Nachhaltigkeitsfonds sammeln mehr Geld ein, als sie investieren können

Heute am 18.03.09 stand in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel mit der Überschrift „Grünes Geld als Krisengewinner“ (S. 23). Die Unterüberschrift lautete: „Der Markt für nachhaltige Anlagen wächst. Doch nur ein Drittel der Firmen erfüllt die öko-sozialen Mindeststandards.“ Weiter heißt es:

 

 „Die Vertrauenskrise an den Finanzmärkten kommt offenbar der Nachhaltigkeitsbranche zugute … „

„Nur etwa 500 Milliarden Euro werden nach strengeren und umfassenderen ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien verwaltet. Weltweit ist der Markt für nachhaltige Geldanlage 2007 auf fünf Billionen Euro gewachsen.“

„Während beständig mehr Geld nachhaltig angelegt wird, werden die Unternehmen den Anforderungen nur allmählich besser gerecht.“ 

 

Zu gut deutsch: Immer mehr Anleger wünschen sich eine Geldanlage, die ethisch vertretbar ist, ohne aber dass entsprechende Investitionsmöglichkeiten in ausreichender Zahl tatsächlich vorhanden sind.

 Und noch mal anders: Bei vielen Fonds, die sich ethisch oder nachhaltig nennen, kann – wenn man wirklich strenge Kriterien anlegt – gar nichts wirklich 100%ig Ethisches oder Nachhaltiges drinsein. 

Neben diesem Problem, habe ich mit vielen Nachhaltigkeitsfonds vor allem ein Problem. Sie sind sehr häufig schlicht zu teuer. Hier ein paar Beispiele für laufende Gesamtkostenbelastungen einiger ausgewählter Fonds:

  •  Pioneer Funds Global Ecology (A0MJ48): 1,91% pro Jahr.
  • Sarasin Sustainable Equity Global (921125): 2,09% pro Jahr.
  • ÖkoWorld ÖKOVISION (974968): 2,64% pro Jahr.
  • Swisscanto Green Invest (921135): 2,00% pro Jahr.
  • Invesco Umwelt- und Nachhaltigkeits-Fonds (847047): 1,94% pro Jahr.

Ich finde den Blick auf die laufenden Kosten eines Investmentfonds vor allem deswegen interessant, weil es ein guter Indikator für die Moral des Fondsmanagements ist. Wer überhöhte laufende Gebühren verlangt, kann es  nicht gut mit seinen Investoren meinen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass ein wohlklingendes Etikett dazu verwendet wird, um schlicht Kasse zu machen. Immerhin sind solche Bezeichnungen wie „nachhaltig“, „öko“, „sustainable“ im Zusammenhang mit Investmentfonds nicht gesetzlich geschützt.

Jetzt muss man wissen, dass ein in Deutschland zugelassener Investmentfonds im Durchschnitt 1,76% p.a. kostet. So das Ergebnis einer Studie von Lipper Fiduciary aus dem Jahre 2007 (hier ein Verweis).

 

Viele Manager von Nachhaltigkeitsfonds, wohl auch die der oben genannten Fonds, haben wahrscheinlich eine gute Absicht. Dennoch ist es für jeden Anleger in jedem Fall vor allem auf eines zu achten: auf die Gebühren und Kosten. Diese sind größtenteils viel aussagekräftiger als hochtrabende Worte oder schöne Hochglanzprospekte.

 

3 Antworten
  1. Michal Broska
    Michal Broska says:

    Die Frage ist auch, ob die Fonds ihre schoenen Hochglanzprospekte auf oeko-Papier drucken lassen? :))))

    Oekofonds sind ein Modethema und daher auch die hohen Gebuehren, meiner Meinung nach. Bspw. fuer 1kW Greenpeace energy Strom zahlen Sie in der Regel mehr Geld. Menschen tendieren oft dazu sich ein gutes Gefuehl zu kaufen….e.g. waehlen die Gruenen und fahre trotzdem einen Zwoelfzylinder 😉

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    • peterreins
      peterreins says:

      Die Fonds-Branche ist Weltmeister darin, irgendwelche Trends aufzugreifen, um sie für die eigenen Zwecke zu nuten. Aus welch anderem Grund gibt es oder gab es nachfolgende Themen- oder Branchenfonds?
      * In den 1990er Jahren: Tiger-Fonds (aufstrebender asiatischer Nationen)
      * In den 1990er Jahren: Internet- und Technologie-Fonds (für viele eine traumatische Erinnerung)
      * Ferner: Medien- und Telekommunikationsfonds (endete auch im Desaster)
      * Biotech-Fonds
      * Rohstoffaktien-Fonds
      * Wasser-Fonds
      * BRIC-Fonds (lieber nicht nachsehen, wo die heute stehen)

      Es ist immer wieder dasselbe: Man findet irgendein Thema, von dem die große Masse glaubt, dass es hier nur nach oben gehen kann. Aus den und den ganz logischen Gründen. Es kann ja gar nicht anders kommen, meint man. Und zu solchen „hippen“ Themen werden dann Fonds aufgelegt, und fast immer zu überhöhten Gebühren.

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  1. […] dass der Begriff “Öko” bei der Geldanlage mit sehr großer Vorsicht zu genießen ist (Link dorthin).  Dieser Begriff wird gerne dazu verwendet, um moralisch gesinnte Menschen hinters Licht zu […]

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