Helmut Kiener

Seit etwa einer Woche sitzt Helmut Kiener in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Würzburg wirft dem 50-Jährigen Betrug und Untreue vor. Man vermutet einen Schaden von mindestens 280 Eio USD. Wenn sich diese Vorwürfe erhärten, dann ist Helmut Kiener die unrühmliche deutsche Antwort auf Bernhard L. Madoff.

Nachfolgend die Geschichte seines Werdegangs …

Helmut Kiener ist gebürtiger Oberpfälzer. Nach der Schule studiert er Psychologie. Aber schon hier wefen die Angaben zu seinem Lebenslauf einige Fragen auf. Nach Recherchen der Financial Times Deutschland (FTD) werden die Studienschwerpunkte, die Kiener in seinem Lebenslauf angibt, in der damals geltenden Prüfungsordnung nicht erwähnt. Auch das „Institut für klientenzentriere Gesprächstherapie“, das Kiener in Offenbach besucht haben will, kennt niemand.

Die FTD hat ferner bei der Firma Kohorten, einem Marktforschungsinstitut aus Wiesbaden, nachgefragt. Dort will Kiener etwa ein Jahr lang Assistent gewesen sein. Langjährige Mitarbeiter sowie Geschäftsführerin können sich daran nicht erinnern.

Bei der Werbefirma Trias kann man sich allerdings schon an Helmut Kiener erinnern. Für diese Firma verkaufte er fünf Jahre lang Anzeigen in den „Gelben Seiten“ (1990-1995). In diese Zeit als Anzeigenverkäufer ist Kiener die Idee für seinen Dachhedgefonds gekommen, den er seit 1995 managed. Seine Anlagestrategie beschreibt er so:

„HIERBEI KAM DAS VON MIR SELBST ENTWICKELTE K1 Fund Allocation System© TM, EIN SEMI-AUTOMATISCHES ALLOKATIONSSYSTEM FÜR HEDGE FONDS BASIEREND AUF STATISTISCHEN UND KORRELATIVEN PARAMETERN ZUR ANWENDUNG“

Über Zeitungsinserate sucht er ab 1995 Vertriebspartner für seine Anlageprodukte, im Lauf der Zeit werden es immerhin 23. Da er sehr hohe Provisionen zahlt findet er vor allem unter Sturkturvertrieblern Partner, die ihm dabei helfen, seine Produkte zu verkaufen.

Aber noch nach Auflegung seiner  Hedgefonds-Produkte  betätigte er sich für Trias weiter als Anzeigenverkäufer. Für einen professionellen Hedgefonds-Manager eine zumindest ungewöhnliche Nebentätigkeit. Erst ab dem Jahr 2000 widmet er sich ganz seinen Anlageprodukten und deren Vertrieb.

Jeder Verkäufer weiß, dass man am besten mit glänzenden Vergangenheitszahlen beeindrucken kann. Und das liefert Kiener. 37% in 1996. 43% in 1997. 36% in 1998. Und so weiter. Ob das tatsächlich erwirtschaftet wurde oder ob es nur erfundene Zahlen sind, fragt keiner. Geschickterweise sind seine Fonds auf den Jungferninseln lokalisiert, wo es keine sorgfältige Aufsicht oder Regulierung gibt. Niemand kontrolliert, was Kiener wirklich mit dem Geld gemacht hat.

Um so erstaunlicher, dass selbst institutionelle Anleger auf Kiener hereingefallen sind. Jedenfalls unterstützt ihn die britische Barclays Bank und die Hamburger Varengold Wertpapierhandelsbank bei der Auflegung von Zertifikaten.

In einem Gespräch mit Barclays nennt er Hedgefonds, in die er als Zielfonds investiert haben will. Faktisch handelte es sich durchgängig um Tarnfirmen, die Kiener selbst initiiert hat.

Am Ende steht ein kaum zu durchschauendes System an Firmen und Zahlungsströmen. Helmut Kiener berät die eine Firma, managt irgendein andere Frma, kassiert Gebühren und nutzt Luxusgüter, die auf kosten der Fonds angeschafft werden. Darunter Geschäftsflugzeuge, einn Hubschrauber und Immobilien in Florida und Aschaffenburg.

Bereits im Jahre 2001 wird die deutsche Aufsichtsbehörde BaFin auf Helmut Kiener aufmerksam. Sie untersag ihm die Portfolioverwaltung und verbietet seinen Vertriebspartnern den weiteren Verkauf seiner Anlageprodukte. Schon damals werden von der Behörde Zweifel geäußert, dass es mit dem Management des Helmut Kiener alles mit rechten Dingen zugeht. Dennoch schaffte es Kiener weiterzumachen – dank juristischer Tricks.

Anleger folgender Anlageprodukte, hinter denen das System Helmut Kiener steht, werden aller Wahrscheinlichkeit nach einen Totalverlust erleiden:

  • K1-Global-Genussrechte (Nov. 2002)
  • K1-Invest-Genussrechte (Aug 2004)
  • M&K1-Hedgefonds
  • verschiedene K1-Fondspolicen der Vienna Inurance Group (VIG)
  • Kiener-Indexzertifikat von Varengold
  • X1-Fonds

Wie ich bereits in einem früheren Beitrag ausgeführt habe, hätte man sich als Anleger diesen Reinfall ersparen können, wenn man nicht auf provisions-getriebene „Berater“ hört, sondern auf einen kompetenten Honorarberater. So kommt Anlegern eine vordergründig kostenlose Beratung auf lange Sicht sehr teuer. Ein Honorarberater hingegen wird nach Stunden bezahlt, dafür ist man aber als Anleger deutlich besser beraten.

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