Geld ist nicht alles (Teil 1)

j0433028Viele Menschen arbeiten ihr Leben lang und häufen Geld an, ohne sich zu fragen, was sie letztlich antreibt. Manche stellen sich diese Frage nie, manche erst, wenn sie in eine persönliche Krise geraten. 

In der Süddeutsche Zeitung vom 2./3. Mai 2009 wird unter dem Titel „Außer Atem“ die interessante Lebensgeschichte des Schweizer Bankers Paolo Kyburz erzählt…

Auf Seite 27 der SZ vom 2./3. Mai steht:

„Es ist 1982, Ronald Reagan und Margaret Thatcher beginnen gerade, die Wirtschaft neoliberal zu verändern, als Paolo Kyburz mit Anfang 20 seinen Aufstieg bei der Schweizerischen Bankgesellschaft beginnt. Er ist fleißig, lernt schnell, spricht fünf Sprachen. 1987 schicken sie ihn nach New York, in die Hauptstadt des Mammons…“

“ … So richtig wild auf Geld wird Paolo Kyburz, als er, 36 Jahre alt, für die Schweizerische Privatbank Julius Bär nach Paris geht. Er sagt: ‚Dort bin ich explodiert. Ich … verdiente einen Haufen Geld.“ Knapp eine Million Euro im Jahr…“

„Ende der Neunziger ist an den Handelsplätzen der Welt Boom-Zeit. Die Investmentbanker surfen auf einer Welle des Adrenalins. Paolo Kyburz surft fünf Tage die Woche mit, Montag bis Freitag. Unter der Woche, sagt er, kam ihm das Licht warm vor. Am Wochenende war es grau, so grau und matt wie seine Augen heute. Paolo Kyburz weiß einfach nicht, was er an seinen freien Tagen tun soll. Er ist lustlos, schläft schlecht, träumt schlecht, isst schlecht, nimmt in kurzer Zeit zehn Kilo zu. Das Wochenende, sagt er, war keine Erholung.“

„Freizeit ist die schlimmste Zeit im Leben des Paolo Kyburz. Ihm fehlt all das, was ihm scheinbar nur der Job bietet: Tempo, Erfolg, Adrenalin. Kyburz kann nicht loslassen von seiner Arbeit…“

„Anfang des Jahrtausends wechselt Paolo Kyburz zu einer kleinen Investmentbank in Zürich. Im Handelsraum verhalten sich die Mitarbeiter wie eine Herde wild gewordener Tiere, die nur eines im Sinn hat: überleben. Jeden Monat werden zwei Listen per E-Mail verschickt: Helden und Verlierer.  Auf den Listen stehen die Namen der Mitarbeiter, die der Firma in den vergangenen vier Wochen Geld brachten – oder eben nicht… Fünf Jahre steht er meist ganz oben auf der Liste der Helden…“

„… Das Tempo, der Stress, die Kollegen verfolgen Paolo Kyburz bis in den Schlaf. Wenn er morgens aufwacht, meist gegen halb fünf, ist er froh, die Nacht überstanden zu haben. Er träumt schlecht, jede Nacht. Wacht immer wieder auf, stöhnt, hat Mühe zu atmen. Manchmal, sagt Paolo Kyburz, hatte er das Gefühl, sterben zu müssen.“

„Im Jahr 2005 macht er drei Wochen Urlaub … Beim Autofahren bekommt Paolo Kyburz plötzlich Krämpfe in Armen und Beinen. Er kann kaum atmen. Zu Hause in Zürich lässt er seinen Körper untersuchen. Die Diagnose: neurovegetative Störung, zu viel Stress, sagt der Arzt. Lieber zwei Gänge runterschalten. ‚Wenn das nur so einfach gewesen wäre‘, sagt Paolo Kyburz.“

„Er kämfpt weiter, so lange, bis er es nicht mehr aushält. Bis er aus seinem Körper den letzten Tropfen herausgepresst hat, wie er sagt. Es ist August 2008, als sich Paolo Kyburz selbst in die Psychiatrie einweist. Ein Arzt will wissen, was ihm Freude macht. ‚Ich habe keine Antwort gehabt.’… In der psychiatrischen Klinik spricht der Banker mit Menschen, denen es genauso schlecht geht wie ihm. Menschen, die ihren Druck im Job nur mit Beruhigungsmitteln und Drogen überstehen können.“

„Dann kneift er seine Auen zusammen: sie glänzen leicht. ‚Mein Leben lang‘, sagt Paolo Kyburz, ‚fehlte es mir an Zuwendung und Anerkennung.‚…“

Wenn man Menschen danach fragt, warum Ihnen Geld wichtig ist, dann hört man oft solche Antworten wie: „Dann kann ich mir alles kaufen, was ich will.“ oder „Dann muss ich mir keinerlei Sorgen mehr machen.“

Solche Antworten kann man aber noch weiter hinterfragen:

  • Was hat man davon, wenn man sich alles kaufen kann, was man will?
  • Was hat man davon, wenn man sich keinerlei finanzielle Sorgen mehr machen muss?

Stellt man sich diese Fragen, dann kommen viele, ähnlich wie Paolo Kyburz, zu dem Ergebnis, dass das, um was es leztlich geht, solche Dinge sind wie:

  • Anerkennung
  • Zuwendung / Liebe, oder
  • Innerer Friede

Wer sich der tieferen Antriebskraft nicht bewusst ist, die ihn eigentlich vorantreibt, neigt zu einem Circulus Vitiosus: man versucht etwas zu erreichen, von dem man meint, es mache einen glücklich (Geld, Luxus, …), man ist aber nach kurzem so unbefriedigt wie zuvor, und das Streben nach den falschen Dingen geht weiter. Wer sich hingegen seiner tieferen Antriebskraft bewusst ist, kann Sorge dafür tragen, dass er schon jetzt das bekommt, was er eigentlich will und was ihn nachhaltig zufriedenstellt. Man ist sozusagen im Einklang mit sich selbst.

Natürlich ist es wichtig, seiner Arbeit nachzugehen, und es ist mehr als natürlich, sein Geld vermehren zu wollen. Und wenn man das so tut, dass man mit sich selbst im Einklang ist, denke ich, wird man das erstens mit mehr Zufriendenheit und Glück tun. Und zweitens wird man auch langfristig erfolgreicher sein.

Literaturhinweis: Connirae Andreas: „Der Weg zur inneren Quelle. Core Transformation in der Praxis“.

Fortsetzung folgt…

Quelle der in diesem Beitrag verwendeten Bilder: http://office.microsoft.com/de-de/clipart

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