Was macht gute Anlageberatung aus? (Teil 1)

Das Handelsblatt berichtet, dass die Verbraucherzentralen die Bankberatung in Deutschland getestet haben (Link dorthin). Nur einer von 25 Bankberatern hätte demnach gut beraten. Die anderen waren im Wesentlichen Verkäufer dessen, was ihnen die Geschäftsleitung zum Verkaufen aufgetragen hat, vollkommen egal, ob das im Interesse des Kunden ist oder nicht.

Ich selbst arbeite gerade an einem Buchprojekt mit, worin es darum geht, was eine wirklich gute Anlageberatung ausmacht. Hier ein paar Gedanken dazu  …

Meiner Meinung nach, hat eine gute Anlageberatung zunächst vor allem zwei Aspekte: eine fachliche und eine menschliche-moralische. Im folgenden möchte ich nur über den ersten Aspekt sprechen. Denn insbesondere um die fachliche Kompetetenz vieler Bank- und Anlageberater scheint es sehr schlecht zu stehen.

Kosten-Minimierung

Der erste wesentliche Punkt einer guten Anlageberatung besteht darin, die Gebühren und Kosten im Portfolio des Kunden ins Visier zu nehmen. Gerade die versteckten laufenden Gebühren haben es in sich. Der offensichtliche Ausgabeaufschlag tut zwar vielleicht weh, ist dagegen aber direkt harmlos. 

Sorgt ein Berater beispielsweise dafür, dass ein Sparplan über 200 Euro monatlich um 0,5% p.a. günstiger wird, dann bringt das dem Kunden über 25 Jahre etwa 8000 Euro mehr. Gebühren sind also alles andere als eine Lappalie.

Deswegen: Ein guter Anlageberater minimert als erstes die Kosten im Kunden-Portfolio. Hier sind sehr schnell die höchsten Effekte zu erzielen.

Siehe zu diesem Thema auch folgende Beiträge dieses Blogs:

Anlageziele

Ein guter Anlageberater hilft dabei, dass der Kunde sich seiner Anlageziele bewusst wird. Viele Privatpersonen wollen nämlich Geld anlegen, ohne sich vorher hinreichend Gedanken darüber zu machen, was sie überhaupt mit Ihrem Vermögen bzw. ihrem Ansparen erreichen möchten. Hier spielt ein guter Anlageberater fast die Rolle eines Coaches.

Erst wenn der Anleger weiß, wohin die Reise gehen soll, ist es im zweiten Schritt sinnvoll, dafür geeignete Anlageformen zu finden. Siehe hierzu auch:

Keine Prognosen

Mit das Dümmste, was man als Anlagebater tun kann, besteht darin, Kapitalmarktprognosen zu stellen. Die Wahrscheinlichkeit, sich dabei lächerlich zu machen und Vertrauen zu verlieren, liegt bei etwa 50%.

Wenn ein professioneller Berater Prognosen von sich gibt, ist es auch deswegen besonders gefährlich, weil der Kunde denken könnte: „Wenn das der Profi sagt, dann wird das so wohl auch stimmen.“ Und im Extremfall stetzt der Kunde aufgrund dieses (blinden) Vertrauens viel Geld auf dieses „Experten“-Prognose und vernächlässigt die Risikostreuung. Und dann sind Enttäuschungen fast vorprogrammiert.

Ich selbst übernheme in meiner beruflichen Praxis sehr häufig Depots, die zuvor von Bankern oder Sparkassen betreut wurden, und wundere mich regelmäßig  über die schlechte Risikostreuung in diesen Depots. Ein kluger Anlageberater verzichtet auf Prognosen und achtet auf eine gute Diversifikation.

Weitere Beiträge zu diesem Thema in diesem Blog:

Risikomanagment

Ein guter Anlageberater zieht mit ins Kalkül, dass die empfohlenen Geldanlagen vielleicht schlechter laufen als erwartet, vielleicht sogar ein Minus bringen. Das teilt ein guter Anlageberater seinen Kunden mit. Und er macht Vorschläge, wie zu reagieren ist, wenn eben etwas schief laufen sollte.

Das könnten z.B. Stop-Loss-Limits sein oder das Konzept des anti-zyklischen Investierens. Wichtig ist, dass man sich im Vorfeld überhaupt Gedanken übers Risikomanagement gemacht hat. Weitere Artikel hierzu aus diesem Blog:

Diversifikation

Ein guter Anlageberater achtet darauf, dass das Gesamtvermögen des Kunden gut diversifiziert ist. Insbesondere sollte auch berücksichtigt werden, wie sicher das Einkommen des Anlegers ist und in welcher Branche er tätig ist. Es gilt: Je unsicherer sein Einkommen, um so sicherer sollte er anlegen. Ferner: Man sollte möglichst wenig Geld in der Branche anlegen, in der man selbst tätig ist.

Unabhängigkeit

Und damit meine ich, dass man dem Kunden auch aufzeigt, wie er ohne weitere Hilfe des Anlageberaters weitermachen kann. Ferner sollte der Berater keine falsche Unabhängigkeit vorgaukeln. Besser ist es, dem Kunden klar seine Abhängigkeiten bzw. die eigene Interessenslage  aufzuzeigen. Auf dieser Basis kann der Kunde dann am besten entscheiden.

Permanente Weiterbildung

Ein guter Anlageberater achtet darauf, sich permanent weiterzubilden. Das können folgende Themen sein:

  • Anleger-Psychologie
  • Wirtschafts- und Börsen-Geschichte
  • Aktuelle Ergebnisse der Kapitalmarktforschung
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