Auswahlkriterien für gute Anlageberater

Im Handelsblatt gefunden: Woran Sie einen guten Berater erkennen. Darin wird einiges dazu gesagt, wie man einen guten Anlageberater erkennen kann. Unter anderem an folgendem:

  • Der Berater drängt nciht, sondern lässt dem Kunden Zeit.
  • Er prüft die Bedürfnisse des Kunden.
  • Er diversifiziert das Kundenvermögen.
  • Er macht keine zu großen Vesprechen.
  • Er klärt über Gebühren auf.

Ich denke, es ist auch wichtig, zunächst darzulegen, woran man einen guten Berater nicht erkennen kann. Außerdem würde ich (aus meiner 20-jährigen Praxis heruas) noch ein paar andere Akzente setzen …

Trauen Sie nicht dem Schein

Ich hatte schon manchmal mit Anlegern zu tun, die regelrecht von ihrem Anlageberater übers Ohr gehauen wurden. Anders kann man es nicht formulieren. Und darauf befragt, warum sie das Geschäft mit diesem Berater gemacht haben, sagten mir diese geprellten Anleger: „Er war doch so seriös und vertrauenswürdig.“

Das ist genau die erste wichtige Falle, auf die ich Anleger aufmerksam machen möchte. Sie werden kaum eine Chance haben, mittels Ihres Bauchgefühls einen schlechten Berater zu erkennen. Gerade im Gegenteil. Paradoxerweise wirken oftmals gerade die schlechten Berater sehr nett, sympathisch, vertrauenswürdig oder seriös. Strukturvertriebe haben die Masche, einen Neueinsteiger erst einmal ihre Verwandten, Freunde und Bekannten abgrasen zu lassen. Meistens hinterlassen sie auf diese Weise verbrannte Erde.

Haben Sie naürlich ein schlechtes Gefühl, dann sollten Sie es sowieso bleiben lassen. Aber ich warne eindringlich vor der Schlussfolgerung: „Mein Bauchgefühl sagt Ja, also wird es schon passen.“ Das ist meistens der Anfang eines größeren Desasters.

Gute Berater sind vor allem Kostenminimierer

Der Handelsblatt-Artikel stellt das Kriterium „Aufklärung über Kosten“ ziemlich weit hinten an 9. Stelle. Meine Meinung ist, dass die Gebühren und Kosten bei der Geldanlage mit das aller wichtigste Kriterium ist. Darüber ist sich die Fachliteratur absolut und unfraglich einig.

Sie werden einen guten Anlageberater daran erkennen, dass er sich zunächst für Sie als Kostenminimierer präsentiert. Einen schlechten Berater werden Sie umgehend daran erkennen, dass er entweder gar nicht auf Kosten aufmerksam macht oder Kosten vielleicht sogar herunterspielt. Nach dem Motto: „Qualität hat einfach seinen Preis.“

Dass das gerade im Anlagebereich nicht der Fall ist hat zum Beispiel eine Studie ergeben, die David Swensen in seinem „Buch „Erfolgreich Investieren“ genannt hat. Das Ergebnis: Günstige Investmentfonds sind in der Regel über die Gebührenersparnis hinaus besser als ihre teuren Mitbewerber. David Swensen schreibt dann auch: „Das alte Sprichwort: ‚Du kriegst genau das, wofür du auch bezahlst‘ gilt nicht für die Investmentfonds-Branche.“

Manche Anleger meinen, sie bräuchten keinen Anlageberater. Die wenigsten wissen aber, wo genau bei verschiedenen Anlageprodukten die Gebühren versteckt sind. So glauben viele, dass es schon damit getan ist die ungeliebten Asugabeaufschläge zu vermeiden, erwerben dann aber Fonds, die sündhaft hohe laufende Gebühren haben.

Ein guter Anlageberater ist ganu hier Gold wert. Dann nämlich, wenn er dem Kunden aufzeigt, welche ungeahntes Sparpotenzial er in seinem jetzigen Portfolio noch hat. Und wenn er dabei hilft, Kosten zu reduzieren.

So machen beispielsweise 0,5% weniger Gebühren bei einem Anlagebetrag von 100.000 €, der mit einer Zielrendite von 5 % p.a. angelegt wird, auf 20 Jahre über 26.000 € aus. Und bei einem Sparplan von 200 Euro im Monat macht das nach 20 Jahren fast 5.000 Euro aus. Also wirklich keine Lappalie.

Anlageziele herausarbeiten

Ich stimme mit dem Handelsblatt vollständig überein, dass ein guter Berater auf die Bedürfnisse und Anlageziele achtet. Meine langjährige Erfahrung ist, dass viele Anleger sich selbst keine wirklichen Gedanken über ihre Anlageziele machen. Meistens sagen sie nur entweder „Möglichst viel Rendite“ oder „möglichst sicher“. Das ist aber erst mal viel zu wenig.

Ein guter Anlageberater hilft dem Anleger dabei, seine eigentlichen Anlageziele herauszuarbeiten. Am Ende kommt dann beispielsweise heraus: „Ich brauche eine Vermögen von X tausend Euro bis zum Jahre 2024 und um das zu erreichen muss ich heute mit 4,5% p.a. anlegen.“

Oder: „Ich will heute von meinem Vermögen leben, wofür ich meinem Vermögen 2000 Euro monatlich entnehmen muss. Da ich keine Nachkommen habe, kann ich einen geringfügigen Kapitalverzehr in Kauf nehmen und benötige dann eine Rendite von 3% p.a. um dann noch 30 Jahre locker von meinem Vermögen leben zu können.“

Prognosen sind Schall und Rauch

Übrigens kann man einen guten Berater auch daran erkennen, dass er sich nicht dazu verleiten lässt, Kapitalmarktprognosen zu machen. Wenn Ihnen ein Vermögensberater im Brustton der Überzeugung sagt, dass in der nächsten Zeit das und das steigen oder fallen wird, dann ist es das Klügste, was Sie tun können, sofort Ihre Sachen zusammenzupacken und sich einen anderen Berater zu suchen.

Sehr unseriösen Berater kann man fast immer auch daran erkennen, dass sie ein Wissen über bestimmte zukünftige vorgeben. Für solche Leute ist es absolut sicher, dass … passieren wird. Oftmals führen sie sogar logisch klingende Argeumente an. Solche (Schein-)Sicherheit ist deswegen so gefährlich, weil solche Berater ihr Klientel zu einseitigen Anlageentscheidungen antreiben. (Alles in Gold, oder alles in Immobilien, oder alles in Bargeld).

Bitte glauben Sie mir. Ein wirklich seriöser Berater wird jederzeit zugeben, dass er kein Wahrsager ist und auch keine magische Kristallkugel besitzt. Er gibt die Grenzen seines Wissens zu und weiß, dass man gerade was die Kapitalmärkte betrifft nicht den Hauch einer Chance hat, in die Zukunft zu blicken.

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