38/F-Pfandbriefe

    schließt im letzten Absatz so zuversichtlich, dass ich als Laie geradezu denken könnte, beide Artikel beschrieben unterschiedliche Anlageklassen.

    Warum traut man eigentlich Journalisten, die unter Zeitdruck über alle erdenklichen Themen schreiben, zu, die Welt erklären zu können?

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