Bodo Schäfers Weg zur finanziellen Freiheit

42-16057799Vor ein paar Wochen fragte mich eine Bekannte, was ich von Bodo Schäfer halten würde. Ich antwortete: „Nicht viel“. Worauf sie wissen wollte, warum. Denn sie fand Schäfers Buch „Der Weg zur finanziellen Freiheit“ ganz gut. Ich musste gestehen, dass ich weder dieses Buch oder sonst etwas von Bodo Schäfer je gelesen habe. Also besorgte ich mir das Buch und las es.

Jetzt kann ich etws detaillierter begründen, warum ich nicht viel von Bodo Schäfers Buch halte …

Der genaue Titel des Buches lautet „Der Weg zu finanziellen Freiheit – In sieben Jahren die erste Million“ und geschrieben hat es Bodo Schäfer 1999. Das Buch stellt also nichts weniger als ein Versprechen dar, dem Leser aufzuzeigen, wie er/sie in (nur) sieben Jahren Millionär werden kann…

Grob lässt sich das Buch in zwei Teile teilen. Erstens einen (wie ich ihn nennen möchte) psychologischen Teil. Zweitens einen fachlichen Teil, in dem Schäfer detailliert seine Strategie der Geldvermehrung beschreibt.

„Menschen, die kein Geld haben, sind nicht bereit 110 Prozent zu geben“ (Schäfer S. 80)

In dem „psychologischen“ Teil geht es um unsere Einstellungen und Glaubenssätze. Denn Schäfer ist der Überzeugung, dass sich viele Menschen selbst innerlich daran hindern, reich zu werden.

Sehr allgemein formuliert, kommt Schäfer unter anderem zu folgenden Erkenntnissen: „Menschen, die kein Geld haben, …

  • „…machen Wohlstand nie zu einem absoluten Muss“ (S. 75)
  • „…halten nicht durch“ (S. 76)
  • „…übernehmen keine Verantwortung“ (S. 78)
  • „…sind nicht bereit, 110 Prozent zu geben.“ (S. 80)

Derartige Verallgemeinerungen sind zunächst einmal sehr leicht zu widerlegen. Beispielsweise war Franz von Assisi sicherlich ein armer Mönch, dennoch war er zweifelsohne bereit 110 Prozent und mehr zu geben. Oder wer kennt nicht Menschen, die aufopferungsvoll Verantwortung für andere übernehmen (Krankenpfleger, Erzieherinnen, Lehrer, Krankenschwestern, etc.) und nicht vermögend sind.

Zweitens sind solche Verallgemeinerungen direkt Ohrfeigen für Leute, die kein Geld haben. Implizieren diese Aussagen doch: „Aha, du hast nicht viel Geld, also hast du kein Durchhaltevermögen.“

Was Schäfer eigentlich suggerieren will, ist folgendes: Man muss nur…

  • ….den Wohlstand zu einem absoluten Muss machen,
  • …Durchhaltevermögen haben,
  • …Verantwortung übernehmen,
  • …bereit sein, 110 Prozent zu geben, …

… und dann wird sich der finanzielle Wohlstand schon einstellen.

Das so allgemein zu behaupten ist ausgesprochen naiv, wahrscheinlich sogar gefährlich. Ich kenne eine Unternehmerin, die seit etwa 8 Jahren ums Überleben kämpft. Ihr Durchhaltevermögen ist grandios, nur leider stellte sich der Erfolg nicht ein. Im Nachhinein drängt sich sogar der Verdacht auf, dass es für sie besser gewesen wäre, wenn sie ihr kleines Unternehmen aufgegeben hätte, um wieder ins Angestelltenverhältnis zu wechseln. So jemanden zu sagen: „Naja, Sie sind noch nicht reich, weil sie nicht durchhalten“ ist direkt eine Frechheit.

Ja, ich kann mir vorstellen, dass sich manche Menschen durch ihre innere Einstellung selbst ein Bein stellen, so dass es ihnen schwer fällt, finanziell erfolgreich zu sein. In diesem Punkt möchte ich Herrn Schäfer recht geben. Und ich gebe ihm auch recht, wenn er behauptet, dass für solche Menschen möglicherweise ein Coach hilfreich sein kann.

Aber die ständigen Verallgemeinerungen bei Bodo Schäfer sind erstens falsch. Und zweitens tun sie – mir jedenfalls – weh. So war der erste Teil zu lesen für mich eine regelrechte Folter.

Ein Buch übrigens, das ich in diesem Zusammenhang empfehlen kann, ist von dem Amerikaner Phil Rosenzweig: „Der Halo-Effekt„. Rosenzweig räumt darin radikal mit dieser Art von Unsinn auf, wie ihn Bodo Schäfer hier produziert hat.

„Aktien sind eine ausgezeichnete und sichere Geldanlage“ (Schäfer, S. 195)

In einem zweiten Teil beschreibt Bodo Schäfer sehr konkret, wie man es – seiner Meinung nach – anstellen soll, um seine erste Million in 7 Jahren zu erreichen. Auch dieser Teil ist mit Verallgemeinerungen und Plattitüden gespickt. Aber während der erste Teil für mich eine kaum zu ertragende Folter war, fand ich den fachlichen Teil einfach nur lustig.

Wie oben zitiert, hält Schäfer Aktien für eine „sichere“ Anlageform. Nach den jüngsten Erlebnissen an den Kapitalmärkten ist diese Behautpung einfach nur komisch. Komisch ist auch folgendes Zitat (S. 204):

„Für die Strategie des [wie Bodo Schäfer es nennt] ‚Königsweg‘ eignen sich nur Aktien allererster Güte. Von jeder Branche kommt jeweils nur der Branchenführer in Betracht. An der Deutschen Börse ist dies beispielsweise bei den Banken nur die Deutsche Bank. Bei den Kaufhäusern nur Karstadt…“

Wirklich ein guter Tipp, wenn man sein Geld vervielfachen will. Keine Ahnung von den wahren Risiken haben, aber mit unerschütterlichem Selbstvertrauen auf Pleite-Unternehmen setzen. Und dann noch behaupten, man hätte den „Königsweg“ zum Reichwerden. Wirklich sehr komisch.

Ebenso lustig sind Schäfers Fonds-Emfpehlungen. Besipielsweise preist er den Templeton Growth Fonds an (S. 228). Ein Fonds, der seit einiger Zeit sehr viele Anleger schwer enttäuscht hat.

Aber vielleicht das Lustigste sind Bodo Schäfers Renditeerwartungen (S. 259):

  • „Sichere“ Anlagen: 12 Prozent
  • „Anlagen mit mittlerem bis hohem Risiko“: 20 bis 30 Prozent (!!!)

„Nicht schlecht, Herr Schäfer“, möchte ich da antworten, „Träumen ist ja erlaubt“.

Nett ist auch foglendes Zitat (S. 202): „Aktien haben Geld immer geschlagen und Aktien werden Geld immer schlagen.“

Schulden tilgen und Vermögen aufbauen

Trotz meiner kritischen Bemerkungen über Schäfers Buch, will ich zwei seiner Kernaussagen unterschreiben:

  1. Falls man verschuldet ist: so schnell wie möglich weg mit den Schulden.
  2. Für denVermögensaufbau beginnt man besser heute als morgen mit dem Sparen, selbst wenn es sich um kleine Sparbeträge handelt.

Was den ersten Punkt betrifft. Gerade Konsumschulden können schnell in eine Schuldenfalle führen. Am Ende arbeitet man nur für Kreditzinsen und Tilgung.

Zweitens kann man mit dem Sparen nicht früh genug anfangen. Am besten beginnen Eltern einen Sarplan bereits für ihre Kinder. Nehmen wir an, dass eine Rendite von 5% p.a. mit einem Sparplan erreichbar ist. Wenn Eltern für ihr 10-jähriges Kind damit beginnen, 200 Euro pro Monat zur Seite zu legen, und dieser Sparplan 55 Jahre unbeirrt beibehalten wird, dann wird dieses „Kind“  mit 65 ein Vermögen von über 670.000 Euro haben.

Wenn man weniger Zeit hat, dann muss man deutlich höhere Sparbeträge zur Seite legen, um auf dieses Zielvermögen zu kommen:

  • Um über 30 Jahre ca. 670.000 anzusparen: 820 Euro pro Monat
  • Um über 20 Jahre ca. 670.000 anzusparen: 1.890 Euro pro Monat
  • Um über 10 Jahre ca. 670.000 anzusparen: 4.980 Euro pro Monat

Daran sieht man klar: Beim Sparen spielt die Anspardauer eine viel größere Rolle als der Sparbetrag.

Diese Erkenntnis versucht auch Bodo Schäfer zu vermitteln. Und da stimme ich ihm 100%ig zu. Dementsprechend wichtig ist es, sich bei Zeiten Gedanken über seine finanzielle Zukunft zu machen. Am besten legt man sich tatsächlich eine Art Plan fest und hält an ihm diszipliniert fest. Auch das kann man bei Bodo Schäfer lesen.

Dass man aber 511.291 Euro (=1 Mio DM) in 7 Jahren schaffen soll, das halte ich wiederum für sehr reißerisch. Bodo Schäfer spricht in seinem Buch immer wieder davon, dass eine Rendite von 12% p.a. ohne Weiteres machbar seien. Das hat er wohl aus dem Erfahrungshorizont der späten 1990er-Jahre geschrieben. Heutzutage hält wohl fast jeder ein solches Renditeziel für zu hoch gegriffen. Aber nehmen wir einmal an, dass ein bestimmter Aktienfonds die nächsten 7 Jahre diese druchschnittliche Jahresrendite erzielen könnte.

Dann müsste man fast 4000 Euro pro Monat ansparen, damit daraus mit Zineszins nach 7 Jahren dieser Betrag von 511.291 Euro ereicht würde. Selbst wenn man eine Rendite von 20% p.a. annimmt, müsste man noch fast 3000 Euro pro Monat zur Seite legen, um dieses Zielvermögen zu erreichen.

Ich nehme mal an, dass die meisten keinen so hohen monatlichen Euro-Betrag ansparen können. Und das hat nichts mit einer inneren Einstellung und Glaubenssätzen zu tun (wie Bodo Schäfer im ersten „psychologischen“ Teil meint), sondern schlicht weil es nicht geht.

Es ist auch gar nicht nötig, sich ein solch extremes Ziel zu setzen: 511.000 Euro in 7 Jahren (es sei denn man will mit einem reißerischen Buchtitel Leser neugierig machen). Es ist ja schon schön und gut, wenn jemand einen kleinen Sparbetrag (so wie es ihm/ihr passt) über 20 Jahre anspart. Damit ist vielleicht keine Million gewonnen, wohl aber eine gute Basis für alles Weitere.

Mein Fazit und Wert einer unabhängigen Vermögensberatung

Ich halte das Buch von Bodo Schäfer „Der Weg zur finanziellen Freiheit“ unterm Strich für nicht lesenswert. Die paar guten Gedanken (die es zweifelsohne in dem Buch gibt) werden durch die Masse an naiven Verallgemeinerungen und falschen Behauptungen so sehr überlagert, dass das Buch keinen Spaß macht. Geschweige denn, dass es ein guter Ratgeber sein könnte.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass nur eine einzige Person (außer Bodo selbst) mit diesem Buch innerhalb von 7 Jahren zum Millionär werden konnte. Stattdessen sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Wer ohne Vorkenntnisse Schäfers Buch für bare Münze hält, ist vielleicht begeistert und zieht los um schnell reich zu werden. Versucht verbissen sein Einkommen zu erhöhen, um monatlich viel in Aktien anzulegen. Wird er einen monatlichen Sparbetrag von fast 4000 Euro schaffen können? Selbst mit der härtesten Disziplin, selbst wenn er „110% gibt“? Was wird dabei alles auf der Strecke bleiben? An persönlichen Beziehungen, Freude am Leben, Gesundheit, Gelassenheit?

Und wenn er es trotz aller Disziplin und Entbehrungen nicht schaffen wird, einen so hohen monatlichen Sparbetrag zur Seite legen zu können, wird er sich dann am Ende nicht schlecht fühlen? Vielleicht enttäuscht , entmutigt oder sogar deprimiert?

Und selbst wenn er regelmäßig einen größeren Betrag monatlich, wie es Schäfer vorschlägt, in Aktien anlegt. Wie groß wird die Enttäuschung sein, wenn er plötzlich realisieren muss, dass es sich bei Aktien um alles andere als eine „sichere Geldanlage“ handelt, wie Schäfer behauptet? Wenn er stattdessen vielleicht sogar Geld verliert oder meilenweit von der Zielrendite 12-20% p.a. entfernt ist?

So denke ich, ist Schäfers Buch vor allem für eines geeignet: Zunächst brennenden Enthusiasmus zu schüren, um am Ende bitter zu enttäuschen. Besser und zielführender finde ich es, wenn man weniger reißerisch und realistischer an das Thema Sparen und Geldanlage heranführt.

Viel zielführender, meiner ich, ist es, wenn ein Anleger sich durch einen kompetenten und unabhängigen Vermögensberater beraten lässt, der am besten auf Honorarbasis bezahlt wird. Eine solche Beratung dauert vielleicht zwei Stunden. Und am Ende weiß der Anleger mehr und steht besser da als nach der Lektüre von Schäfers Buch.

Siehe: Vermögensberatung auf Honorarbasis.

2 Antworten
  1. Stephan Wolf
    Stephan Wolf says:

    Mir hat das Buch gefallen. Ich, der eigentlich keine Bücher liest, habe es regelrecht verschlungen. Was ist an Psychologie falsch? Schon meine Mutter hat dieses Instrument früher schon eingesetzt. Mathearbeit? Junge, das schaffst Du doch eh nicht… Grund genug für mich es ihr zu zeigen und eine 2 mit nach Hause zu bringen. Herr Schäfer macht im Prinzip nichts Anderes. Er packt das Problem innerer Schweinehund nur anders an. Nun ich gebe zu ich verdiene nicht schlecht. Habe mir auch nicht vorstellen können seine Praktiken für mich umzusetzen. Aber habe es versucht und siehe da, es klappt. Ich merke nicht einmal das mir Geld „fehlt“, dabei fehlt es ja nicht, sondern ist nur geparkt um mein Vermögen aufzubauen. Ich habe mit 10% sparen meines Einkommens begonnen und habe es mir zur Aufgabe gemacht es jährlich um ein weiteres Prozent zu erhöhen. Darüber hinaus wende ich seine geniale Idee an, von jeder Gehaltserhöhung die Hälfte zu sparen. Fazit, es funktioniert, aber nur wenn man selber bereit dazu ist. Fakt ist, Reich macht einen nicht das was er verdient, sondern das was man davon behält. Es muss nicht die Million sein, aber wer wenig Einkommen hat, für den können auch schon ein paar Tausend Euro ein Vermögen sein. Ich kann nur jedem empfehlen, ganz gleich was er an Einkommen zur Verfügung hat, probiert es aus und haltet es durch! ES FUNKTIONIERT!!!

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  2. Der Couponschneider
    Der Couponschneider says:

    Was für Sie Bodo Schäfer ist, ist bei mir Dirk Müller. Hätte man mich vor einem halben Jahr gefragt, was ich von ihm halte, hätte ich gesagt: wenig. Seine ständiges Warnen vor dem nächsten Crash nervt einfach nur. Jüngst sagte er im Handelsblatt-Interview: „Da kommt was um die Ecke.“ Und viele Kommentatoren sehe es ähnlich wie ich… Man macht sich nur lustig.

    Natürlich kommuniziert auch Müller wichtige Informationen. Ich finde es gut und richtig, dass er das Investment Immobilie demaskiert. Aber damit findet er kaum Breitenwirkung und seine Fans lieben ihn wegen etwas anderem: Er empfiehlt Gold (totes Investment), Aktienkauf nur mit Absicherungen (Stopps setzen, Optionensscheine etc.) und er fantasiert Verschwörungen herbei.

    Ich habe mir sein erstes Buch im Herbst ausgeliehen und schnell durchgelesen, denn ich will mir nicht sagen lassen, dass ich über einen Mann urteile, dessen Bücher ich nie gelesen hätte. Sein Buch strotzte nur so von Vereinfachungen, Andeutungen und versteckten Verschwörungstheorien. Und natürlich war auch Werbung für die eigene Webseite und für seinen Börsenbrief drin. Vor dieser Lektüre hielt ich wenig von Müller, nach der Lektüre halt ich nichts von ihm.

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