Edward De Bonos Denkschule und Geldanlage

Ich lese gerade das Buch von Edward de Bono „De Bonos neue Denkschule„. Ich halte es für ein sehr lesenswertes und empfehlenwertes Buch. Wie es meine Art erfolgreiche Geldanlage hat, meiner Meinung nach, etwas mit richtigem Denken zu tun …

Die Intelligenzfalle

De Bono schreibt auf Seite 17:

„Ein sehr intelligenter Mensch kann sich eine meinung bilden und diese dank seiner Intlligenz verteidigen. je intelligenter er ist, desto leichter fällt ihm das. Und je besser er seine meinung verteidigt, desto weniger hält er es für notwendig, nach Alternativen zu suchen oder anderen zuzuhören – warum sollten Sie das tun, wenn Sie ‚wissen‘, dass Sie Recht haben? Darum sind viele sehr intelligente Leute Gefangene falscher Ansichten, denn sie können ihren Standpunkt gut rechtfertigen.“

Exakt so könnte man das Problem vieler Anleger beschreiben. Sie haben sich eine Meinung über bestimmte Geldanlagen gebildet und können gute Gründe anführen. Und nicht selten gilt die Regel: je intelligenter sie sind, umso einseitiger legen sie an. Warum? Weil sie sehr gut argumentieren können, warm sie sich mit einer bestimmten Anlagemöglichkeit so sicher sind.

Der Glaube, etwas sehr genau zu wissen, ist bei der Kapitalanlage der größte Feind einer gut diversifizierten Anlagestrategie. Wer glaubt, etwas zu „wissen“, neigt dazu, sein Geld einseitig zu investieren:

  • Wer „weiß“, dass es nichts besseres als Aktien gibt, wird Aktien über die Maßen übergewichten. 
  • Wer „weiß“, dass es nichts besseres als Immobilien gibt, wird Immobilien über die Maßen übergewichten.
  • Wer „weiß“, daass es mit den Aktienmärkten demnächst weiter runtergehen wird, wird Aktien über die Maßen untergewichten.
  • Wer „weiß“, dass eine große Inflation kommen wird, wird Staatsanleihen und dergleichen über die Maßen meiden.

Und je klügere und bessere Gründe man für sein „Wissen“ hat, umso mehr tappt man in das, was de Bono die Intelligenzfalle nennt. Man wird ein Gefangener seiner Ansicht, – und wundert sich hinterher, dass man so wenig Erfolg bei der Geldanlage hat.

Denken in Alternativen

Auf Seite 37 schreibt Edward de Bono weiter:

„Wir … neigen von Natur aus dazu, einen Standpunkt zu verteidinge, den wir bereits eingenommen haben… Unser Geist sucht von Natur aus nach Gewissheit, Sicherheit und Arroganz, denn er ist ein System, das Muster bildet und benutzt… Der Geist will Dinge so schnell wie mäglich mit Gewissheit erkennen und identifizieren. Die Gewissheit ermögllich es ihm zu handeln. Alternativen bedeuten, dass eine Aktion noch nicht möglich ist, da wir uns nicht in mehrere Richtungen zugleich bewegen können. Außerdemführen Alternativen zu Verzögerungen.

Ein guter Azrt will die Krankheit diagnostizieren und behandeln… Was ziehen Sie als Patzient vor: einen Arzt, der ins Zimmer stürmt, aufgrund seiner langen Erfahrung schnell eine Diagnose stellt, darauf in arroganter Weise beharrt und Sie mit enormen Selbstvertrauen entsprechend behandelt; oder einen Arzt, de Sie sorgfältig untersucht, möglichst viele Alternativen in Betracht zieht, diese überprüft und schließlich eine Diagnose stellt und Sie dementsprechend behandelt (immer noch bereit, die Diagnose zu ändern)?  In der Praxis ziehen Sie vielleicht sogar dne schnellen, selbstsicheren Arzt vor… Allerdings sagt Ihr Verstand, dass der erste Arzt bei aller Selbstsicherheit auch einen schlimmen Fehler machen kann.

Der Geist arbeitet eher wie der erste Arzt,weil wir im Leben weitermachen müssen und eine Vielzahl von Alternativen zu oft Unentschlossenheit bedeutet.

Wegen dieser natürlichen Tendenz des Geistes brauchen wir ein Werkzeug [, um bewusst in Alternativen zu denken; meine Ergänzung].“

Ja, auch bei Geldanlegern ist es die natürliche Tendenz, nach Sicherheit und Gewissheit zu streben, schnell Muster oder allgemeine Regeln erkennen zu wollen.

Sind nicht viele sogenannte „professionelle“ Anleger genau so wie dieser erste Arzt: schnell mit ihrer Diagnose, sehr selbstsicher und selbstbewusst bis hin zur Arroganz?

Ich habe sogar den Eindruck, dass die große Mehrheit, sich unter „Professionalität“ genau ein solch selbstsicheres und forsches Auftreten vorstellt und wünscht. Stellen Sie sich einen Profi in einem Fernsehrinterview z.B. bei n-tv vor, der sagt: „Tut mir leid, ich weiß nicht, ob der Goldpreis noch weiter steigen wird. Ich weiß auch nicht, ob es zu einer hohen Inflation kommen wird. Ob die Aktien in den nächsten Monaten steigen oder fallen werden, dazu habe ich gleich gar keine Meinung.“ Würden die meisten so jemanden nicht als absolut „unprofessionell“ wahrnehmen?

Und doch ist so jemand, der klar weiß und zugibt, dass man über künftige Kapitalmarktentwicklungen nichts wissen kann, um Längen professioneller als die typischen selbstbewussten Schaumschläger, die mit schlauen Argumenten Dinge zu wissen glauben,  die (hoppla) doch ganz anders kommen als gedacht.

Daher kann ich de Bonos Denkschule Anlegern nur ans Herz legen. Diese Denkschule lehrt:

  • Seine Meinung nicht zu schnell zu festigen.
  • Nicht zu viel Wert auf „schlaue Argumentationen“ zu legen.
  • Einen Sachverhalt von möglichst vielen verschiedenen, alternativen Seiten zu betrachten.
  • Möglichst offen und variabel in seinem Denken zu bleiben.
  • Sich dessen bewusst zu sein, dass eine einmal gebildete Meinung bzw. eine einmal getroffene Entscheidung auch falsch gewesen sein kann. Wir sind alle nur Menschen, und Irren ist menschlich – gerade bei der Geldanlage.

All das sind Denkfähigkeiten, die man auch als erfolgreicher Investor braucht.

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