Gute Anlageberatung hängt nicht vom Marktumfeld ab

Mir wurde gestern ein Text vorgelegt, in dem eine Vermögensberaterin ein Rentnerehepaar berät. Das Ehepaar hat 70.000 Euro anzulegen. Nach eigenen Angaben, kann das Ehepaar gut von der Rente leben. Wichtig ist den Anlegern, dass jederzeit Teilbeträge verfügbar sind.

Das Ergebnis der Honorarberaterin finde ich gerade so akzeptabel. Seltsam allerdings finde ich folgendes: Sie betont, dass ihre Empfehlungen vom aktuellen Marktumfeld abhängig sind …

Das Anlagevorschlag der Finanzberaterin für das Rentner-Ehepaar ist wie folgt:

  1. Der Großteil  des Anlagebetrages sollte als Tagesgeld und Festgeld angelegt werden.
  2. Beim Festgeld könnten auch Fremdwährungen gewählt werden.
  3. Nicht mehr als 15 % sollte in einen Aktien-ETF investiert werden.
  4. Daneben sei Gold als Beimischung empfehlenswert.

Dieser Anlagevorschlag ist durchaus in Ordnung. Bis auf eine Kleinigkeit: Sowohl den Aktienfonds, die Fremdwährungskonten als auch Gold sollte das Ehepaar nur wählen, wenn es die entsprechende Risikoneigung hat. Bei diesen dreien (Aktien, Fremdwährungen und Gold) handelt es sich um jeweils sehr riskante Anlageformen. Und wenn das Ehepaar mit diesen Anlageformen keine Erfahrungen gemacht hat und nicht abschätzen kann, auf welche Risiken es sich hier einläßt, handelt es sich um eine Fehlberatung. Selbst wenn Gold und Aktien nur in sehr geringem Umfang empfohlen worden sind.

Aber noch mehr hat mich eine Bemerkung der Finanzberaterin verwundert, den sie am Ende ihres Anlagevorschlages geschrieben hat: Dass sich ihre Empfehlungen auf das derzeitige Marktumfeld beziehen.

Ich frage mich, was dann eine solche Anlageberatung wert ist, wenn sie je nach Marktlage unterschiedlich ausfallen könnte. Tatsächlich kann man dem Anlagevorschlag sehr deutlich die aktuelle Stimmungslage ablesen:

  • Gold ist in den letzten Monaten sehr gut gelaufen, also scheint Gold – akutell – eine gute Empfehlung zu sein.
  • Wegen der Griechenland-Krise sind einigen Anlegern aktuell Zweifel am Euro gekommen (auch wenn nicht ganz klar ist, weshalb). Aus diesem Grund heraus scheint es – aktuell – ratsam, in Fremdwährungen zu gehen.

Nicht bedacht wird bei dieser Empfehlung, dass wir möglicherweise gerade den Gipfel einer Gold-Blase erreicht haben (könnte ja sein). Auch nicht beadacht wird, dass der Euro ja bereits gegenüber anderen Wärhrungen stark verloren hat und möglicherweise eher Aufwertungspotenzial hat. Das Wörtchen „aktuell“ heißt ja: „bezogen auf die jüngste vergangene Entwickltung – morgen könnte es schon ganz anders sein.“

Dem Anlagevorschlag merkt man jedenfalls deutlich die Ängste an, die derzeit die Gemüter vieler Menschen bewegt. Nur was, wenn diese Ängste unbegründet sind?  Sollte man als Anlageberater nicht ein wenig mehr einen kühlen Kopf bewahren als der normale Privatanleger?

Und was kann das heißen, dass sich – nach eigener Aussage der Finanzberaterin – dieser Anlagevorschlag auf das akutelle Marktumfeld bezieht?

Stellen wir uns vor, das Ehepaar legt dem Vorschlag entsprechend an. Nehmen wir weiter an, dass sich das Marktumfeld nach 4 Wochen komplett verändert hat (was ja in unser schnelllebigen Zeit durchaus vorstellbar ist), soll dann das Rentner-Ehepaar seine Anlagestrategie vollständig umstellen?

Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass gute Anlageberatung gerade nicht abhängig ist von der aktuellen Marktlage. Was richtig ist, ist heute richtig, genauso wie es in der Vergangenheit richtig war und ich der Zukunft richtig sein wird.

Und: Ein Anlagevorschlag ist umso wertvoller, je weniger sich Emotionen, persönliche Ängste oder übertriebene Erwartungen („Gier“) darin wiederspiegelt.

Aus meiner Erfahrung ist ziemlich klar: Wenn man sein Anlageverhalten ständig nach dem ausrichtet, was gerade „aktuell“ oder in Mode ist (oder wie man es sonst ausdrücken will), dann ist eines ziemlich sicher: Verluste und Enttäuschungen.

3 Antworten
  1. Christoph Mischke
    Christoph Mischke says:

    Hallo, Herr Dr. Peterreins,

    Ihren Ausführungen kann ich nur zustimmen. Was den abschließenden Satz der Beraterin angeht, so will sie sich damit bestimmt in einigen Jahren aus der Affäre ziehen, wenn der Anlageplan nicht die gewünschten Erfolge gebracht hat. Das ist doch offensichtlich.

    Herzliche Grüße
    Christoph Mischke

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  2. mistercredit2010
    mistercredit2010 says:

    Anlageberatung ist immer ein heikles Thema und gerade weil es hier um das – meist hart erarbeitete – Kapital Fremder geht, sollte man als Berater mit dem nötigen Sachverstand zu Werke gehen. Da dies offenbar nicht bei allen der Fall zu sein scheint, rate ich jedem, der eine Anlageberatung in Anspruch nimmt, sich nicht nur auf diese eine Expertise zu verlassen, sondern immer mehrere Eisen ins Feuer zu legen, zu vergleichen und sich selbst ein wenig tiefergehender mit der Materie auseinanderzusetzen. Beim Autokauf tun wir dies schließlich auch und hören nicht blind auf die Empfehlung des Verkäufers.

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  3. al_man
    al_man says:

    Folgende kritische Anmerkung zu ihrem Artikel:
    Leider ist Anlageberatung, insbesondere seit dem Jahr 2008 (vgl. Bankenpleiten und co), keine Naturwissenschaft, die gewissen physikalischen Gesetzen folgt. Denn genauso folgt auch der Markt keiner Gesetzmäßigkeit. Gerade der Markt wird bestimmt von Menschen, die ebenfalls eher irrationale denn rationale Geschöpfe darstellen. Wie sollte man bzw. der Anlageberater nun eine Empfehlung abgeben, die für sich genommen „immer“ bzw. auf Sicht von 2-5 Jahren passt?
    Fest steht, dass die Anlagestrategie, also die Aufteilung der Gelder auf verschiedene Anlageklassen (Aktien, Rohstoffe/Edelmetalle, Anleihen, Tagesgeld und co) entscheidend ist und durchaus auch eine Art Allgemeingültigkeit haben sollte. Gerade hier, und da stimme ich überein, sollte die Risikobereitschaft des Kunden genau hinterfragt werden. Auch ich hätte noch vor zwei Jahren nur wenig von Gold gehalten, die Staatsschuldenproblematik sowie letztlich das Drucken von Geld durch Notenbanken müssen aber (unbedingt jenseits von Angst) in Anlageentscheidungen einfließen. Damit soll ausgedrückt werden, dass „Buy and Hold“ Strategien passé sind und gerade in der heutigen Zeit eine Empfehlung durchaus auch revidiert bzw. hinterfragt werden darf.
    Leider lassen die Ausführungen die Gesamtschau etwas vermissen. So z.B. wäre zu hinterfragen, welche sonstigen Vermögenswerte (neben den 70.000 Euro) vorhanden sind? Sind Immobilien im Bestand, erscheint eine Aktienquote (bezogen auf 70.000 Euro) von 15% durchaus in einem anderen Licht. Im Gesamtvermögen vielleicht dann gerade einmal 1%. Wichtig in der Zukunft wird auf jeden Fall eine breite Aufstellung nach verschiedenen Anlagekategorien sein (Immobilien, Aktien, Gold, Anleihen, Fremdwährungen, Tagesgelder…). In diesem Sinne dürfte hier die Beraterin einen ersten Schritt (Denkansatz) in die richtige Richtung gemacht haben.

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