Marc Dreier und wie man zum Betrüger wird

Heute in der Süddeutschen Zeitung gelesen: „Bekenntnisse eines Hochstapler“ (S. 24). Darin geht es um die Geständnisse des Hedgefonds-Manager Marc Dreier. Interessant ist, wie Marc Dreier zum Betrüger wurde. Ich denke, dass hier allgemeine Schemata erkennbar sind. Wenn man die kennt, ist man selbst vor Betrügern dieser Sorte gefeit …

Marc Dreier wrude 1950 geboren und ist in Long Island, New York, aufgewachsen. Von Anfang an waren die Erwartungen bei ihm hoch. Vater, Mutter, Bekannte und Freunde: Alle erwarteten bei ihm, dass er einmal sehr erfolgreich werden würde.

Es sprach ja auch alles dafür. Er hatte eine gute Ausbildung (Harvard), war fleißig (arbeitete als junger Anwalt 100 Stunden die Woche), war ehrgeizig und charismatisch. Die SZ zitiert ihn so: „Ich war schon immer ein Anführer. Die Leute meinten, dass ich einmal großen Erfolg in meinem Leben haben werde.“

Doch der wirklich durchschlagende Erfolg ließ auf sich warten. Um die Erwartungshaltung zu erfüllen, verfiel er immer mehr darauf, einen Erfolg nach außen zu präsentieren, der faktisch gar nicht da war: „Ich musste allen zeigen, dass es mir gut geht.“ Er begann also über seine Verhältnisse zu leben.

Bis etwa 2002 arbeitete Dreier als Rechtsanwalt. Bis er auf die Idee kam, einen Hedgefonds zu gründen. Aufgrund seines Charismas und seiner guten Beziehungen schaffte er es, 400 Mio USD einzusammeln. Nur: anstatt es, wie vereinbart, anzulegen, gab er dieses Geld für sich selbst mit vollen Händen aus. Jetzt hatte er endlich die Mittel, um aller Welt zu demonstrieren, wie erfolgreich er ist.

Das ging gut bis 2006. Im Zuge der US-Immobilienkrise begannen seine Investoren, ihr Geld wieder zurückzufordern. Verzweifelt versuchte Dreier neue Investoren zu finden, um mit deren Einlagen die alt-Investoren auszuzahlen. Schließlich flog aber der Schwindel auf.

Wenn man aus dieser Geschichte eine Lehre ziehen will, dann wohl die:

Achte bei Vermögensverwaltern darauf, dass sie nicht unter einem zu hohen Erfolgsdruck stehen.

Oder auch:

Je höher der Erfolgsdruck ist, unter dem ein Vermögensverwalter steht, um so besser und lückenloser muss er kontrolliert werden.

Meine Erfahrung ist jedoch die, dass sich Anleger oft blenden lassen durch einen zur Schau gestellten Erfolg.

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