Ein Video mit den Crash-Gurus Marc Faber und Max Otte

Meine These ist, dass Crash-Gurus vor allem auch vom Vergessen leben. Was meine ich damit? Nehmen wir den Analysten A an. A macht, sagen wir 10 Vorhersagen. Davon gehen 5 daneben, 5 waren Treffer. Seine Trefferquote beruhte also rein auf Zufall. Das Ansehen dieses Analysten steigt umso mehr, je besser die 5 falschen Prognosen in die Vergessenheit versenken lassen kann.

Nehmen wir beispielsweise an, dass A es nach einem Jahr geschafft hat, dass alle sich nur noch an seine 5 Treffer erinnern können, keiner mehr jedoch an die anderen 5 Fehlprognosen. In diesem Falle hat A die Chance darauf, in der Öffentlichkeit den Status eines „Börsengurus“ zu bekommen.

Dann darf A im Fernsehen auftreten und wird gerne als absoluter Experte interviewt. In der Regel wird A dann vorgestellt als derjenige Experte, der unglaublicherweise fünf Mal exakt die richtigen Prognosen abgegeben hat. Wirklich unfassbar, oder?

Das Beste, was man machen kann, um den Glorienschein eines solchen (angeblichen) Gurus anzukratzen, besteht daran, sich das genau zu notieren, was er einmal gesagt hat. Sich also die Erinnerung zu bewahren. Genau so möchte ich das nachfolgende Video verstehen, in dem die gefeierten Crashgurus Marc Faber und Max Otte im Februar 2009 interviewt werden …


Beide, Max Otte und Marc Faber, sagen hier also für die Zukunft einen starken Anstieg der Inflation voraus. Das Argument sowohl von Max Otte als auch vom Marc Faber ist, dass die Notenbanken die Wirtschaft mit Geld überschwemmt hätten, um die Krise zu bekämpfen.

Zunächst möchte ich einmal fragen: Was hätten sie denn sonst tun sollen? So reagieren, wie die Notenbankchefs es in den 1930er Jahren getan haben? Damals haben die Notenbanker exakt das Gegenteil dessen getan, was Max Otte und Marc Faber heute kritisieren. Und was war das Ergebnis? Eine riesige wirtschaftliche Katastrophe.

Diesmal machten die Notenbanker das Gegenteil, und was ist heute das Ergebnis? Die Krise scheint schneller überwunden als gedacht.

Wie stichhaltig ist aber das Argument von Max Otte und Marc Faber, dass es jetzt zu einer Inflation kommen muss? Es ist, recht besehen sehr wenig stichhaltig. Denn sie haben offensichtlich nur das Geldmengenwachstum im Blick, das die Notenbanken steuern. Fakt ist aber, dass auch private Geschäftsbanken Geld schaffen bzw. Geld „vernichten“ durch ihre Kreditvergabe-Politik.

Und wie wir alle wissen, sind die privaten Geschäftsbanken im Laufe der Krise sehr restriktive geworden, was die Kreditvergabe an Nicht-Banken betrifft. Stichwort: Kreditklemme. Und das hat faktisch zu einer Verringerung der Geldmenge geführt. Daher ja auch die deflationären Tendenzen, die wir gerade durchschreiten.

Die große Gefahr war und ist nicht etwa die Inflation, sondern das Gegenteil: die Deflation.

Aber letztlich weiß das heute niemand mit absoluter Gewissheit. Vielleicht liege auch ich komplett falsch, indem ich die Gefahr einer Hyperinflation für relativ gering halte. Wichtig an dieser Stelle ist mir nur, das genau festzuhalten, was Max Otte und Marc Faber in 2009 gesagt haben. Sollte es anders kommen, als von beiden vorausgesagt, ist dies ein Beitrag zumindest eine ihrer Prognosen (hoffentlich) der Vergessenheit zu entreißen.

1 Antwort
  1. Klaus
    Klaus says:

    Na, die beiden Prognosen was die Inflation angeht sind ja sehr vage: „ich könnte mir irgendwann Inflationsraten von 10-20 Prozent vorstellen“

    wird schwierig, diese Prognose zu widerlegen 😉

    Trotzdem ist es genau der richtige Ansatz, diese Prognosen zu dokumentieren und – so Quellen verfügbar sind – falsche Prognosen zu widerlegen.

    Eines der großartigsten und beeindruckendsten Beispiele für eine entlarvte, katastrophale Prognose kann man sich hier ansehen:
    http://www.youtube.com/watch?v=FP3YyJz3HsU

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