Unmoralische Angebote und kein Ende

Herr L. braucht dringend einen Kredit über 100.000 Euro, bisher wollte ihn aber keine Bank. Da stolpert er über ein Angebot, das ihm sehr attraktiv erscheint. Von einer Schweizer Firma kann er die 100.000 Euro bekommen zu einem Zinssatz von knapp 3%. Die Laufzeit beträgt 10 Jahre und die Schweizer Herren scheinen seriös.

Einziger Haken: Um das Darlehen ausgezahlt zu bekommen, muss er zunächst selbst 20.000 Euro auf ein Schweizer Konto des Darlehensgebers überweisen.

Was ist davon zu halten?

Um es kurz zu machen: Jeder ist klug, der von solch einem Angebot die Finger lässt. Hierbei handelt es sich um eine klassische Betrugsmasche, die in der Literatur bekannt ist unter den Begriffen „Kreditvermittlungsbetrug“ oder „Vorschussbetrug“. Die Masche ist so alt, dass man sich darüber wundern kann, dass immer noch Leute darauf hereinfallen.

Auf der Internet-Site der Schweizerischen BCS Business Control (einer Agentur für internationale Wirtschaftsermittlungen) kann man beispielsweise nachlesen:

„Immer wieder bieten Firmen … unkomplizierte Kredite oder Darlehen an. Das Verlockende dabei sind Zinssätze, die unter den marktüblichen angesetzt sind, höhere Summen als bei Banken üblich oder das Versprechen, selbst Jenen Kredite zu gewähren, die bei Banken und anderen Finanzinstituten als nicht kreditwürdig eingestuft wurden. … Allerdings werden schnell einmal Vorauszahlungen fällig, … und am Ende sind im schlimmsten Fall auch die letzten Ersparnisse samt dem versprochenen Kredit verloren.“

Ferner werden auf dieser Internet-Site Erkennungsmerkmale für betrügerische Angebote aufgelistet:

  • Die Angebote versprechen Kredite ohne Überprüfung des Betreibungsregisters oder des Zentralen Kreditregisters. Selbst bei schweren finanziellen Notlagen werden Kredite in Aussicht gestellt.
  • Die Höhe der Darlehen und Kredite übersteigt die marktüblichen Grenzen (zum Beispiel: Finanzierung des neuen Hauses mit einer Hypothek bis zu 100% des Hauswertes). 
  • Um den Kredit ausbezahlt zu bekommen, sind Vorauszahlungen oder Einzahlungen in einen Fonds, ein Sicherheitsdepot oder dergleichen nötig. 
  • In den meisten Fällen werden Bargeldzahlungen verlangt.

Mich selbst haben in letzter Zeit ein paar Mal hintereinander Kunden angesprochen, solche zunächst attraktiv erscheinende Angebote bekommen zu haben. Ich kann nur dringend davor warnen. Ich habe es schon einige Male erlebt, dass ein Kunde von mir nicht auf meine Warnungen gehört hat und genau auf diese Weise sehr viel Geld verloren hat.

Das Perfide ist, man darf solchen Angeboten selbst dann nicht trauen, wenn man in seinem Bekanntenkreis definitiv und zweifelsfrei erlebt hat, dass die dubiose Firma am Ende das versprochene Darlehen tatsächlich ausgezahlt hat.

Denn ein Teil der Masche besteht meistens darin, dass anfangs  Kreditnehmer tatsächlich ausbezahlt werden. Damit die Leute zu dem Schluss kommen: „Sieht zwar alles sehr seltsam aus, aber es klappt ja offensichtlich“. Auf diese Weise wird trügerisches Vertrauen aufgebaut, um immer höhere Darlehenssummen vermitteln zu können, natürlich kombiniert mit immer höheren Vorauszahlungen. Und am Ende sind die Vorauszahlungen so hoch, dass es sich für die Betrüger lohnt unterzutauchen. 

Diese Methode ist ebenfalls altbekannt und läuft unter dem Begriff „Schneeballsystem“. Manchmal ist es erstaunlich, wie lange ein Schneeballsystem aufrecht erhalten wird. Im Falle Madoff beispielsweise fast 20 Jahre. Auch hier gab es warnende Stimmen, die aber immer wieder beschwichtigt wurden mit der Aussage: „Bisher ging doch alles gut.“ Das ist eben leider kein Argument.

Also: Finger weg von unmorischen Angeboten!

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