Fakten zu Hypo Alpe Adria

Nachfolgend habe ich ein paar Fakten zum Skandal um die Hypo Alpe Adria zusammengestellt. Sehr lesenswert finde ich übrigens den SZ-Artikel auf Seite 36 vom 9.1.2010 (Autoren: H. Leyendecker und K.Ott)…

Die Kärntner Bank, die heute Hypo Alpe Adria heißt, wurde 1896 gegründet. Im Mai 2007 wird sie von der BayernLB übernommen. Man schätzt, dass die Bayern etwa 1,6 Milliarden Euro dafür bezahlten.

Die Jahre vor 2007 ist Hypo Alpe Adria bei der österreichischen Bankenaufsicht immer wieder negativ aufgefallen. Laut SZ-Beitrag wurden immer wieder beanstandet: die „fehlende Konzernsteuerung“, „falsche Bewertung der Hypotheken im Ausland“, „falsche Sicherheits- und Bonitätsdarstellungen“.

Die Aufsichtsbehörde kam ferner für das Jahr 2006 zu der Erkenntnis, dass etwa jeder zweite Kredit, den die Hypo Alpe Adria vergibt, nur unzureichend geprüft wurde.

Der Konzernabschluss für das Jahr 2004 war gefälscht. Das kam im Jahr 2006 heraus, so dass ein neuer Konzernabschluss erstellt werden musste. Der Aufsichtsratschef der Bank, Wolfgang Kulterer, wurde vom Klagenfurter Landgericht wegen Bilanzfälschung verurteilt.

Eine liechtensteinische Tochter der Kärntner Bank betreibt verbotene Aktiengeschäfte in Kanada. Sogenannte Penny-Stocks werden zunächst gekauft und dann im Internet hochgejubelt. Sobald genügend Dumme darauf hereingefallen sind und die Aktie gestiegen ist, verkauft die Bank ihre Positionen mit Gewinn.

In 2008 flog das Ganze auf. Konsequenz: Eine Rüge durch die Liechtensteiner Bankenaufsicht und in Kanada ist die Bank für alle Zeiten vom Wertpapierhandel ausgeschlossen.

Ende 2006 steigt eine Investorengruppe um Vermögensverwalter Thilo Berlin mit 650 Mio Euro ein. Einen Teil davon finanziert die BayernLB.

Eine Kärntner Aufsichtsrätin wird in der SZ mit den Worten zitiert, dass es „schwer nachvollziehbar“ sei, warum die Investorengruppe bereit sei, für die Hypo Alpe Adria „mehr zu bezahlen, als der Markt derzeit offensichtlich hergibt.“

Nur ein paar Monate später im Mai 2007 verkauft die Investorengruppe ihren Anteil an die BayernLB. Geschätzter Gewinn laut SZ: 150 Mio Euro.

Angesichts der geschilderten Vorgeschichte ist es durchaus verwunderlich, warum  die BayernLB die Kärntner Hypo Alpe Adria zu einem wahrscheinlich vollkommen überhöhten Preis erworben hat.

Für die Kärntner war es freilich gut. Da sie dringend Geld brauchten wäre die Alternative ein Börsengang gewesen. Hier hätte aber ein ordentlicher Emissionsprospekt erstellt werden müssen plus entsprechender Prospekthaftung.

Stattdessen prüften die Banker von der BayernLB bzw. ließen prüfen, nämlich von Ernst & Young. Die SZ zitiert aus dem Prüfungsbericht von Ernst & Young:

„Wir (Ernst&Young) weisen ausdrücklich darauf hin, dass zwischen der ersten und zwiten Datenraumphase eine Vielzahl von Ordnern ausgetauscht wurden … Antworten zu von uns … gestellten Fragen konnten wir nur sehr eingeschränkt auswerten, da diese in unsortierten Ordnern und unvollständig bereitgestellt wurden. Des Weiteren möchten wir hervorheben, dass wir eine Datenraumzeit von fünfzehn Tagen für eine Transaktion dieser Größenordnung nicht für sachgerecht halten. Wir können nicht ausschließen, dass im Rahmen unserer Arbeiten nicht alle risikobehafteten Sachverhalte … aufgedeckt wurden… Zugang zu Tochtergesellschaften hatten wir nicht… Abschließend möchten wir noch auf das hohe Maß an unzureichenden Informationen … hinweisen.“

Wenn tatsächlich nur so ungenügend geprüft wurde, ist es mir tatsächlich schleierhaft, warum sich die BayernLB auf ein solches Milliarden-Geschäft einließ. Zumal die Hypo Alpe Adria schon im Vorfeld nicht den besten Ruf genoss.

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