Chart-Analyse

Viele Leute schwören auf die Chart-Analyse. Ich will niemandem zu Nahe treten oder etwa verletzen, aber ich halte die Chart-Analyse für eine  Art Finanz-Astrologie. Nachfolgend meine Argumente:

Wie die Chart-Analyse sit auch die Astrologie mathematisch und hat einen systematischen Ansatz, und ist dennoch (meiner Meinung nach) unwissenschaftliches Humbug. Als Ingenieur oder Naturwissenschaftler weiß man, dass man erst mal nach Belieben mathematische Modelle aufstellen kann, worauf es aber ankommt, ob diese Modelle auch etwas mit der Realität zu tun haben, ob sie sich empirisch bestätigen lassen.

Wie läuft es aber mit der Chart-Analyse ab? Da wird ein theoretisches Modell aufgestellt, das ein paar Mal klappt und ein paar mal nicht (etwa 50% zu 50%). Dann sagen die Leute, naja wir müssen das Modell noch verbessern. Dann wird das Modell so verändert, dass die vergangenen Daten sich –nachträglich– durch das Modell erklären lassen. Man hat also ein neues, „verbessertes“ Modell, von dem die Leute glauben, jetzt stimmt es aber. Immerhin kann man ja jetzt die Vergangenheit größtenteils dadurch erklären.
 
Nur dann kommt wieder die harte Wirklichkeit, und das Modell wird wieder etwa eine Trefferquote von 50% haben. Dann heißt es wieder, naja wir müssen das Modell verbessern, etc. Psychologisch kommt dann noch dazu, dass die Fälle, bei denen das Modell versagt hat, irgendwie unterm Tisch fallen gelassen werden. Entweder, dass man sie ganz unbeachtet lässt und vergisst, so dass man sich nur noch an die eine Hälfte der Treffer erinnert. Oder dass man es wegrationalisiert, nach dem Motto: „Das war ein ‚Messfehler'“ (was ja bei den Naturwissenschaften auch ein Rolle spielt) oder „Hier waren bestimmte ‚Sonderbedingungen'“ etc. Das ist dann übrigens eine nette Spielwiese für Behavioral Finance.
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