Ein guter Anlageberater ist vor allem Kostenminimierer und Risiko-Mananger

Finanz- und Vermögensberater haben zum Teil einen sehr schlechten Ruf. Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen wie folgt antworten, wenn Sie danach gefragt werden, ob sie einen Vermögensberater haben: „Um Gottes willen, verschone mich mit diesen Finanzberatern. Als ich das letzte Mal auf so einen gehört habe, habe ich so und so viel Geld verloren.“

Im Finanztest vom Januar 2010 wurde das Ergebnis eines Tests von Bankberatern veröffentlicht. Das blamable Ergebnis: von 21 getesteten Bankberatern bekam nur einer die Note Gut. D.h. etwa 95 Prozent der Berater schnitten mittelmäßig bis schlecht ab.

Und genau so hoch ist auch meine persönliche (rein subjektive) Schätzung: Meiner Erfahrung nach ist Finanz- und Vermögensberatung in Deutschland zu 95 Prozent mittelmaäßig bis schlecht.

Nachfolgend gebe ich ein paar Hinweise, was – meiner Meinung nach – gute Vermögensberatung kennzeichnet:

Hervorragende Anlageberatung hat zunächst vor allem zwei Aspekte: eine fachliche und eine menschliche-moralische. Im folgenden möchte ich nur über den ersten Aspekt sprechen. Denn insbesondere um die fachliche Kompetetenz vieler Bank- und Anlageberater scheint es sehr schlecht zu stehen.

Kosten-Minimierung

Wichtig sind zunächst die Gebühren und Kosten. Gerade die versteckten laufenden Gebühren haben es in sich. Der offensichtliche Ausgabeaufschlag tut zwar vielleicht weh, ist dagegen aber direkt harmlos.

Schafft es ein Berater beispielsweise, dass ein Sparplan über 200 Euro monatlich um 0,5% p.a. günstiger wird, dann bringt das dem Kunden über 25 Jahre etwa 8000 Euro mehr.

Anderes Besipiel: Hat jemand 100.000 Euro anzulegen. Und gelingt es seinem Anlaberater, das Geld so anzulegen, dass 0,5% p.a. weniger laufende (und gut versteckte) Gebühren anfallen, dann wird der Anleger nach 10 Jahren locker über 7.000 Euro mehr in der Tasche haben.

Gebühren sind also alles andere als eine Lappalie. Deswegen: Ein guter Anlageberater minimert als erstes die Kosten im Kunden-Portfolio. Hier sind sehr schnell die höchsten Effekte zu erzielen.

Siehe zu diesem Thema auch folgende Beiträge dieses Blogs:

Anlageziele

Meiner Erfahrung nach, machen sich die wenigsten Menschen hinreichend Gedanken über ihre wirklichen Anlageziele. Sehr häufig kommen so pauschale Aussagen wie: „möglichst viel Rendite“ oder „möglichst wenig Risiko“. Die Frage ist aber: Was will der Anleger letztlich mit seinem Geld erreichen?

Plant er/sie in ein paar Jahren eine größere Anschaffung? Oder wenn es um die Altersvorsorge geht: Wie hoch sollte das im Alter erreichte Vermögen sein, damit der Anleger dann ohne weiteres davon leben kann?

Erst wenn der Anleger weiß, wohin die Reise gehen soll, ist es im zweiten Schritt sinnvoll, dafür geeignete Anlageformen zu finden. Siehe hierzu auch:

Keine Prognosen

Mit das Dümmste, was man als Anlagebater tun kann, besteht darin, Kapitalmarktprognosen zu machen. Die Wahrscheinlichkeit, sich dabei lächerlich zu machen und Vertrauen zu verlieren, liegt bei etwa 50%.

Wenn ein professioneller Berater Prognosen von sich gibt, ist es auch deswegen besonders gefährlich, weil der Kunde denken könnte: „Wenn das der Profi sagt, dann wird das so wohl auch stimmen.“ Und im Extremfall stetzt der Kunde aufgrund dieses (blinden) Vertrauens viel Geld auf dieses „Experten“-Prognose und vernächlässigt die Risikostreuung. Und dann sind Enttäuschungen fast vorprogrammiert.

Ich selbst übernheme in meiner beruflichen Praxis sehr häufig Depots, die zuvor von Bankern oder Sparkassen betreut wurden, und wundere mich regelmäßig über die schlechte Risikostreuung in diesen Depots. Ein kluger Anlageberater verzichtet auf Prognosen und achtet auf eine gute Diversifikation.

Weitere Beiträge zu diesem Thema in diesem Blog:

Risikomanagment

Meine These ist: Ein guter Anlageberater ist vor allem auch ein Risikomanager. Er zieht mit ins Kalkül, dass die empfohlenen Geldanlagen auchmöglicherweise schlechter laufen können als erwartet, vielleicht sogar ein Minus bringen. Das teilt ein guter Anlageberater seinen Kunden mit. Und vor allem macht er Vorschläge, wie zu reagieren ist, wenn etwas schief  läuft. Das könnten beispielsweise Stop-Loss-Limits sein.

Wer kennt nicht die Berater, die einem in guten Zeiten ständig anrufen, um irgendwelche seltsamen Zertifikate zu verkaufen, während der Krise aber plötzlich den Kopf komplett in den Sand stecken und nicht mehr erreichbar sind? Das ist das genaue Gegenteil von Risiko-Management. Hier wird der Anleger genau in der Zeit alleine gelassen, in der er am meisten einen professionellen Beistand bräuchte.

Weitere Artikel hierzu aus diesem Blog:

Fazit:

Mein  Fazit mit bezug auf Vermögensberater ist: Besser man macht es alleine, als einem schlechten Berater in die Fänge zu geraten. Noch besser ist es aber – meiner Meinung nach – aber sicher, in Vermögensdingen einen wirklich professionellen und guten Berater zur Seite zu haben. Denn gerade in Finanzdingen gibt es so viele Fallstricke, über die man als Anleger stolpern kann, wenn man es ganz alleine versucht. Beispielsweise was Kostenminimierung betrifft: Sehr viele Anleger wissen gar nicht, wo sich überhaupt Kostenfallen befinden. Oder das Thema Risikomanagement: Ein professionelles Risikomanagement umzusetzen ist nämlich viel schwieriger, als es sich möglicherweise anhört. Davon abgesehen, dass sich der typische normale Anleger sowieso keine Gedanken übers Risikomanagement macht.

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