Erste Lehren aus der Finanzkrise

Nach der Bankenkrise in den 1930er Jahren zog man die Lehre, dass Einlagensicherungssysteme sinnvoll sind.

Auch jetzt kristallisieren sich bereits erste Lehren aus der aktuellen Finanzkrise heraus. Im Februar 2009 konnte man in der SZ Vorschläge von Prof. Martin Hellweg lesen, um künftig ähnliche Krisen zu vermeiden. Einer dieser Vorschläge scheint jetzt bereits umgesetzt zu werden …


Eine große Mitschuld am aktuellen Desaster gibt Prof. Hellwig vom Max-Planck-Institut der als „Basel II“ titulierten Bankenregulation. Dieses Regelwerk erlaubte es, die Eigenkapitalquote der Banken so sehr zu reduzieren, dass in Krisenzeiten kein Puffer da ist. Außerdem schreibt Basel II vor, Wertpapiere nicht zu Anschaffungskosten zu bilanzieren (wie es nach herkömmlcihen deutschen Bilanzregeln möglich wäre) sondern immer zu Marktwerten.

Viele erinnern sich wahrscheinlich daran, dass die Banken im Herbst 2008 oftmals von einem Tag auf den anderen die Öffentlichkeit mit enormen Abschreibungsbedarf schockierten. Und das oft, kurz nachdem ein Vorstand der Bank vesicherte, dass bei ihnen alles in Ordnung sei. Viele fragten sich, ob diese Vorstände die Öffentlichkeit bewusst hintergehen wollten oder einfach so schlecht informiert waren. Beides wären nicht gerade Ruhmesblätter gewesen.

Das Problem bestand aber schlicht darin, dass von einem Tag auf den anderen ganze Wertpapierklassen prötzlich nicht mehr handelbar waren. Heute noch ein Kurs von, sagen wir, 20%, morgen ein Kurs von 0,0%. Aber nicht, weil die Anlage an sich nicht mehr werthaltig wäre, sondern weil sich beim besten Willen kein Käufer mehr finden lässt. Und was keiner haben will, dessen „Marktwert“ ist bei Null.

Dies führte zu enormen Abschreibungen und dazu, dass die Kapitaldecke der Banken noch dünner wurde. Das wiederum zwang Banken zu Notverkäufen, und die Abwärtskaskade nahm ihren Lauf.

Daher forderte Prof. Hellwig eine Aussetzung von Basel II und eine Verbesserung der Bilanzierungsvorschriften für Banken. Und genau das ist am 3.4.09 in einem ersten Ansatz geschehen. Der Bilanzierungsrat FASB, der die Standards für die amerikanische Rechnungslegung festsetzt, hat die Bewertungskriterien für bestimmte Wertpapiere stark gelockert. Banken werden künftig nicht mehr unbesehen dazu gezwungen sein, zum Marktwert zu bilanzieren. 

Ein erster Schritt, um aus dem Debakel der letzten Monate zu lernen. Sicherlich werden noch viele anderen Lehren gezogen werden. Aber immerhin ein erster Schritt.  Und schön auch zu sehen, dass die Menschen lernfähig sind, um künftig vielleicht ähnliche Katastrophen zu vermeiden.

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