Desaster mit Berliner Sozialwohnungen

Diese Woche in der Financial Times Deutschland (FTD) gelesen: Wie viele Anleger mit Berliner Sozialwohnungen in ein riesiges finanzielles Desaster geschlittert sind. Leser meines Blogs wissen, dass ich die Anlageform „Immobilien“ mit großer Vorsicht betrachte (Link dorthin). Ich lehne Immobilien nicht ab, vielmehr denke ich, dass diese Anlageform sicher auch in ein Gesamtvermögen seinen Platz hat.

Mein Kritikpunkt bei Immobilien ist zweierlei:

  • Die meisten unterschätzen die Risiken, die mit einer Immobilie verbunden sind. Landauf, landab wird vekündet „Immobilien sind eine SICHERE Geldanlage“. Und genau das sind sie nicht. Genau deswegen, weil viele Anleger die Immobilien mit ihren Risiken komplett falsch einschätzen, sind sie so gefährlich.
  • Viele Kleinanleger müssen für den Kauf einer einzigen Immobilie ihr gesamtes Vermögen als Eigenkapital einbringen und dann noch zusätzlich Eigenkapital aufnehmen. Das ist ein eklatanter Verstoß gegen das Prinzip der Risikostreuung und Diversifikation. Solche Anleger setzen alles auf eine einzige Karte, was aus professioneller Sicht schon fast als verrückt zu bezeichnen ist.

Wenn in einem Gesamtvermögen 10%, vielleicht auch 20% oder 30% in Immobilien angelegt sind, und bitte auch nicht nur in eine, sondern in ein breit gestreutes Portfolio von Immobilien, dann ist das in Ordnung. Nicht aber wenn jemand all sein Geld + Fremdfinanzierung in ein einziges Objekt steckt.

Aber ich schweife ab. Nachfolgend Einzelheiten zum Berliner Desaster ..

Wie andere Städte auch hat Berlin die gesetzliche Verpflichtung, für den sozialen Wohnungsbau zu sorgen. Da die Stadt Berlin seit Jahrzehnten chronisch klamm ist, kam der Berliner Senat 1972 auf die Idee, Investoren mit Steuervorteilen und großzügigen Förderungen anzulocken.

Genau das schaffte Berlin auch. Investoren kamen und gaben ihr Geld in den Berliner sozialen Wohnungsbau. Sie hielten das für eine sichere Sache. Denn erstens erwarb man ja Immobilien, die ja allgemein als sichere Anlageform gelten. Und zweitens stand ja das Land Berlin und auch der Bund dahinter.

So wurden vor allem in den 1980er-Jahren einige Immobilienfonds aufgelegt, die sich in Berliner Sozialwohnungen engagierten. Aber auch noch im Jahre 2002 lockte der Berliner Senat mit einer 30-jährigen Förderung.

Und das obwohl bereits zu diesem Zeitpunkt klar war, dass das Land Berlin keine Förderungen für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen will. Anleger und Fondsanbieter sehen sich deswegen auch arglistig getäuscht und betrogen.

Was das im konkreten Einzelfall bedeutet beschreibt die FTD am Anfang des Artikels (16.09.09, Seite 29):

„Anfang der 90er-Jahre ist [der heute pensionierte Kinderarzt Thomas] Kern in den Berliner Sozialen Wohnungsbau eingestiegen. Über 700.000 DM steckte er in die vier geschlossenen Immobilienfonds. ‚Das Geld ist weg‘, sagt Kern. Und nicht nur das. Was als sichere Anlage gepriesen wurde, hat jetzt alle seine Ersparnisse aufgefressen. ‚250.000 Euro musste ich in den beiden letzten Jahren bereits in die Immobilien nachschießen‘, sagt Kern. ‚Für nur einen Fonds‘. die nächste Zahlungsaufforderung hat er bereits vorliegen: 252.000 Euro. Zwei Fonds stehen noch aus. Seine Aktien musste er verkaufen, auch der Erlös aus dem Verkauf seiner Praxis ist aufgezehrt. Alles floss in die Berliner Bauten.“

Ich hoffe, dass sich solche Geschichten mehr herumsprechen, damit die Leute eine klarere Vorstellung davon bekommen, welche Risiken mit Immobilien verbunden sind.

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