Wie kommen die Quoten beim Global Strategy zustande?

Jemand hat mir gestern folgende Frage per E-Mail gestellt: „Sie schreiben selbst, dass Sie nicht viel auf Prognosen geben (50:50 Chance richtig zu liegen). Wonach richten Sie aber Ihre Allocation aus? Warum z.B. genau 27% Europäische Bluechips? Wie gehen Sie da vor?“

Hier meine Antwort …

Zur Erinnerung hier noch einmal die Quoten, die ich in dem Global Strategy Fonds habe:

  • Europäische große Unternehmen: 27%
  • Europäische kleine und mittlere Unternehmen: 8%
  • US-Aktien: 15%
  • Japanische Aktien: 12%
  • Schwellenländer-Aktien: 9%
  • Rohstoffe: 9%
  • Staatsanleihen: 11%
  • Infl.geschützte Staatsanleihen: 9%

Die Frage war, wie genau diese Zusammensetzung entstanden ist.

Zunächst muss ich sagen, dass hier ein relativ hoher Grad an Beliebigkeit gegeben ist. Folgende Regeln habe ich aber beachtet:

  1. Alle (aus meiner Sicht) wesentlichen liquiden Anlageformen wurden berücksichtigt.
  2. Bewusst verzichtet habe ich auf Immobilienfonds, denn viele Anleger haben sowieso schon für sich genommen Geld in Immobilien angelegt.
  3. Ich habe auch keine Unternehmensanleihen dazugenommen, weil hier im Allgemeinen der Gleichlauf zum Aktienmarkt zu groß ist.
  4. Ich wollte die Assetklasse Aktien insgesamt übergewichten (71%), um ein eher chancenorientiertes und entsprechend riskantes Portfolio für einen langfristig denkenden, risikobereiten Anleger zusammenzustellen.
  5. Wichtig war mir, dass neben Aktien, insbesondere auch Staatsanleihen und Rohstoffe (echte Rohstoff-ETFs und keine Rohstoff-Aktien) zum Einsatz kommen. 
  6. Keine Anlageklasse sollte mehr als 35% ausmachen, damit es zu keinen extremen Übergewichten kommt.
  7. Keine Anlageklasse sollte unter 5% ausmachen, denn dann ist diese Beimischung fast irrelevant.
  8. Besonders risikoreiche Anlageklassen, wie beispielsweise Small/Mid-Caps, Schwellenländer-Aktien und Rohstoffe sollten nur geringere Gewichte von unter 10% bekommen.
  9. Da ich mich an europäische Anleger wende, wollte ich europäische Anlageformen im Vergleich zu außer-europäischen Anlageklassen übergewichten. Dies übrigens  auch wegen des Währungsrisikos, denn ich betreibe kein Währungshedging.

Wenn man diese Regeln zusammennimmt, dann kommen sehr schnell in etwa solche Quoten heraus, wie ich sie in meinem Fonds habe. Dass aber europäische Blue Chips 27% ausmachen, und nicht 29% oder 25%, das ist letztlich Zufall.

Ich vertrete die Philosophie, dass man im Vorhinein nicht wissen kann, welche Portfolio-Zusammensetzung tatsächlich in der nächsten Zukunft die beste sein wird.

Wenn jemand anderes eine andere Gewichtung für besser hält, also beispielsweise USA deutlich mehr, Japan weniger, dann soll mir das recht sein. Ich kann hier nicht argumentieren, dass „meine“ Gewichtung besser ist und eine andere schlechter.

Wichtig scheint mir, dass überhaupt eingermaßen vernünftig diversifiziert wird. Und zweitens, dass man das Re-Balancing als Risikomanagement-Strategie streng  regelbasiert verwirklicht. Deswegen sage ich: Es hat eine hohe Portion Beliebigkeit (sozussagen die Zufalls-Münze), wie am Anfang die Quoten festgelegt werden. Sobald sie aber festgelegt sind, ist alles weitere nicht mehr beliebig.

Ich weiß nicht, ob sich jemand unter meinen Lesern mit Mathematik auskennt (ich habe ja Mathematik studiert). Aber es ist ähnlich wie bei einem Axiomensystem. Axiome kann ein Mathematiker zunächst relativ beliebig zusammenstellen, er kann z.B. bei der Geometrie sich für ein euklidisches oder ein nicht-euklidisches System entscheiden. Da ist viel Beliebigkeit. Sobald aber die Axiome festgelegt sind, ist für den Mathematiker alles weitere überhaupt nicht mehr beliebig, sondern alles Weitere folgt mit Notwendigkeit.

Ich weiß nicht, ob das ein zu abgehobener Vergleich ist? Aber ich hoffe, man versteht, was ich meine.

3 Antworten
  1. Herr S.
    Herr S. says:

    Hallo Herr Dr.Peterreins,

    vielen Dank für die Antwort auf meine Frage. Ich muss sagen, ich finde Ihren offenen und ehrlichen Umgang mit der Stratgie wirklich lobenswert!
    Derartige Transparenz wünscht man sich eigentlich auch von anderen Fondsmanagern.

    MfG
    Herr S.

    Antworten
  2. Philipp
    Philipp says:

    Hallo Herr Dr.Peterreins,

    toller Artikel. Finde ihre Allocation auch top. Mit einer langen Perpesktive macht man da auf jeden fall nichts falsch. Feste Regeln (Axiome) sind unglaublich wichtig, denn die Werte werden irgendwann mal etwas einbrechen und auch das Rebalancing ist eine echte Nervensache, wenn es dann einmal heißt Umschichten. Vielleicht zur Ergänzung zwar sind Unternehmensanleihen leicht korrelierend zu Aktien allerdings ist der Markt für Unternehmensanleihen deutlich größer als der von Aktiengesellschaften. Man kann sich also noch ein bisschen breiter diversifizieren =).

    Beste Grüße

    Antworten
    • Peterreins
      Peterreins says:

      Wenn man aber zu sehr diversifiziert, kann man das Rebalancing nicht mehr regelmäßig zu kostengünstigen Konditionen ausführen. Das gilt gerade bei kleineren Vermögen.

      Antworten

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