Schweizer Franken: Vielleicht vom Regen in die Traufe

Noch vor ein paar Wochen herrschte regelrechte Euro-Hysterie. Der Außenwert des Euro bezüglich anderer Währungen fiel und fiel und fiel. Griechische Schuldenkrise, Spanien, Portugal und Irland … Eine Reihe von Auguren sahen schon das Ende des Euro gekommen.

Kein Wunder, dass sich viele Menschen Sorgen machten um ihr Geld. Manche kauften Gold, manche kauften Immobilien und manche meinten ihr Geld durch eine Flucht in Fremdwährungen in Sicherheit bringen zu können.

Jetzt habe ich in der Wochenendausgabe der FAZ vom 17./18. Juli einen interessanten Artikel gelesen mit der Überschrift: „Die Flucht in den Franken könte sich als Fehler erweisen“…

In diesem FAZ-Artikel (S. 21) kommt der Berater Heribert Müller zu Wort:

„Heribert Müller, der sich viel mit Börsenpsychologie beschäftigt, hält zumindest bei Jahresende 2010 dagegen: ‚Eine Flucht [in den den Schweizer Franken], die von Anlegern ungeordnet, teilweise panisch und damit unüberlegt vollzogen wird, findet erfahrungsgemäß am Ende eines langfristigen Trends statt‘, sagt der Vorstand des Beratungsunternehmens Heribert Müller Trust AG in Krefeld. Das heißt: Kurz bevor das Ende eines Trends erreicht ist, springen noch eher unvorsichtige und schlecht informierte Anleger auf den fahrenden Zug und beschleunigen ihn noch ein Stück – müssen dann aber die Kehtwende erleben.“

Heribert Müller glaubt also daran, dass der Schweizer Franken wieder an Wert gegenüber dem Euro verlieren wird. Das wäre dann dumm für all jene, die in den Schweizer Franken mit der Idee geflüchtet sind, sich so ihr Vermögen zu sichern. Sie würden dann nicht ihr Vemögen sichern, sondern vielmehr herbe Verluste hinnehmen müssen.

Heribert Müller begründet seine These von einem Wertverfall des Franken mit Methoden der Charttechnik, Fibonacci-Folgen und Elliott-Wellen. Alles Methoden, die ich für eine Art Finanz-Astrologie ansehe und von denen ich gar nichts halte. Dennoch würde es mich nicht wundern, wenn tatsächlich der Schweizer Franken gegenüber dem Euro wieder an Wert verlieren würde.

Ich begründe das natürlich nicht Charttechnik oder Elliott-Wellen, sondern einfach aus meiner Erfahrung heraus: Was aus stark emotionalen, ja direkt hysterischen Gründen stark steigt, das wird sehr schnell auch wieder fallen. Das gilt sowohl für den Schweizer Franken als auch für Gold als auch für deutsche Wohnimmobilien beispielsweise hier in München. Manchmal ist die Verrücktheit der Anleger direkt mit Händen zu greifen.

Das einzige Argument das diejenigen vorbringen, die an einen weiteren Anstieg glauben, ist: „X ist in der letzten Zeit so stark gestiegen, das wir sicher so weitergehen“. Der Grund für den weiteren Kursanstieg liegt also im wesentlichen darin, dass es in der jüngsten Vergangenheit einen Kursanstieg gab. Auf dieses (irrationale) Argumentationsmuster hat auch Prof. Robert Shiller in seinem Buch „Irrationaler Überschwang“ hingewiesen. (Übrigens ist dieses Buch zwar aus dem Jarhe 2000, dennoch aber nach wie vor lesenswert)

Der eigentliche Punkt ist ja wohl dieser: In Fremdwährungen zu gehen ist immer nicht nur spekulativ, es ist hoch-spekulativ. Wer als Euro-Anleger in den Schweizer Franken geht, mit der Idee so Geld sicher anzulegen, hat, denke ich, etwas prinzipiell nicht verstanden. Wie gesagt: Eine Fremdwährungsspekulation ist niemals sicher, vielmehr mit dem höchsten Grad des Risikos ausgestattet.

Ja, man kann sein Vermögen diversifizieren, indem man auch bis zu einem gewissen Maße in Fremdwährungen geht. OK, aber das sollte strategischen Charakter haben, und keine taktisch-spekulativen. Damit meine ich folgendes: Man sollte nicht aus einer Laune heraus bzw. einer allgemeinen Stimmungslage heraus die Entscheidung treffen, in den Schweizer Franken anzulegen.

Man kann in den Schweizer Franken Geld anlegen, aber bitte als dauerhaftes Investment, und nicht als kurzfristiges Rein-/Raus-Geschäft. Das geht nämlich in bemerkenswert vielen Fällen schief.

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