Was man als Anleger von der Profi-Pokerin Sandra Naujoks lernen kann

Heute habe ich mit großem Interesse ein Interview in der Süddeutschen Zeitung mit der Profi-Pokerin Sandra Naujoks gelesen (S. 26). Link zum Interview. Manches, was sie hier sagt, lässt sich sehr gut auf den Bereich Geldanlage übertragen…

So sagt sie besipielsweise:

„Naujoks: … Demut ist beim Poker sehr wichtig. Man gewinnt Spiele, indem man im richtigen Moment die Karten wegwirt. Wie beim Neuen Makrt im Jahr 2000. Es haben die gewonnen, die im richtigen Moment aus den Aktien ausstiegen.

SZ: Wann tat es weh, auszusteigen?

Naujoks: Ich habe mal drei Asse weggeworfen.

SZ. Autsch. Das verstehen sogar wir.

Naujoks: Ich war mir einfach sicher, dass der andere noch stärkere Karten hat. Dann ist es nur konsequent, die Asse wegzuwerfen. Ich habe mehr als die Hälft meiner Chips verloren.“

Wovon Sandra Naujoks hier spricht sind Stop-Loss-Limits. Eine wertvolle Risikomanagement kann darin bestehen, sich Marken zu setzen, um bei Investments Verluste zu begrenzen.

Das hört sich leichter an als es ist. Denn wenn es so weit ist, kann es psychologisch sehr, sehr schwierig sein, sich konsequent einmal festgelegt Stop-Loss-Limits zu halten. Viele Anleger denken so:

„Ich habe damals diese Entscheidung für das Wertpapier X getroffen. X ist zwar stark gefallen, aber meine Einschätzung von damals gilt heute noch genauso. X ist ein guter Wert. Und wenn ich jetzt verkaufe, dann werde ich mich wahrscheinlich später ärgern. Denn X ist an sich gut, nur die Börse spielt gerade verrückt. Eigentlich sollte ich sogar nachkaufen.“

Das ist eine typische Denkweise von Anleger, übrigens sowohl von Privatanlegern als auch von vermeintlichen Geldanlage-Experten. Die Folge sind zumeist kaum einholbare Verluste bis hin zum Totalverlust.

In der Wissenschaft gibt es übrigens einen Fachausdruck dafür: „Sunk-Cost-Effekt“. D.h. Leute neigen dazu versenkten Kosten noch weiteres Geld nachzuschießen, um das Gefühl zu vermeiden, dass die versenkten Kosten umsonst gewesen sind. nehmen wir beispielsweise an, jemand hat sein Auto frisch nue lackieren lassen. Und kurz danach hat er einen Motorschaden. Unter normalen Umständen würde er vielleicht sagen, dass es sich mehr lohnen würde, ein neues Auto zu kaufen, als einen neuen Motor einbauen zu lassen. In diesem Fall wäre die Lackierung kurz vorher haber für die Katz gewesen, so dass sich bemerkenswert viele gegen den Kauf eines Neuwagens entscheiden würden. Selbst wenn es unterm Strich die ökonomischere Alternative wäre.

Genauso ist es bei der Geldanlage. Einmal entstandene Verluste zu realisieren, fällt vielen von uns schwer, weil es uns das Gefühl gibt, dass diese Verlust umsonst warne. Außerdem müssten wir uns zugestehen, dass die ursprüngliche Kaufentscheidung einFehler oder Irrtum war. Und es ist nur zu menschlich sich, Fehler/Irrtümer nicht eingestehen zu wollen.

Und so ist es offenbar auch biem Pokern. Im Zweifel ist es besser, die Hälfte seiner Chips zu verlieren indem man ein so gut wie sicheres Gewinner-Blatt (drei Asse) wegschmeißt, um letztlich nicht alles zu verlieren.

Und das kann man nur, wenn man, wie Sandra Neujoks sagt, Demut bewahrt und nicht sich selbst, seine Fähigkeiten und Wissen überschätzt.

6 Antworten
  1. Holger
    Holger says:

    Hallo Dr. Peterreins,

    ich glaube, da liegt ein Missverständnis vor: Sandra Naujoks hat die drei Asse sicher nicht weggeworfen, weil sie schon die Hälfte ihrer Chips verloren hatte (das wäre ein Stop-Loss gewesen). Der Verlust war vielmehr die Folge des Wegwerfens. Der Grund dafür dürfte aber das Setzverhalten (und möglicherweise irgendwelche Gesichtszuckungen…) des Gegners gewesen sein.

    Ihre psychologische Erklärung trifft aber wieder zu: Beim Pokern wie bei der Geldanlage neigen viele Menschen dazu, neues Geld nachzuschießen, WEIL sie schon so viel investiert haben. Das sollte aber einem guten Pokerspieler genauso wenig passieren wie einem rationalen Anleger.

    Nur kann es beim Pokern geradezu ein Fehler sein, in eine Hand zu gehen mit dem Vorsatz: Ich setze jetzt höchstens die Hälfte meiner Chips. Insofern trifft die Stop-Loss-Analogie hier nicht wirklich.

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  2. Holger
    Holger says:

    Sorry, jetzt ist beim Absenden etwas schiefgegangen. Was ich noch schreiben wollte: Es kann beim Pokern niemals richtig sein, ein praktisch sicheres Gewinnerblatt wegzuwerfen. Im Gegenteil gibt es sogar Blätter, mit denen ein guter Spieler in jedem Fall pleite gehen sollte. Wobei pleite gehen in diesem Fall heißt: alle Chips am Tisch zu verlieren.

    Das Risikomanagement setzt eine Stufe vorher an: sich in kein Spiel einzukaufen, das man sich nicht leisten kann.

    Antworten
  3. horst
    horst says:

    Hi, das mit dem SL passt ganz gut:
    Pocker
    – Spieler geht mit und setzt 50% seiner Chips
    – Plötzlich, ein Signal, dass die andere Hand stäcker ist
    – Hier greift der SL-Gedanke
    – gerade wg dem „potentiellen Verluste“, der eintrifft, wenn die andere Hand wirklich stärker sein sollte, ignoriert man alle „positiven Signale“ und wirft dieKarten hin
    – SL bedeutet hier: Verlust begrenzen in dem man zur richtigen Zeit ein scheinbar solides Investment aufgibt

    Antworten
  4. TÜLAI
    TÜLAI says:

    Das heutige Vorstandsmitglied der ehemaligen Investmentbank Morgan Stanley, Aaron Brown, hat während seines Mathematik-Studiums in Harvard als halbprofessioneller Poker-Spieler um Geld gespielt. In seinem für mich höchst verblüffenden Buch

    “The Poker Face of Wall Street“ 1. Auflage (März 2006),
    ISBN-10: 0471770574, ISBN-13: 978-0471770572,

    versucht er unter anderem, seine These zu begründen, dass das Poker-Spiel nicht zufällig im 19. Jahrhundert in der Zeit der starken wirtschaftlichen Expansion quer über den nordamerikanischen Kontinent erfunden wurde, sondern dass es eine wichtige Funktion als Kapitalbeschaffung für unternehmerische Vorhaben hatte, die die damaligen Banken an der Ostküste nicht bedienen konnten. Außerdem stellt er strukturelle Gemeinsamkeit zwischen Börsenspekulation bzw. –investition sowie kombinierten Glücks- und Geschicklichkeitsspielen wie Poker, Black Jack, Baccara usw. heraus. Solche Spiele unterscheiden sich strukturell stark von reinen Strategiespielen wie Schach, bei denen beide Spielerinnen jederzeit volle Information über die Figurenkonstellation der anderen (= Potenzial und Ressourcen der Konkurrentinnen) haben. Beim Poker gibt es mit dem Bluffen zulässige Formen des Täuschens.
    Folgt man seiner Klassifikation, ist übrigens die schmucke Schach-Illustration auf dem Einband Ihres Buches „Grundsätze soliden Investierens“ irreführend und falsch.
    Browns Buch bietet eine Fülle weiterer aufschlussreicher Einsichten in das Funktionieren von Kapital- und Wertpapiermärkten:
    – Aktive Aktienfonds werden, laut Brown, künstlich mit zusätzlichem Risiko versehen, um sie attraktiver zu machen.
    – Als an der Chicagoer Handelsbörse Mercantile Exchange der Optionshandel eingeführte wurde, wurde zielgerichtet ein Großteil der ersten Händlergeneration aus der Gruppe professioneller Glücksspieler rekrutiert.
    All dies war all gänzlich neu und überraschend. Ich hatte nicht die geringste Ahnung von all dem.

    Viele Grüße
    TÜLAI

    Antworten
    • peterreins
      peterreins says:

      Das ist wirklich interessant. Zumal mir bei der Lektüre von Robert Shillers Büchern immer wieder eine Sache aufgefallen ist: Shiller schimpft gegen das Pokern und macht dieses Spiel mitverantwortlich für eine „falsche“ Geisteshaltung bei der Geldanlage. Er verherrlicht das Bridge-Spiel. So sieht er beispielsweise einen Zusammenhang zwischen
      1. Abnahme der Beliebtheit von Bridge seit 1945 plus Zunähme der Beliebtheit von Poker seit 1945, und
      2. Verstärkte „Zocker-Mentalität“ an der Wall-Street.

      Zu meinem Einband. Ich versuche ja klar zu machen, dass solides Investieren möglichst wenig mit spekuatlivem „Herumzocken“ zu tun hat. Mir kommt es bei der Geldanlage weniger auf kurzfristige Taktik an, sondern vielmehr auf eine langfrstige Strategie, bei der man ein paar Schritt vorausdenkt. Insofern, denke ich, passt das Schachbild auf dem Einband meines Buches doch ganz gut.

      Danke für Ihren interessanten, weiterführenden Kommentar.

      Antworten

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