Prof. Shiller zur Immobilie als Geldanlage

Ich habe das Buch der amerikanischen Ökonomie-Porfessoren Robert J. Shiller und George Akerlof gelesen: „Animal Spirits – Wie Wirtschaft wirklich funktioniert„. Darin gibt es ein ganzes Kapitel zum Thema Immobilien als Geldanlage. Der Finanztest behauptet ja auf der Titelseite seiner akutellen Ausgabe: „Immobilien lohnen sich“. Vielleicht hätten die Finanztest-Journalisten zunächst einmal dieses Kapitel lesen sollen …

Akerlof und Shiller schreiben in ihrem Buch ab S. 213:

„Es scheint, dass Menschen intuitiv das Gefühl hatten, Immobilienpreise könnten sich nur nach oben entwickeln … Bat man sie um eine Erklärung, gaben sie in der Regel an, Boden sei nur begrenzt vorhanden so dass die Immobilienpreise von allein aufgrund des Bevölkerungsdrucks und des Wirtschaftswachstums unweigerlich steigen müssten. solche Argumente sind aber nachweislich falsch.

Einer … Fehleinschätzung scheinen die Menschen hinsichtlich der Entwicklung der Wohnimmobilienpreise zu erliegen. Die Vorstellung, dass sie stets steigen und dass Immobilien sogar die beste Kapitalanlage überhaupt darstellen, birgt eine gewisse Verführungskraft…

Der Eindruck, Wohnimmobilien seien eine äußerst gewinnbringende Geldanlage, ist zum Teil sicherlich auf die Geldillusion [Shiller und Akerlof nennen so die Neigung der Menschen, die Inflation nicht richtig zu berücksichtigen] zurückzuführen. So werden oft die Preise angeführt, die vor langer Zeit für Häuser bezahlt wurden. Die Leute erinnern sich an die Summe, die sie für ihr Haus bezahlt haben, selbst wenn der Kauf 50 Jahre zurückliegt. Sie vergleichen ihn jedoch nicht mit den damaligen Preisen für andere Güter. So hört man heute des öfteren Aussagen wie: ‚Ich habe nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg 12.000 USD für dieses Haus bezahlt.‘ Dies suggeriert einen beachtlichen Wertzuwachs für das Haus – aber nur, weil die Verzehnfachung der Verbraucherpreise seit damals vollkommen unberücksichtigt blieb. Real hat sich der Wert des Hauses in der Zwischenzeit vielleicht nur verdoppelt, was einer jährlichen Wertsteigerung von lediglich 1,5 Prozent entsprechen würde.

… Darüber hinaus sind die Preise für Wohneigentum zwischen 1900 und 2000 real nur um 24 Prozent bzw. 0,2 Prozent pro Jahr gestiegen …

Es gibt also keinen rationalen Grund für die Erwartungshaltung, Immobilien seien generell eine gute Investition. Das sind sie nur zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten. Gleichwohl scheinen die Menschen stets empfänglich für die Annahme, Immobilienpreise müssten aufgrund der Knappheit des Bodens langfristig steigen.“

Ich wiederhole dieses Zitat von Shiller/Akerlof: „Es gibt also keinen rationalen Grund für die Erwartungshaltung, Immobilien seien generell eine gute Investition.“ Und dennoch schreibt der Finanztest auf der Titelseite der September-Ausgabe: „Immobilien lohnen sich“. Ich finde das für eine so renommierte Zeitschrift wie den Frinanztest sehr, sehr traurig.

Und um das an dieser Stelle noch einmal zu betonen: Ich bin nicht generell gegen die Immobilie als Anlageform. Vielmehr bin ich der Meinung, dass auch Immobilien ihren Platz in einem gut diversifizierten Gesamtvermögen haben. Ich halte es aber für eine Katastrophe, dass der Finanztest sich zu einer nachweislich falschen allgemeinen Behauptung hat hinreißen lassen, die umgehend von dubiosen „Finanzberatern“ nutzbar gemacht werden kann (und bereits wird). Das ist wirklich schlimm, weil der Finanztest auf diese Weise (d.h. durch seinen leichtfertigen Umgang mit allgemeinen Behauptungen) mitverantwortlich sein wird für das künftige finanzielle Desaster vieler  Kleinanleger. Und das ist jetzt bereits absehbar.

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  1. […] Aktien, Dubai-Investment, sondern für jede Form der Anlage, auch für Immobilien, wie ein Finanzblog schreibt, der sich dabei auf den von mir sehr geschätzten Robert Shiller beruft. Blick Log über Twitter […]

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