Geldanlage ist schwierig, war schwierig und wird schwierig bleiben

Ich höre in letzter Zeit immer wieder, dass Kapitalmarktrognosen und Geldanlage derzeit besonders schwierig sind. Häufig mit dem Unterton, dass es früher einfacher war. Beispielsweise habe ich heute in der Süddeutschen Zeitung auf S. 25) folgendes gelesen:

„Die Orientierungslosigkeit [an den Börsen] mag erstaunen, erwartet man von den Börsianern doch, dass sie wissen, wo es langgeht. An den Aktienmärkten wird die Zukunft gehandelt, heißt es immer. Doch was diese zukunft bietet, ist seit dem Kollaps der Weltwirtschaft und den beispiellosen Rettungsversuchen der Regierungen ungewiss.“

Ein wenig muss ich mich über solche Zeilen wundern. Die Zukunft ist schon immer ungewiss gewesen…

Denken wir mal an das Jahr 2006. Die Aktienmärkte haben damals gestrotzt vor Zuversicht. Monat für Monat ging es nach oben. War denn damals die Zukunft gewiss? Die Börsianer glaubten damals an eine positive Zukunft. Auch wenn das damals vielen als gewiss erschienen ist, so war das doch falsch. Denn wie wir wissen begann ab 2007 die Finanzkrise.

Oder nehmen wir die 1970er-Jahre. Damals hatten wir stagnierende bzw. tendenziell fallende Aktienmärkte. Damals waren sich viele Marktteilnehmer sicher, dass es eher negativ weitergeht. Auch mit dieser „Gewissheit“ lagen die Börsianer falsch.

Oder nehmen wir die Gewissheit, dass mit der „New Economy“ Ende der 1990er-Jahre ein neues Zeitalter an der Börse angebrochen wäre mit immerfort steigenden Aktienkursen. Was war diese „Gewissheit“ damals wert? Nichts, denke ich.

Zu keiner Zeit war es leicht, Geld anzulegen, weil es niemals eine Zeit gab, bei der es ein Leichtes war, in die Zukunft zu schauen. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass früher der BLick in die Zukunft leichter war als heute. Es ist immer und zu jeder Zeit exakt dasselbe Problem. Es wird nicht leichter oder schwerer. Es ist immer exakt gleich unmöglich.

Im Nachhinein stellt sich nur gerne die Illussion ein: Naja, an der Stelle war es doch klar, dass die Kurse nur noch steigen konnten (bzw. nur noch fallen konnten). Beispielsweise sagt so mancher: „Dass die Neue-Markt-Aktien um 2000 total überbewertet waren, war doch klar. Die Blase musste einfach platzen.“ oder „Das mit den US-Immobilien konnte ja so nicht weitergehen. Das musste doch jedem klar sein, dass das eine Blase war, die jederzeit platzen musste.“

Aha, sage ich. Und wie steht es momentant beispielsweise mit dem Gold? Gold hat in den letzten drei Jahren 87 Prozent an Wert gewonnen, allein im letzten Jahr etwa 25 Porzent. Ist es klar, dass die diese Gold-Blase jetzt demnächst platzen muss? Oder ist es nicht vielmehr so, dass gerade durch diesen Kursanstieg sehr viele Anleger derzeit motiviert sind, Gold zu kaufen (nicht zu verkaufen)? Nach dem Motto: „Das lief die letzten drei Jahre so gut, also wird es weiterhin gut laufen.“

Stellen wir uns einmal vor, in einem Jahr wäre der Goldpreis um 30 Prozent gefallen. Dann würden wieder alle sagen: „Das war doch offensichtlich, dass im Juni 2010 der Goldpreis seinen Höhepunkt erreicht hat. Diese Blase musste doch irgendwann einmal platzen.“ Der Punkt ist aber: Keiner von uns weiß, wie es weitergeht. Vielleicht fällt der Goldpreis wieder dramatisch, so dass man wirklich von einer „Gold-Blase“ sprechen kann. Oder der Goldpreis steigt weiter. Wer glaubt hier wirklich Gewissheit zu haben?

Der SZ-Artikel endet dann auch wie folgt:

„Für Anleger haben die Vermögensverwalter deshalb [weil die Zukunft derzeit so ungewiss ist] vor allem einen Rat: sie sollen ihre ersparnisse in möglichst viele verschiedene Anlageklassen investieren.“

Das ist aber auch wieder eine wirklich überraschende Erkenntnis. Anleger sollen diversifizieren. Und zwar sollen sie jetzt diversifieren, weil es gerade so schierig mit dem Blick in die Zukunft ist. Und früher hätte man nicht diversifizieren sollen? Will jemand wirklich behaupten, dass es früher die richtige Strategie war, mal alles auf eine Karte zu setzen? Weil ja früher ganz klar war, dass gerade Aktien, US-Immobilien oder Rohstoffe steigen würden?

Auch früher war die Situation nicht viel anders als heute: Auch vor 5 Jahren, vor 10 Jahren oder vor 20 Jahren hatte niemand eine Glaskugel. Und auch damals wie zu jeder Zeit war es das Verünftigste für Anleger zu diversifizieren.

Erst im Nachhinein kann man so Dinge sagen wie: „Wenn ich damals all mein Geld auf Microsoft gesetzt hätte, dann wäre ich jetzt Millionär.“ Ja, im Nachhinein wissen wir das. Aber in der konkreten Situation der Anlageentscheidung hat niemand dieses Wissen.

Meine These ist:

  • Geldanlage ist schwierig, war schwierig und wird auch in Zukunft schwierig bleiben.
  • Kapitalmarktprognosen sind heute unmöglich, waren in der Vergangenheit unmöglich (auch wenn uns manches heute im Nachhinein vorhersehbar erscheint) und werden auch in Zukunft unmöglich bleiben.
  • Diversifikation als grundlegende Anlagestrategie war früher richtig, ist heute richtig und bleibt auch in Zukunft richtig.

Das Gerede „diesmal ist alles anders“ halte ich für ziemlich haltlos. Die wesentlichen Dinge bleiben gleich. (Vielleicht sollte man mich als Finanz-Platoniker bezeichnen? – Nur kleiner Philosophen-Spaß am Rande).

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