Protokoll der Finanzkrise

In der heutigen Süddeutschen steht ein sehr spannendes Protokoll der Krisentage von Ende September 2008: Die Nacht, in der es um Deutschlands Banken ging. Dieser Artikel hat mir den Anlass gegeben, nachfolgend den Verlauf der Finanzkrise kurz und prägnant – und aus Sicht eines Kapitalanlegers – darzustellen …

Wenngleich die Finanzkrise bereits in 2007 begann, folgte für die Börse vor allem im Jahr 2008  ein Desaster dem nächsten. Die weltweiten Aktienmärkte schlossen mit dramatischen Verlusten. Gerade Ende des Jahres erreichte die allgemeine Verunsicherung solche Ausmaße, dass wir immense Tagesschwankungen erlebten. An einem einzigen Tag 7% nach unten und am nächsten gleich wieder 6% nach oben. Am Ende hat der amerikanische Dow Jones 31% verloren, der deutsche Aktienindex DAX 41% und der japanische Nikkei-Index hat sogar 43% verloren.

Ein französischer Bankangestellter verspekulierte sich

Bereits im Januar 2008 setzten die ersten Turbulenzen ein. Auslöser waren Fehlspekulationen eines französischen Bankangestellten. Der DAX verlor im Laufe des 21. und 22. Januar fast 10%. Bemerkenswert an diesem ersten Desaster des Jahres 2008 ist, dass es nichts mit der Finanzmarktkrise zu tun hatte, die ihren Ausgang von faulen US-Immobilien genommen hat. Diese Krise glaubten viele bereits Ende 2007 für abgehakt.

Ein dramatischer März

Tatsächlich meldete sich die Finanzmarktkrise ab Februar und März 2008 wieder mit aller Wucht zurück und sorgte für das zweite Desaster des Jahres 2008. Im März wird die renommierte US-Investmentbank Bear Stearns auf Drängen der amerikanischen Notenbank an die Geschäftsbank JP Morgan Chase verkauft. Offenbar litt der Bankensektor noch erheblich unter der Immobilienkrise und hatte mit milliardenschweren Abschreibungen und Verlusten zu kämpfen. Die Aktienmärkte reagierten mit weiteren Verlusten.
Weltweit gingen die Milliardenabschreibungen der Banken im Sommer weiter, auch deutsche Banken waren betroffen. Einige Landesbanken mussten Milliarden an Verlusten verkraften, so dass sie sich kritische Fragen zu ihrer Geschäftspolitik gefallen lassen mussten.

Im Juli und August 2008 gab es dann wieder optimistische Prognosen seitens der Banken, dass sich die Aktienmärkte bis zum Ende des Jahres wieder erholen werden. Für den deutschen Aktienmarkt DAX wurden etwa 7400 Punkte prognostiziert (Tatsächlich lag der DAX am 31.12.08 bei 4730) . Auch für den Ölpreis wurden weiter steigenden Notierungen von bis zu 200 Dollar erwartet.

US-Regierung ließ Lehman Brothers pleite gehen

Doch die Lage im Finanzsektor spitzte sich im September zu. Die US-Regierung übernahm die Kontrolle bei den beiden Immobilienfinanzierern Freddie Mac und Fanny Mae. In einer sonntäglichen Sitzung von US-Regierung, der amerikanischen Notenbank FED und den be-troffenen Banken Mitte September wurde ein folgenschwerer Entschluss gefasst: Merrill Lynch sollte an die Bank of America verkauft werden, für die angeschlagene Investmentbank Lehman Brothers fand sich jedoch kein Käufer, und auch die amerikanische Regierung war – entgegen allgemeiner Hoffnung – nicht bereit, das Institut zu stützen: Lehman musste Insolvenz anmelden. Die Weltbörsen setzten ihre Talfahrt fort.

Mit der Lehman-Pleite hatte die Finanzmarktkrise eine neue Qualität erreicht. Vorher schockierten vor allem die unerwartet hohen Verluste und Abschreibungen, die den Banken aus ihren Geldanlagen entstanden. Mit Lehman begann die Finanzmarktkrise zu einer echten Vertrauenskrise zu werden. Die Banken vertrauten sich gegenseitig nicht mehr, und Privatan-leger fragten sich, wie sicher ihre Einlagen sind.

In dem oben genannten Bericht aus der Süddeutschen Zeitung wird klar, wie dramatisch die Situation Ende September 2008 auch in Deutschland war. Hätten sich die privaten Bank und die Bundesregierung nicht in aller letzter Sekunde auf einen Rettungsplan für die vor dem Abgrund stehende Hypo Real Extate (HRE) geeinigt, dann wäre das Bankensystem in Deutschland kollabiert. Die Folgen sind gar nicht vorstellbar.

Die Finanzkrise schwappte auf die Realwirtschaft über

Bis Mitte Oktober dauerte es, bis Regierungen und Notenbanken keinen Zweifel mehr offen ließen, jedes weitere Kreditinstitut aufzufangen und alles Notwendige staatlicherseits zu tun, um die Finanz- und Vertrauenskrise zu beenden. Mit riesigen staatlichen Rettungspaketen war das Schlimmste jetzt abgewendet.
Doch sofort kündigte sich das nächste Desaster an. Während man bislang der Hoffnung sein konnte, dass die Finanzkrise die sogenannte Realwirtschaft nur am Rande berührte, so zeich-nete sich genau ab Mitte Oktober ein starker konjunktureller Einbruch ab. Vorneweg die Au-toindustrie. Das Wirtschaftswachstum sinkt auf das niedrigste Niveau seit vielen Jahrzehnten. Nach den Rettungspaketen für die Banken wurden nun weltweit Konjunkturpakete geschnürt.

Was konnte man vorher wissen?

Angesichts eines solch desaströsen Jahres ist es natürlich interessant, was man vorher vielleicht schon hätte wissen können. In einer Ausgabe der Financial Times Deutschland Ende Dezember 2008 wurden die Prognosen aufgelistet, die führende Banken, Vermögensverwaltungen und Forschungsinstitute genau ein Jahr zuvor machten. Das ernüchternde Ergebnis: Nicht einer sagte auch nur annähernd die Ereignisse des Jahres 2008 richtig voraus.

Dieses Versagen ist um so bemerkenswerter, als dieselben Institute sich heute hinstellen und genau zu wissen behaupten, wie es an den Kapitalmärkten in 2009 weitergeht. Wollen wir mal hoffen, dass diesmal der eine oder andere Augur besser liegt. Aber selbst dann gilt, was am 11. Dezember in der Süddeutschen Zeitung stand:

„Allerdings gibt es immer einen Experten, der rückblickend mit seiner Prognose rich-tig lag … So werden Gurus geboren, die dann die öffentliche Debatte prägen, bis sie vom nächsten abgelöst werden. Diese Gurus werden überschätzt, denn es gilt das Ge-setz der großen Zahl. Es wäre statistisch äußerst unwahrscheinlich, wenn sich alle Prognosen im Nachhinein als falsch herausstellten. Mathematisch gesehen muss einer aus der riesigen Gruppe der Experten mit seiner Prognose richtig liegen, es ist nur sel-ten immer dieselbe Person. Und man kann nicht vorhersehen, wer es sein wird … Daraus leitet sich im Grunde die einzig belastbare Prognose zur Zukunft ab. Sie lautet: Selten kommt es so, wie es die Mehrheit voraussagt.“

Was man tun kann
Niemand kann ernsthaft behaupten, auch nur annähernd die künftigen Entwicklungen an den Kapitalmärkten vorhersagen zu können. Man darf einzelne Glückstreffer nicht mit Wissen verwechseln. Daher ist eines der wichtigsten Kriterien für die Geldanlage der Anlagehorizont. Und dabei gilt die Regel: Je kürzer der Anlagehorizont ist, umso sicherer sollte man anlegen. Und je länger der Anlagehorizont ist, umso beruhigter kann man bei der Geldanlage sein.

Wer beispielsweise sein Geld innerhalb der nächsten zwölf Monate braucht, sollte sein Geld am besten auf Fest- oder Tagesgeldkonten parken. Selbst wenn man an große Kursgewinne glaubt, ist man am besten beraten, hier keine Risiken einzugehen.

Wer mittelfristig auf Sicht von beispielsweise 3 bis 5 Jahre anlegt, kann sehr wohl einge-schränkte Risiken eingehen. Denn schlechte Marktphasen kann er gegebenenfalls aussitzen. Damit das klappt, dürfen die Verluste nur nicht zu groß werden. Daher ist es hier vernünftig sogenannte Stop-Loss-Marken zu setzen. Genau diese Strategie verfolgen wir mit unseren Total Return Fonds.

Wer einen Anlegehorizont von über 10 Jahren hat, kann ohne weiteres die höchsten Risiken eingehen. Selbst solche schlechten Jahre, wie das Jahr 2008, werden unter einer langfristigen Perspektive nur eine untergeordnete Rolle spielen.

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