Was macht eine gute Vermögensverwaltung aus?

j0433720In Monte Carlo haben sich 800 Asset-Manager und Vermögensverwalter zu einer Konferenz getroffen (Handelsblatt-Artikel dazu). Die Branche klagt darüber, viel Vertrauen verloren zu haben, und fragt sich, was man künftig anders machen sollte.

Hier meine Vorschläge …

Anlageziele

Das Wichtigste ist, meiner Meinung nach, dass man die Geldanlage klar an die persönlichen Anlageziele des Kunden ausrichtet. Es geht nicht darum, ob etwas ein gutes Finanzprodukt ist oder nicht. Sondern es geht darum, ob eine Anlageform oder Anlagestrategie geeignet ist, das zu gewährleisten, was der Kunde will.

Wenn beispielsweise einem Anleger eine Zielrendite von 3% p.a. genügt, dann braucht er nicht unbedingt in Aktien gehen. Sicherheitsorientierte Anlageformen reichen dann vollkommen aus. Und es ist dann irrelevant, wenn ein Vermögensverwalter einen (wie er meint) Spitzen-Aktienfonds gefunden hat, der die letzten Jahre so und so gut war. Das ist schön und gut, aber der Anleger braucht einen solchen Fonds einfach nicht.

Verzicht auf Prognosen

Jeder Vermögensverwalter ist gut beraten, auf Kapitalmarktprognosen zu verzichten. Prognosen zu stellen, ist einer der besten Methoden, um Vertrauen zu verspielen. Denn in der Regel liegt die Trefferquote bei ca. 50% (oder darunter). Wenn man als Profi so häufig daneben liegt, dann wird sich der Kunde mit der Zeit fragen, ob der Profi überhaupt sein Geld wert ist.

Klüger und ehrlicher) ist es, wenn ein Vermögensverwalter zugibt, keine Ahnung über die weiteren Entwicklungen am Kapitalmarkt zu haben. Dafür aber zeigt, worin tatsächlich sein Mehrwert liegt: nämlich im Risiko-Management (wenn er es denn tut).

Risiko-Management

Risiko-Management beginnt damit, dass man versucht, die Anlageziele des Kunden möglichst risikominimiert umzusetzen. Hat jemand beispielsweise eine sehr niedrige Zielrendite, dann sollte der Vermögensverwalter zu einer großen Position Fest- oder Tagesgeld raten.

Sobald ein Vermögensverwaltungskunde mehr Rendite braucht, als mit Fet- oder Tagesgeld erreichbar ist, muss er bereits Risiken eingehen. Diese Risiken können klein sein, aber es sind Risiken. Und hier ist es, denke ich, wichtig, dass der Vermögensverwalter offen und ehrlich über diese (noch so kleinen) Risiken aufklärt. Dass er beispielsweise einräumt, dass es durchaus denkbar ist, dass mit dieser oder jender Anlageform etwas schiefgehen kann.

In einem zweiten Schritt sollte der Anlageprofi dem Kunden Strategien vorschlagen, wie man vernünftigerweise reagiert, falls sich tatsächlich Verluste eingestellt haben. Das könnten Stop-Loss-Limits sein. Es könnte aber auch eine sogenannte antizyklische Anlagestrategie sein. Es gibt verschiedene Ansätze für ein gutes Risiko-Management.

Klar muss natürlich sein, ein gutes Risikomanagement kann im schlimmsten Falle keine Verluste verhindern, aber es wird klar und strukturiert geregelt, was dann vernünftigerweise zu tun ist. Ein Rettungsarzt kann auch keine Unfälle vehindern, aber er weiß, was zu tun ist, wenn jemand Hilfe braucht.

Meine Kritik an der derzeitig sehr beliebten Art der Vermögensverwaltung lässt sich folgendermaßen vergleichen. Die meisten herkömmlichen Asset-Manager sind wie Führer durch einen Dschungel, von dem man weiß, dass sich darin irgendwo ein Tiger versteckt hat. Und diese Fürher behaupten: „Ich kann euch Touristen durch den Dschungel führen, denn ich weiß genau, in welchem Quadranten sich der Tiger befindet. Und um diesen Quadranten machen wir einfach einen großen Bogen.“

Wenn der Tiger dann aber doch woanders ist, als der Führer vermutet, dann bricht heillose Panik aus. Und der Tiger hat leichtes Spiel. Würden Sie einem solchen Führer vertrauen?

Ich jedenfalls würde lieber auf einen Dschungel-Führer setzen, der folgendes sagt: „Ich weiß nicht, wo sich der Tiger aufhält, aber ich werde eine Schreckschusspistole und sonstige Mittel mitnehmen, von denen ich weiß, dass sie den Tiger vertreiben werden, wenn er sich nähern sollte.“

Dei beste Weise, sich als kompetenter Finanz-Profi zu profilieren, besteht nicht darin, mit richtigen Prognosen zuu glänzen, sondern darin, in schwierigen Zeiten (oder wenn es mal nicht sol läuft, wie man es erwartet hat) klare und vernünftige Konzepte zu haben.

Kostentransparenz

Der letzte Punkt, wie man als Vermögensverwalter viel Vertrauen verspielen kann, ist wenn man nicht offen und ehrlich mit dem Thema Provisionen umgeht. Inzwischen ist es ja sogar gestzlich gefordert, dass ein Vermögensverwalter seinem Kunden genau aufdeckt, welche sogenannten Kick-Back-Vergütungen er vereinnahmt.

Noch besser ist es natürlich, wenn der Vermögensverwalter nicht nur offen und ehrlich aufzeigt, wo er was verdient. Sondern dass er überhaupt bescheiden in seinen Honorarforderungen ist. Das ist, meiner Meinung nach, mit das Beste, was ein professioneller Asset-Manager für eine nachhaltige, langfristig ausgerichtete Kundenbeziehung tun kann.

Quelle der in diesem Beitrag verwendeten Bilder: http://office.microsoft.com/de-de/clipart

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