Liaquat Ahamed über den Goldstandard

Letztens habe ich eine Buchbesprechung des Buche  Die Herren des Geldes gelesen. Der Autor ist Liaquat Ahamed. Dieses Buch habe ich inzwischen auch gekauft, werde aber wohl erst demnäcsht dazu kommen, es zu lesen. Das Thema ist jedenfalls sehr interessenat. Es handelt von der Zeit zwischen 1920 und 1935 und den damaligen vier großen Zentralbankpräsidenten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien und USA).

Dieses Wochenende habe ich nun ein Interview mit Liquat Ahamed in der FAZ gelesen …

Hier ein paar Auszüge aus diesem Interview mit Liquat Ahamed:

Ahamed: … Der Erste Weltkrieg änderte dann alles. Die Inflationsraten und die Staatsschulden stiegen … Dann begingen die Zentralbanken einen schweren Fehler.

FAZ: Welchen?

Ahamed: Sie glaubten, den im weltkrieg aufgegebenen Goldstandard wiederherstellen zu müssen, um geordnete Verhältnisse zu schaffen.

FAZ: Was war daran falsch?

Ahamed: Nun, es gab zum einen zu wenig Gold, das überdies zwischen den Ländern sehr ungleich verteilt war. Der Goldstandard war nicht flexibel genug, um mit den Ungleichgewichten umzugehen.

… [Der damalige Ökonom John Maynard] Keynes lehnte die damalige Geldpolitik ab. Er hatte erkannt, dass die Ungleichgewichte im Außenhandel … eine erfolgreiche Rückkehr zum Goldstandard unmöglich machten…

Der Unterschied zwischen damals und heute besteht in der Antwort auf die Krise. Dieser Unterschied könnte gar nicht größer sein. Wir haben dieses Mal massiv mit expansiver Geld- und Finanzpolitik gegen die Krise gesteuert.

FAZ: Und das war hilfreich?

Ahamed: O ja. …

FAZ: Gäbe es heute einen Weg zurück zum Goldstandard?

Ahamed: Nein… Es gibt einfach nicht genügend Gold, um das heutige rasch wachsende internationale Finanzsystem darauf zu bauen.“

 Ich höre immer wieder die These, dass die heutige Krise auch daher rührt, dass wir keinen Goldstandard mehr haben. Ich halte diese These für komplett falsch. Ziemlich klar ist: Hätten wir noch den Goldstandard, wie er während der Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren aufrecht zu halten versucht wurde, dann hätten wir heute eine viel dramtischere Situation. Wir heutige können von Glück sprechen, dass wir nicht den Goldstandard haben. Die Krise hätte sich mit Sicherheit verschärft.

Manchmal höre ich auch solche Thesen wie: „Seit es den Goldstandard nicht mehr gibt, erleben wir häufiger Finanzkrisen als früher.“ Wie wenig stichhaltig diese These ist, sieht man, wenn sich einmal die Börsengeschichte des 19. Jahrhunderts genauer anschaut. Im 19. Jahrhundert – also der guten alten Zeit des Goldstandards – hat es etwa allle 10 Jahre schwerwiegende Finanzkrisen gegeben. Krisen, die in ihrer Heftigkeit kaum geringer waren, als das was wir aktuell erlebt haben.

In diesem Zusammenhang finde ich das Buch Manien, Paniken, Crashs von Charles P. Kindleberger sehr interessant. Auf Seite 271 seines Buches zitiert Kindleberger Zeitzeugen der jeweiligen Finanzkrisen:

1825. Großbritannien: „Die Öffentlichkeit wurde von einer nie da gewesenen Panik erfasst.“
1837. USA: „Einer der zerstörerischsten Ausbrüche der Panik, die diese Nation je erlebt hat.“
1847. Großbritannien: „Man kann mit gutem Gewissen behaupten, dass die City (London) seit dem Sturz Napoleons nicht mehr so aufgeregt war.“
1857. Großbritannien: „Die Krise des Jahres 1857 war die schwerste, die England oder eine andere Nation je erlebt hat.“
1857. Hamburg: „Eine so vollständige und klassische Panik hat Hamburg nie zuvor erlebt.“
1866. Großbritannien: „Die Krise des Jahres 1866 war die schwerste der Neuzeit.“
1873. Deutschland: „Die langwierigste Krise seit 56 Jahren.“
1882. Frankreich: „Noch nie habe ich eine solche Katastrophe erlebt.“

Schwere Krisen gab es ferner:

  • 1890: England
  • 1893 in den USA aufgrund des sog. Sherman Silver Acts und vornagegangenen Spekulationen auf Gold und Silber.
  • 1907 in den USA, Frankreich und Italien,
  • 1920/1921: Großbritannien und USA.

Und wie gesagt: Diese Krisen fanden größtenteils zu Zeiten statt, als der Goldstandard noch in Kraft war.

Wir dürfen uns heute glücklich schätzen, dass wir den Goldstandard nicht mehr haben. Gold wäre, wie Liaquat Ahamed gesagt hat, viel zu unflexibel, als dass es eine gute Basis für eine effektive Geldpolitik darstellen könnte. Genau das, was manche Goldstandard-Befürworter als Vorteil des Goldes behaupten, nämlich dass es nicht beliebig vermehrbar ist, exakt der schwerwiegendste Nachteil des Goldes.

Geldpolitik ist sehr komplex und schwer verständlich. Eine Rückkehr zum Goldstandard ist vielen verständlicher als die Art und Weise, wie moderne Geldpolitik betrieben wird. Aber eine Rückkehr zum Goldstandard wäre vergleichbar einer Rückkehr zur Medizin des 18. Jahrhunderts und dem Aderlass. Diese damalige „Medizin“ war wahrscheinich auch verständlicher als die heutige Medizin. Und auch die heutige moderne Medizin ist nicht frei von Fehlern aber allemal besser als der Aderlass der 18. Jahrhunderts.

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