Prozyklisches Anlegen kostet Geld

42-16810972Heute (16.06,09) stand in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel mit der Überschrift „Mit dem Strom – Die Börsenerholung setzt viele Investoren unter straken Druck“. Darin wird sehr trefflich das prozyklische Verhalten der großen Mehrheit der Anleger beschrieben.

In dem Artikel heißt es unter anderem:

„Wenn der Hai zuschlägt in einer beliebten Meeresbucht, dann wird es plötzlich leer im Wasser… Weil die Aktienkurse bis Anfang März nur gefallen sind, hatten die meisten Anleger den Glauben verloren …Viele Fondsmanager … sehen sich nun bohrenden Fragen ihrer Kunden ausgesetzt. Erst die hohen Kursverluste … und dann noch den Zeitpunkt für den Wiedereinstieg verpassen? …“

„… Die mutigen Investoren machen zu Recht ihre Gewinne, sie sind Risiken eingegangen, die kein anderer tragen wollte. Jetzt rollt die Herde an … dabei wissen auch die Nachzügler, dass der Hai wiederkommt.“

Ja, ich kann mich noch sehr gut erinnern an die Gespräche mit Anlegern so zwischen Februar und März 2009. Häufig hörte ich solche Aussagen wie:

  • „Wir stehen doch erst am Anfang der Krise, das wird alles noch viel schlimmer.“
  • „Momentan gibt es keinerlei positive Nachrichten und es ist auch gar nicht absehbar, dass es in nächster Zeit wieder positiver wird. Die Aktienkurse können nur weiter fallen.“
  • „Wenn man sich den Chart des DAX ansieht, dann haben wir noch locker Abwärtspotenzial bis zu einem DAX-Stand von 2000.“

Wenn Anleger dann aus ihren Investments aussteigen wollten, unternahm ich nicht einmal einen Versuch, sie davon abzuhalten. Ich respektiere die Entscheidungen meiner Kunden. Außerdem wäre es sehr dumm von mir. Denn ich weiß es ja auch nicht. Jetzt im Nachhinein wissen wir, dass es ein Fehler war, Anfang März auszusteigen. Es hätte ja tatsächlich mit den Kursen noch dramatisch weiter nach unten gehen können.

Da ich weiß, dass ich nichts weiß (wie Sokrates zu sagen pflegte), hüte ich mich davor, den Anlegern im Brustton der Überzeugung zu verkünden, wie die Reise weitergeht. Viele meiner Berufskollegen machen das so. Ich bin mir nicht ganz schlüssig, warum sie das machen. Denn Ihnen müsste ja auch klar sein, dass sie faktisch keine Chance haben, Börsenentwicklungen auch nur annähernd vorauszuahnen. 

Meine Vermutung ist, dass viele Anlageprofis Prognosen machen, weil man das von Ihnen so verlangt. Sie meinen (glaube ich), dass sie ihren Nimbus als Profi verlieren, wenn sie es nicht schaffen, irgendwas klug Wirkendes von sich zu geben.

Wenn ich z.B. sage, ich habe keine Ahnung, wie es an der Börse weitergeht, dann reagieren manche Investoren so: „Ich denke Sie sind professioneller Vermögensverwalter. Dann müssen Sie doch eine Meinung über die Zukunft haben.“ – Muss ich wirklich? Bin ich nicht vielleicht viel mehr Profi als die meisten, indem ich die Grenzen meines eigenen Wissens erkenne und mich auf das konzentriere, was wirklich in meiner Macht steht.

Und was steht wirklich in meiner Macht? Diversifikation, Risikomanagement und die Geldanlage auf bestimmte Anlageziele ausrichten. Auf diese Dinge kann ich achten.

Und diese drei Dinge liegen bei den meisten Anlegern im Argen. Von Divesifikation haben schon die meisten gehört, halten es für eine triviale Selbstverständlichkeit, – nur keiner tut’s. Dass Anlageziele irgendwie eine Rolle spielen, weiß auch der eine oder andere, wie wichtig sie aber bei der vernünftigen Strukturierung eines Gesamtvermögens sind, weiß fast keiner. Und von gutem Risikomanagement hat auch fast keiner gehört.

Und eine Form des Risikomanagements (neben anderen) ist das antizyklische Investieren. Das ist ungefähr das genaue Gegenteil von dem, wie es die große Masse tut. Die Masse  kauf nämlich typischerweise dann, wenn die Märkte schon eine Zeitlang gut gelaufen sind. Und je länger die Märkte gut gelaufen sind, umso sicherer fühlen sich viele mit ihrer Investition („Das ist schon so lange gut gegangen, das wird auch weiterhin gut laufen“).  Und die große Masse verkauft typischerweise, wenn alles am Boden darniederliegt.

In der Praxis wird dann teuer gekauft und billig verkauft. Mit die beste Strategie, es dauerhaft zu nichts zu bringen.

Wenn ich aber beispielsweise sage: Der und der Markt ist katastrophal schlecht gelaufen, vielleicht sollte man hier einsteigen. Dann höre ich normalerweise: „Sie sind wohl verrückt. Ich warte erst ab, bis sich die Lage beruhigt hat.“ – Und was bedeutet „beruhigt“? Dass der Markt wieder stark gestiegen ist. Man wartet also mit dem Einstieg, bis man wieder viel Geld bezahlen muss, was man jetzt auch sehr günstig haben könnte.

Aber das ist halt mal wieder Pschychologie …

Quelle der in diesem Beitrag verwendeten Bilder: http://office.microsoft.com/de-de/clipart

4 Antworten
    • peterreins
      peterreins says:

      Vielen herzlichen Dank dafür, sehr geehrter Herr Broska. Ich freue mich sehr darüber, wenn dieser Blog weiterempfohlen wird.
      Gruß Peterreins

      Antworten

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