Welchen Nutzen bringt Vermögensberatung? – Kostenminimierung

Ich hatte vor ein paar Tagen ein Gespräch, bei dem es um die Frage ging, welchen Nutzen eine Vermögensberatung bringen kann.

Diese Frage ist natürlich deswegen so dringlich, weil so viele Vermögensberater grandios schlecht sind. Meine persönliche Schätzung ist, dass 95% der Leute, die sich Vermögensberater oder Anlageberater nennen, eigentlich Berufsverbot erhalten müssten. Dann gibt es natürlich auch die geschätzten 5%, die ihre Arbeit gut bis sehr gut machen. Ich bin ja selbst in der Vermögensberatung tätig und selbstverständlich halte ich mich für einen der Guten. Es wäre seltsam, wenn das anders wäre.

Dennoch muss ich mich natürlich der Frage stellen: Welchen Nutzen kann man sich vernünftgerweise von einer Vermögensberatung erwarten?

Kostenminimierung

So paradox das klingen mag, aber einen guten Vermögensberater zu haben ist mit weniger Kosten verbunden als keinen zu haben. Viele Anleger denken ja so:

„Wenn ich es alleine mache und keinen Berater noch extra hinzuziehe, werde ich logischerweise weniger Kosten haben. Ich spare mir ja das Honorar für den Berater.“

Fakt ist, dass es genau umgekehrt ist. Denn ohne kundige und faire Vermögensberatung wird der Kunde gnadenlos von Banken und Produktanbietern über den Tisch gezogen.

Hier ein Beispiel: Ich habe mal einen Herren, nennen wir ihn Herrn A, kennengelernt, der sich ganz alleine um seine Finanzangelegenheiten kümmerte. Er hielt einen Vermögensberater für unnötig und für „herausgeschmissenes Geld“. Auf die Gebühren angesprochen, verkündete er stolz, dass er schon sehr gute Sonderkonditionen hätte. Er zahle nämlich

  • nur die Hälfte der Transaktionskosten bei Wertpapierkäufen/-verkäufen, nämlich 0,50 Prozent pro Kauf/Verkauf.
  • Auch bei Investmenfonds zahle er nur die Hälfte des Ausgabeaufschlags. Also in der Regel 2,5% anstatt 5%.
  • Und bei der Depotführungsgebühr hätte er die Bank auf 0,20 Porzent pro Jahr heruntergehandelt.

Herr A hatte ein Vermögen von etwa 300.000 Euro. Ich ließ ihn schätzen, für welche Volumina pro Jahr er etwa Wertpapiere kaufen/verkaufen bzw. Investmentfonds erwerben würde. Er dachte nach und antwortete:

  • Er kaufe und verkaufe schätzungsweise für 100.000 Euro Wertpapiere pro Jahr. Das ist somit ein Transaktionsvolumen von insgesamt 200.000 Euro.
  • Ferner schätzte er, dass er etwa für 100.000 Euro im Jahr Fonds erwerben würde (bei Verkäufen fällt ja keine Gebühr an)

Insgesamt kommt Herr A damit auf folgende Kosten pro Jahr:

  • Depotführungsgebühr: 0,20% x 300.000 Euro = 600 Euro
  • Kauf-/Verkauf-Gebührung: 0,50% x 200.000 Euro = 1000 Euro
  • Ausgabeaufschläge für Fonds: 2,5% x 100.000 Euro = 2500 Euro

Das ergibt zusammen etwa 4.100 Euro Kosten pro Jahr.

Dann erzählte ich Herrn A, welche Kosten bei mir anfallen. Dazu müsste Herr A natürlich zu einer Bank wechseln, mit der ich Spezialkonditionen vereinbart habe. In diesem Fall fallen für Herrn A insgesamt nicht mehr als 2.300 Euro Kosten pro Jahr an. Und dabei sind neben den genannten Bankgebühren (Depotgebühr und Transaktionskosten etc.) auch meine eigenen Honorarkosten mit inbegriffen.

Das heißt: Herr A könnte alleine durch seinen Wechsel in meine Betreuung 1800 Euro pro Jahr sparen. Er könnte, wenn er will exakt dieselben Wertpapierkäufe/-verkäufe vornehmen wie bisher – und hätte obendrein noch meine Beratung (so er sie denn will) oben drauf.

Um an dieser Stelle nicht falsch verstanden zu werden. Ich bin kein Vertreter der „Geiz ist geil“-Philosophie. Gute Leistung hat ihren Preis. Dennoch erscheint es mir mehr als klar, dass ein guter Vermögensberater einem Kunden sehr, sehr viel Geld sparen kann.

In dem Beispiel eben habe ich ja nur von den offensichtlichen Kosten gesprochen. Daneben gibt es aber noch eine Reihe weniger offensichtlicher Kosten. Dazu gehören beispielsweise die Verwaltungskosten von Investmentfonds. Die wenigsten Anleger kennen sich hier hinreichend gut aus. Eine gute Vermögensberatung hat auch genau solche Kosten zum Gegenstand. Hier besteht in der Regel für den Kunden sehr hohes Potenzial für Optimierungen.

Wenn man mich also fragt: Welchen Nutzen bringt eine gute Vermögensberatung? dann antworte ich zunächst: Der Kunde hat mit einer guten Vermögensberatung fast immer weniger Kosten als ohne. Das ist sicherlich ein wichtiger Nutzen. Daneben gibt es aber noch weiter Nutzen, über die ich ein andermal schreiben werde.

Übrigens ist das auch ein gutes Kriterium, um die Güte eines Vermögensberaters zu beurteilen. Als Anleger hat man ja das Problem: Wie erkenne ich einen guten Vermögenberater? Die Antwort lautet – unter anderem -: Ein Krieterium für gute Vermögensberatung ist, ob sie dazu verhilft weniger Kosten zu haben. Schlechte Vermögensberater beachten den Faktor kosten nicht, treiben die Kosten möglicherweise noch hoch. Gerne mit der Begründung, das seien ja nur „Peanuts“ und dass es sich um „ganz normale“ Gebühren handeln würde. Hier sollten bei jedem klugen Anleger sofort die Warnlämpchen angehen.

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2 Antworten
  1. Matthias
    Matthias says:

    Die von Ihnen ausgestellte These ist interessant, und für einen Teil der Anleger sicherlich richtig, für einen anderen Teil aber wiederum nicht. Es kommt immer auf das Verhältnis an. Zugegeben: Wer ein Vermögen von 300.000€ hat, freut sich darüber, wenn er 1.000€ an Verwaltungskosten sparen kann. Wer aber nur mal eben 10.000€ hier und 5.000€ dort anlegen möchte, für denjenigen sind z.B. 500€ Honorar eine Menge Geld.

    Antworten
    • Peterreins
      Peterreins says:

      Ja, wenn jemand 10.000 Euro anzulegen hat, sind 500 Euro Honorar viel Geld. Mir ist aber nicht ganz klar, wie Sie auf 500 Euro kommen. Wenn ein Neukunde zu mir kommt, mit dem Anliegen 10.000 Euro anzulegen, dann fallen bei mir in etwa folgende Kosten an:

      Im ersten Jahr ca. 250 Euro, in den Folgejahren nicht mehr als 150 Euro.

      Und darin sind enthalten:
      * Honorarkosten für mich (plus MWSt)
      * Depotführungsgebühren
      * alle anderen Bankgebühren wie beispielsweise Kauf-/Verkaufgebühren
      * alle „versteckten“ Kosten wie beispielsweise Fonds-Verwaltungskosten etc.

      Gruß Hannes Peterreins

      Antworten

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