Finanzkrise Teil 12: Zusammenfassung und Erklärungsversuch

Wenn ich mich mit der Finanzkrise beschäftige, dann finde ich vor allem zwei Dinge rätselhaft:

  1. Wie konnten US-Banken so unvernüftig sein und mit subprime-Hypothekenkrediten so hohe Risiken eingehen?
  2. Wie war es möglich, dass eine einzige Anlageklasse, eben US-Hypothenkredite, das globale Finanzsystem ins Wanken bringen konnte?

In einer Reihe von Blog-Beiträgen habe ich versucht, hierauf Antworten zu finden. Nachfolgend ein zusammenfassender Erklärungsversuch …

US-Hypotheken sind regressfrei

Zunächst noch einmal zur Erinnerung: Im Gegensatz zu deutschen Immobiliendarlehen sind US-Hypotheken, wie man sagt, regressfrei. Das heißt: Wenn ein Amerikaner für den Kauf einer Immobilie eine Hypothek aufnimmt, so haftet er nur mit dieser Immobilie, nicht aber darüber hinaus mit weiterem privatem Vermögen.

Das hat dramatische Auswirkungen auf Chancen und Risiken für die finanzierende Bank. Sie ist nämlich auf Gedeih und Verderb von der Entwicklung der Immobilienpreise abhängig. Verlieren die Immobilien nämlich stark an Wert, dann droht die sogenanne Glöckchen-Post („Jingle-Mail“): Der Schuldner schickt der Bank einfach die Hausschlüssel zu, überlässt ihr damit seine Immobilie und haftet nicht weiter. Die Bank muss dann zwangsversteigern und hoffen, auf diese Weise ihren Schaden zu minimieren. Je höher die Fremdkaptialquote beim Hauskauf, um so höher das Risiko für die Bank. (Mehr dazu hier)

Die Art, wie US-Banken bis 2004 ihr Risiko zu minimierten, bestand darin, auf eine gute Bonität der Schuldner zu achten sowie darauf, dass ein amerikanischer Immobilienkäufer mindestens 10% Eigenkapital mitbrachte. Die Immobilienpreise müssen dann schon um mehr als 10% fallen, damit es sich für den Immobilieneigentümer lohnt, der Bank den Glöckchen-Brief zu schicken.

Ab 2004 wurden die Banken aber  zunehmend laxer, was die Anforderungen an die Bonitätsprüfung für Hausbesitzer betrifft. Während der Hypotheken-Markt an schlechte Schuldner bis dahin eher unbedeutend war, explodierte er ab 2004. Außerdem gewährten  US-Banken zunehmend 100%ige Fremdfinanzierungen, manchmal sogar darüber hinaus bis 125%. Wenn man bedenkt, dass es sich immer um regressfreie Darlehen handelte, war diese Praxis ohne Frage selbstmörderisch.

Noch erstaunlicher ist, dass die US-Banken schlechte Schuldner regelrecht in fremdfinanzierte Immobilien trieben. Banker wurden zu Kredithaien (hier mehr dazu), obwohl ihnen klar sein musste, dass sie damit ihr eigenes Risiko überproportional erhöhten.

Sicher kam diesem Geschäftsgebaren die Niedrigzinspolitik von Alan Greenspan in der Zeit 2003/2004 entgegen. Sind die Zinsen allgemein niedrig, glauben die Leute, dass es gerade jetzt eine gute Zeit ist, sich fremdfinanziert eine Immobilie anzuschaffen. Dennoch erscheint es mir zu weit hergeholt, Greenspan als Sündenbock für den weiteren Verlauf der Krise hizustellen. Entscheidender ist, denke ich, dass sich Banken aktiv das Vertreibsziel setzten, massenhaft Hausredite an schlechte Schuldnder zu verkaufen.

Wenn man diese spezifisch amerikanischen Voraussetzungen bedenkt, dann ist es mehr als ein Rätsel, warum sich US-Banken eine solche halsbrecherisch Geschäftspolitik aktiv verschrieben, die nur so lange gut gehen konnten wie die Immobilienpreise stiegen.  Ich denke, dass hierfür in erster Linie folgende Gründe verantwortlich sind.

Subprime-Kredite waren politisch hochgradig erwünscht

Ab 1995 waren US-Banken durch eine Gesetzesnovelle  Bill Clintons dazu gezwungen, ärmeren Bevölkerungsschichten und somit auch schlechteren Schuldnern Hypothekenkredite zu geben. Auch US-Präsident George W. Bush betrieb eine Politik, durch die Banken ermuntert wurden, ihre Bonitätsprüfungen zu erleichtern, um jedem sein Eigenheim zu ermöglichen. Subprime-Kredite waren also politisch nicht nur toleriert, sondern hochgradig erwünscht. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf die staatliche Bankenkontrolle. Die Regulierungsbehörden waren von höherer Stelle angewiesen, dem halsbrecherischem Treiben der Banken nicht entgegenzuwirken.

Verbriefung der US-Hypotheken

Die altmodische Weise, wie Banken Hauskredite vergeben, besteht darin,  Hypotheken in den eigenen Büchern zu lassen. US-Banken gingen aber mehr und mehr zu einer moderneren Variante über: Sie „verbrieften“ ihre Hypotheken und reichten sie auf diese Weise an andere Marktteilnehmer weiter. Und zwar wurden (und werden) viele US-Hypotheken als sogenannte Mortgage-Backed Securities zusammengefasst. Diese Wertpapiere erinnern ein wenig an deutsche Pfandbriefe (wobei es auch wichtige Unterschiede gibt). Der offensichtliche Vorteil für die Banken:

  • Diese Banken hatten das Risiko dann nicht mehr in den eigenen Büchern.
  • Sie bekamen frisches Kapital, um es wieder mit hohen Abschlussgebühren weiterzuleihen.

Klar ist: Je leichter man Hypotheken schlechter Schuldner weiterreichen kann, um so unbekümmerter geht man bei der Kreditvergabe vor.

US-Banker konnten sich ein Ende des Immobilienbooms nicht vorstellen

Die drei bisher genannten Gründe spielen sicher eine Rolle. Sie können, meiner Meinung nach, aber nicht erklären, warum der subprime -Boom so richtig erst ab 2004 startete. Einen guten Grunde gibt Prof. Shiller in seinem Buch „animal spirits“ auf Site 219:

„Der immer steilere Anstieg der Häuserpreise bestärkte die Menschen in ihrem intuitiven Glauben an die Wertsteigerung von Immobilien und weckte in ihnen das Gefühl, eine großartige Investitionschance ergreifen zu müssen. Im Zusammenspiel mit den plausibel wirkenden Vorstellungen und Fakten führte der Rückkoppelungseffekt dazu, den Glauben an den zwangsläufigen Aufwärtstrend bei den Immobilienpreisen zu verstärken.“

Und was Robert Shiller hier über Menschen im allgemeinen schreibt, gilt insbesondere auch für Banker. Nachdem der US-Immobilienmarkt Anfang der 1990er-Jahre stagnierte, sah man hier ab 1996 Wertsteigerungen von durchschnittlich 11% pro Jahr. Im Jahre 2004 konnte man also auf einen bereits 8 Jahre andauernden Immobilienboom zurückblicken. Und so denken fast alle Menschen, ob Finanz-Laien oder angebliche Banker und Profis: „Wenn eine Anlageklasse über lange Zeit jedes Jahr hohe Wertzuwächse erlebt hat, dann wird es sicher so weitergehen.“

Im Nachhinein (nachdem die Blase geplatzt ist) erscheint einem dieser Schluss von der Verangenheit auf die Zukunft irrational. Aber dieser Schluss ist so menschlich, dass die meisten bei der nächsten Gelegenheit wieder darauf hereinfallen und unverzagt auf das setzen, was die letzten paar Jahre gut gelaufen ist (aktuell z.B. Gold).

Psychologisch kam übrigens noch eines hinzu: Im Zuge des Enron-Bilanzfälschungsskandals verloren um die Jahre 2001 bis 2003 die Anleger ihr Vertrauen in die Aktienmärkte. Die Leute sehnten sich nach einer greifbaren Anlageform, bei der man nicht von der Ehrlichkeit irgendwelcher Manager abhängig war. So investierten viele in dieser Zeit nicht mehr in Wertpapiere, sondern in Immobilien. Das gab dem Immobilienmarkt einen weiteren Auftrieb.

CDOs

Jetzt zum zweiten Rätsel: Warum konnte eine einzige Anlageklasse, nämlich US-Hypothekenkredite, das globale Finanzsystem beinahe zum Einsturz bringen?

Hier spielt die bereits erwähnte Verbriefung von US-Hypotheken eine große Rolle. In der ersten Stufe kamen dabei sogenannte Mortgage-Backed Securities heraus.

In der zweiten Stufe schufen die Banker Collaterized Debt Obligations (CDOs). Das Besondere bei ihnen: Durch eine clevere Strukturierung konnte man aus schlechten Risiken – wie durch ein Wunder – gute Risiken schaffen. Wie das funktionieren soll, erscheint vielen als Finanz-Alchemie und irgendwie ungeheurlich. Tatsächlich ist die dahinterliegende Finanzmathematik absolut korrekt (Hier mehr dazu). Finanzmathematisch war es tatsächlich möglich, aus Hypotheken schlechter Schuldner sogenannte AAA-Wertpapiere zu machen, die als ähnlich sicher gelten wie eine Bundesanleihe.

Es gab nur einen Haken: Die Finanzmathematik funktionierte nur, so lange bestimmte Annahmen Gültigkeit haben. Eine wesentliche Annahme betraf die sogenannte stochastische Unabhängigkeit der Ausfallrisiken. Damit ist folgendes gemeint: Nehmen wir zwei Schuldner an, Herr X und Herr Y, die sich nicht kennen und nichts miteinander zu tun haben. In normalen Zeiten hat die Zahlungsfähigkeit von Herrn X rein gar nichts mit der Zahlungsfähigkeit von Herrn Y zu tun. Das nennt man stachastisch unabhängig.

In der Krise sind aber erstens die Ausfallwahrscheinlichkeiten einzelner Schuldner unerwartet stark gestiegen. Zweitens sind mit einem Male sehr viele Schuldner gleichzeitig zahlungsunfähig geworden. Die Annahme der Unabhängigkeit gilt wohl normalerweise, nicht aber in Extremsituationen.

Und damit wurden aus AAA-Wertpapieren (was sie in normalen Zeiten sicherlich auch sind) mit einem Schlag und wie aus heiterem Himmel: Schrott-Papiere.

Rating-Agenturen

Seltsam ist es natürlich, wenn Anleihen, die zunächst der sichersten Risikoklasse angehören, so abprupt abstürzen. Offenbar war es dann aber bereits auch in normalen Zeiten falsch, diesen Wertpapieren ein „Triple-A“ zu geben. Oder anders formuliert: Die wahren Risiken dieser Wertpapiere wurden nicht richtig abgeschätzt. Und das wäre eigentlich die Aufgabe der Rating-Agenturen (beispielsweise Moody’s, S&P) gewesen.

Das Fatale war, dass sich fast alle Marktteilnehmer auf das Urteil der Rating-Agenturen verlassen haben. Nehmen wir nun einen Portfolio-Manager im Jahre 2006 an, der Geld konservativ anlegen möchte. Damals hatte er die Auswahl zwischen Staatsanleihen und CDOs. Beide wurden mit AAA beertet, also als sehr sicher eingestuft. Nur mit CDOs konnte er ein wenig mehr Rendite bekommen. Das ist nicht so verschieden von der Situation, in der sich so mancher Privatanleger befindet, der sein Geld ganz sicher in Tagesgeld anlegen möchte. Er vergleicht verschiedene Angebote und wählt schließlich diejenige Bank, die die höchsten Zinsen gewährt. (Ich denke, dass es in beiden Fällen unzutreffend ist von „Zocken“ zu sprechen)

Im Zuammenhang mit der Finanzkrise ist oftmals davon die Rede, dass die Banken skrupellos gezockt hätten. Das eigentliche Problem war, dass sie tatsächlich sehr sicher anleger wollten, eben in Triple-A-Anleihen. Das Pech war nur, dass diese Anleihen sich als viel riskanter erwiesen, als ursprünglich gedacht (Ähnlich wie Kaupthing-Einleger plötzlich mit einer Situation konfrontiert waren, die sie nicht erwartet hatten).

Banken wurden also über die eigentlichen Risiken der CDOs getäuscht. Und die Hauptschuld an dieser Täuschung hatten ohne Zweifel die Rating-Agenturen.

Aber natürlich hatten die Banken auch mitschuld. Denn man muss ja nicht alles glauben, was andere behaupten. Von hochbezahlten (angeblichen) Experten kann man durchaus erwarten, dass sie nicht einfach irgendwas kaufen, sondern auch mal selbst nachrechnen. Ich finde es verantwortungslos, sich einfach nur auf das Urteil von Rating-Agenturen zu verlassen.

Sehr geringe Eigenkapitalquoten

In einem Punkt kann man den Banken allerdings durchaus vorwerfen, dass sie „gezockt“ haben (und es nach wie vor tun). Sie betreiben ihre Geschäfte nämlich nur mit sehr geringem Eigenkapital. In 2007 lagen die Eigenkapitalquoten der Kreditinstitute zwischen 2% bis 8% der Bilanzsumme. Mindestens genausowenig Eigenkapital oder weniger setzten Hedgefonds oder die Zweckgesellschaften, in die die Banken investierten, ein (Mehr Infos hier).

Mittels Mortgage-Backed Securities (MBS) und CDOs wurden US-Hypotheken in die ganze Welt verkauft. Rating-Agenturen täuschten die Anleger über die wahren Risiken dieser Wertpapiere. Aber letztlich waren es diese extrem niedrigen Eigenkapitalquoten, die das gesamte Bankensystem beinahe zum Einsturz gebracht hätte.

Nehmen wir beispielsweise eine Bank A an, die 100 Mio Euro in Vermögensgegenständen angelegt hat, wovon nur 10% also 10 Mio Euro in CDOs und MBS angelegt sind. Nehmen wir weiter an, dass die Eigenkapitalquote der A-Bank bei 5% liegt. Mit insgesamt 95 Mio Euro hat ist sie also selbst verschuldet. Nehmen wir nun weiter an, dass die amerikanischen Hypotheken-Wertpapiere die Hälfte ihres Wertes verlieren, also nur noch 5 Mio Euro wert sind. Die Aktivseite der Bank ist also mit einem Male nur noch 95 Mio Euro wert. Das entspricht aber gerade dem Fremdkapital der Bank, oder anders formuliert: Das gesamte Eigenkapital der Bank ist verschwunden. Die Bank ist eigentlich pleite.

Die niedrigen Eigenkapitalquoten sind, meiner Meinung nach, die Hauptursache dafür, dass eine einzelne Anlageklasse einen Flächenbrand im Finanzsystem auslösen konnte.  Es gibt ja auch Mindestkapitalquoten, die Banke zu erfüllen haben. Als eine Unterschreitung dieser Mindestquoten drohte, hatten die Banken nur zwei Möglichkeiten:

  1. Weitere Vermögensgegenstände zu verkaufen, um damit Schulden zu tilgen.
  2. Bei der Kreditvergabe an andere zurückhaltend zu sein.

Der erste Punkt führte dazu, dass im Herbst 2008 so gut wie alle Anlageformen (Aktien, Unternehmensanleihen, Rohstoffe, Gold, Immobilien) gleichermaßen auf den Markt geworfen wurden. So kam es zum weltweiten Crash.

Der zweite Punkt führte dazu, dass Unternehmen weniger investieren konnten, und damit zu dem realwirtschaftlichen Rückgang.

Zusammenfassung

Seit langem war es in den USA politisch gewollt, dass auch ärmere  Leute sich fremdfinanziert ein Eigenheim kaufen können. US-Kreditinstitute haben vor allem ab 2004 verstärkt Kredite an schlechte Schuldner vergeben, in erster Linie wohl, weil sich die Banker nach einem langjährigen Anstieg der US-Immobilienpreise nicht mehr vorstellen konnten, dass US-Immobilien wieder an Wert verlieren könnten. Bei jedem Kreditabschluss winkten zudem hohe Aschlussprovisionen.

Außerdem konnten sie Hypotheken in Form von MBS-Wertpapieren oder CDOs verbriefen und so in die ganze Welt weiterreichen. Diese Wertpapiere wurden deswegen sehr gerne erworben, weil sie von den Rating-Agenturen als besonders sicher eingestuft worden sind. Nachträglich zeigte es sich, dass sie lange nicht so sicher waren wie gedacht. Als die US-Immobilienpreise nämlich stark zu fallen begannen, verloren diese Wertpapiere schnell an Wert.

Da die Banken mit sehr wenig Eigenkapital ausgestattet sind, brachte dieser unerwartete Wertverfall ihre Bilanzen durcheinander, so dass sie weitere Vermögensgegenstände verkaufen mussten (=> Aktiencrash) und restriktiver bei der Vergabe von Kredite wurden (=>“Kreditklemme“ und Wirtschaftskrise).

Links zu früheren Blog-Beiträgen zum Thema Finanzkrise:

4 Antworten
  1. chris
    chris says:

    Vor einigen Monaten las ich einen Artikel, welcher eine Ausfallquote von lediglich 4-6% aller notleidenden US-Subprime-Kredite benannte. Sollten diese Zahlen zutreffend sein, so verwundert es mich schon daß diese relativ kleine Quote eine dermaßen weltweite Finanzkrise zur Folge hat. Können Sie diese Zahlen bestätigen oder sind Ihnen aktuellere Zahlen bekannt? Ihre Beitragsserie zum Thema Finanzkrise ist übrigens sehr anschaulich und verständlich, ebenso die „Ent-Dämonisierung“ von CDO´s und MBS´s.

    Antworten
    • peterreins
      peterreins says:

      Danke für Ihren Kommentar. Ich muss gestehen, dass ich die Ausfallquoten der amerkanischen subprime-Kredite sowohl vor der Krise als auch aktuell gerade nicht parat habe. Auf der einen Seite ist es unglaublich, dass diese eine Anlageform das gesamte Weltfinanzsystem zum Wanken brachte. Auf der anderen Seite werden Mortgage-Backed Securities und CDOs häufig so dargestellt, als wären sie komplett wertlos. Das sind sie natürlich nicht. Das Hauptprobem für die Banken besteht aktuell darin, dass es keinerlei Handel dieser Wertpapiere mehr gibt. Nach der Marktwertbewertung müssten die Banken diese Wertpapiere somit alle auf einen Wert von Null Euro abschreiben. Aber das ist mit ziemlicher Sicherheit übers Ziel hinausgeschossen.

      Antworten
  2. Erntehirsch
    Erntehirsch says:

    Danke für die Anschaulichkeit und die Verständlichkeit dieses dieses Artikels.

    Sie sollten diese Serie ruhig mal in einer kleinen Buchform erwägen. Ich hätte dann immer ein lohnendes Mitbringsel bei guten Freunden, anstatt einer Flasche Wein oder so.

    Wie auch immer, ich bin für die nächsten 15 Monate, mit demütigem Haupt,
    Ihr Erntehirsch mit Erntepause.

    Antworten
  3. Logik-Ratio
    Logik-Ratio says:

    Auch von meiner Seite möchte ich mich für die informative Serie bedanken. Einige Informationen waren mir unbekannt, wie auch die Darbietung des Themas sehr angenehm und verständlich war.

    Trotzdem komme ich nicht umhin einige Kritik zu formulieren:
    Ganz so einfach, wie Sie die Sachlage darstellen ist sie leide rnicht. Vor allem der Punkt: „Die Banken haben nicht wirklich gezockt“ halte ich für nicht haltbar.

    Wie sie selbst erwähnten wurden rechtliche Regelungen gezielt mit der Gründung von Zweckgesellschaften umgangen (u.a. viele dt. Banken). Wieso gründen dt. Staatsbanken besondere Zweckgesellschaften in Steuersparländern mit geringer / keiner staatlicher Aufsicht?

    Der nächste entscheidende Punkt ist die Rolle der Ratingagenturen, der in ihren Kommentaren nicht näher beleuchtet wird. Die Ratingagenturen sind schon seit längerer Zeit massiv in die Kritik geraten – vor allem das Geschäftsmodell kann aus Spieltheoretischer Sicht nicht funktionieren. Wenn die Emmitenten für die Bewertung bezahlen, und der Bewerter nicht für die Bewertung haftet (Berufung auf die freie Meinungsäußerung), besteht hier gar kein Interesse fair zu bewerten. Im Gegenteil – wenn Sie ein gutes Autos bewerten lassen, sind Sie nicht bereit viel Geld für die Feststellung dieses Sachverhaltes zu investieren – haben Sie allerdings ein Schrottauto…….

    Neben diesen grundlegenden Faktoren muss man sich auch die Frage stellen – wie kann man als Investor in Papiere investieren, deren Funktion ich nicht verstehe und deren Detailfragen ungeklärt sind? Ich kenne bei MBS meinen Schuldner nicht. Mein Schuldner, der Hausbesitzer, hat meist noch nicht einmal einen Ansprechpartner, falls der Kredit nachverhandelt werden müsste.

    Wie kann ich als seriöse Geschäftsbank in eine Black Box investieren – mehrere Milliarden € !!!! – ohne mir die Mühe zu machen, wenigstens einmal die gesamten Informationen einzuholen?

    Wieso sollten dt. Banken mit den Ersparnissen von dt. Sparern den Bau von Wohnraum in den USA finanzieren? Vor allem den Bau von Häusern deren Qualität nach dt. Maßstäben meist als fragwürdig bezeichnet werden muss?

    Neben den offensichtlichen Fehlern der dt. Banken muss auch einmal das Institutionelle Geflecht zwischen US Administration, Investmentbanken, Zentralbanken und Presse näher untersucht werden. Die gesamte Finanzmarktarchitektur ist ein Witz. Angefangen bei den Ratingagenturen, deren Ratings relevant sind für die Bewertung nach Basel II und für weitere gestzliche! Regelungen!

    Diese Idee der privaten Ratingagenturen ist so absurd – oder können Sie sich vorstellen Stiftung Warentest in Zukunft nur noch von der Wirtschaft bezahlen zu lassen, und wenn das Urteil nicht passt, eben zum Konkurenten zu wechseln, welcher dann bestimmt das passende Rating abgeben wird?

    Neben weiteren Hanebüchenen architektonischen Mängeln muss auch einmal in Makroökonomischen Kategorien gedacht werden. Die Investition in Wohnraum ist keine Investition in zukünftiges Einkommen – eine solche Investition führt nicht zwingend zu Mehreinnahmen in der Zukunft. Hier möchte ich auch auf Ihre eigenen guten Bewertungen des Eigenheims als Geldanlage verweisen.

    Wenn allerdings eine ganze Nation massiv in diesen Bereich investiert, verschuldet Sie sich – Schulden müssen gemeinhin zurückbezahlt werden. Verschuldet sich eine nation mit einem chronisch negativen Leistungsbilanzsaldo, so muss die Frage gestattet sein, wann und wie gedenkt diese den Kredit zu tilgen? Und welche Auswirkungen auf die Wirtschaft eines Landes wird es haben, wenn der Konsum nicht mehr durch die Wertsteigerung der Immobilie (und des Cash Outs des Betrag via Kredit) angefeuert wird, sondern ein Land kollektiv beginnt die Schulden zu tilgen?

    Ein weiteres Makroproblem ist die Frage: Was passiert wenn der Unterhalt zu teuer wird und man lieber ein kleineres Haus bewohnen möchte? Das ist kein Problem, solange dies ein unkorellierter Einzelfall ist. Möchte aber eine ganze Nation! plötzlich in kleineren, günstigeren Häusern wohnen wird es zu einem großen Problem – großes Angebot – keine Nachfrage.

    Dieses Problem betrifft im übrigen auch alle anderen Assetklassen für die Rente. Wenn immer mehr Leute aus dem Arbeitsleben ausscheiden und anfangen möchten ihre Vermögen aufzulösen, brauchen Sie Käufer. Das Verhältnis von jungen Käufern zu alten Verkäufern wird sich daher verchlechtern.

    Wohin hätte diese ganze Entwicklung am Ende führen sollen? Schrottimmobilien für 1.000.000 € – aufgrund welcher ökonomischen Bewertung? Können neue Häuser nicht relativ einfach gebaut werden, ist Bauland so knapp?

    Neben den Problemen mit den Hypotheken gibt es ja noch viele weitere strukturelle Fehlentwicklungen in der Bankenbranche. Angefangen bei Insiderhandel (u.a. Wetten Investmentbanken gegen ihre eigenen Kunden), Hochgeschwindigkeitstrading (Banken nutzen den Informationsvorsprung um mit Hochleistungscomputern geld zu verdienen), aktive Hilfe zum Steuerbetrug (Siehe Swiss-Banking), Betrug (siehe z.B. Island), Manipultation von Preisen (z.B. Beeinflussung des Goldpreises siehe GATA), aktive skrupelose Täuschung im Vertrieb der Banken – Kapitallebensversicherungen mit 30 Jahren Laufzeit für 90 Jährige, Schrottimmobilien im Osten, spekulative Zertifikate für risikoaverse Anleger……

    Auch unerwähnt bleibt das Privileg der Geldschöpfung von Privatbanken.

    Insgesamt ist die Serie sehr gut zu lesen, geht aber zu keinem Zeitpunkt auf die Makroökonomischen und strukturellen Probleme ein. Für mich ist nachvollziehbar, wieso die US Banken Schrottimmobilien verkauft haben – aus den Augen aus dem Sinn – wieso allerdings die Käufer bei diesen gealtigen Beträgen nie selbst nachgedacht haben, ob das Wachstum nachhaltig ist, oder wie die Rechtslage in den USA ist – das erklärt sich mir nur durch eine mangelnde Haftung der Vorstände der betroffenen Käuferbanken und die qußerordenlichen Boni.

    Sie erwähnen in ihrer chronologischen Reihenfolge den Namen Kerviel und seine private Krise – wie um alles in der Welt kann ein einzelner Mensch Verluste von 5 Milliarden verursachen?!? Das sind 50.000 Mercedes zu 100,000 € – oder eine Armee von 1000 Kampfpanzern zu 5.000.000 € oder 25 Millionen Monatssätze für Kinder von Hartz IV Empfängern.

    Auch hier stellt sich mir die Frage – was soll das noch alles sein, außer Wahnsinn? Struktureller, organisierter Wahnsinn.

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