Anlagebetrüger Madoff verurteilt

Vor ein paar Tagen wurde der Anlagebetrüger Madoff verurteilt. An Madoff bemerkenswert ist, welch großes Rad er gedreht hat, immerhin verwaltete er zum Schluss mehrere Milliarden USD. Zweitens aber ist es erstaunlich, dass er über fast 20 Jahr seinen Betrug durchziehen konnte.

Auf der anderen Seite habe ich selbst alle paar Monate mit Anlegern zu tun, die mir vermeintlich hoch attraktiven Anlagemöglichkeiten erzählen. Und nach einem meist sehr kurzen Blick, ist mir klar, dass es sich um Anlagebetrug handelt. Das Bemerkenswerte aber ist, dass ich fast jedes Mal dieselbe Erfahrung mache: Der Anleger glaubt mir nicht. Der Anleger ist in der Regel bereits so überzeugt, dass er nur sehr schwer davon abzubringen ist, sein Geld indubiose Hände zu geben. Häufig höre ich so etwas wie „ich habe Herrn X doch persönlich kennengelernt und er wirkt so seriös und sympathisch. Das kann ich mir einfach nich vorstellen, dass das ein Betrüger ist.“ Als wenn man es einem Menschen ansehen könnte, dass er etwas Böses im Schilde führt!!

Hier eine konkrete Geschichte, so wie ich sie etwa vor drei Jahren erlebt habe. Herr Dr. M. kommt zu mir und sagt, dass er eine Miollionen Euro anzulegen hätte. Ich richte für ihn entsprechende Konten/Depots ein, wir besprechen die Anlagestrategie und schließen einen Vermögensverwaltungsvertrag ab. Alles steht bereit, nur eines fehlt noch: das Geld. Immer wieder ruft mich Herr M. an, ja das Geld würde jetzt jeden Moment eintreffen. Irgendwelche Verzögerungen hätten sich ergeben.

Schließlich rückt er mir der Wahrheit heraus. Ihm wurde das Angebot gemacht, dass er ein Darlehen in Höhe von 1 Mio Euro aufnehmen könnte, ohne Sicherheiten leisten zu müssen und zu unglaublich niedrigen Darlehenszinsen. Um das Geschäft perfekt zu machen, musste er nach Serbien fahren. Dort wunderte er sich zwar, dass der „Notar“ in einem Bauernhof residierte, war aber dennoch bereits für den Abschluss des Geschäftes eine „Notar-Gebühr“ von 30.000 Euro zu bezahlen. Bar natürlich. Seitdem wartete er vergeblich auf seine Million.

Jetzt ist das ein solch klassischer Anlagebetrug, dass man sich wundern muss, dass heute noch Menschen darauf hereinfallen. Diese Form der Abzocke gibt es schon mindestens seit 400 Jahren und wird in der Literatur Vorschussbetrug oder Kreditvermittlungsbetrug genannt.

Die Geschichte geht aber noch weiter. Es dauerte nur ein paar Monate, da saß mir Herr Dr. M. wieder im Büro. Er vrkündete mir glücklich, dass er geerbt hätte. Ich freute mich für ihn, bis er mir erzählte, dass das Ganze einen kleinen Haken hätte. Genau genommen hätte er über einen Banker aus London das Angebot bekommen, sich auf einem Konto brachliegendes Geld einfach zu teilen. Der Kontoinhaber sei verstorben und hätte keine Erben.  Und so würde das Geld , immerhin 10 Mio Euro, auf dem Konto einfach herrenlos brachliegen. Herr Dr. M. müsse sich nur als Erbe ausgeben und das sei alles ganz leicht und unkompliziert, so der Londoner Banker. Der Haken ist nun, dass für die Beschaffung der „Erbschaftsdokumente“ etwa 10.000 Euro an Gebühr anfallen würde.

Ich sagte Herrn Dr. M. sofort, dass ich dieses Angebot wieder für einen Anlagebetrug halte. Und ich riet ihm dringend, seine Finger von der Sache zu lassen. Herr Dr. M. glaubte mir nicht, gerade im Gegenteil: er beschimpfte mich, dass ich es ihm nicht gönnen würde, dass er jetzt schnell an ein Vermögen kommen könnte. Und ferner hätte er den Londoner „Banker“ ja persönlich kennen gelernt, und der sei ganz vertrauenswürdig und seriös.

Es kam wie es kommen musste. Herr Dr. M. zahlte die 10.000 Euro. Nach kurzer Zeit kam leider doch noch etwas dazwischen, so dass weitere 10.000 Euro fällig wurden. Auch diese bezahlte Herr Dr. M. brav. Nach langem zermürbendem Warten kam dann wieder etwas dazwischen und wieder sollte er bezahlen. Und so allmählich dämmerte es ihm, dass nicht jeder der seriös aussieht, auch tatsächlich seriös ist. Hilfesuchend wandte er sich wieder an mich, aber ich konnte ihm nicht mehr helfen.

An dieser Geschichte ist interessant, dass Herr Dr. M. an sich wirklich nicht dumm war. Er war hoch gebildet und sicher sehr intelligent. Und dennoch fällt er zwei Mal auf sehr ähnliche gestrickte Betrugsmaschen herein. Interesant ist ferner das, was ich oben schon sagte, dass ich Herrn M. vorher nicht davon überzeugen war, was ja eigentlich offensichtlich war: Dass er es mit einem Betrüger zu tun hatte.

Aus dem Blickwinkel dieser persönlichen Erfahrungen erscheint es mir nicht ganz so verwunderlich, dass sich ein Betrüger wie Madoff so lange und in mit einem so großen Volumen halten konnte. Viele Anleger wollen es einfach nicht wahrhaben, möglicherweise mit einem Anlagebetrüger zu tun zu haben. Jeder Zweifel oder jedes kritische Hinterfragen wird einfach weggewischt. Und die Person, die Bedenken äußert und warnt, wird gerne nicht ernst genommen oder sogar beschimpft.

Kein Wunder also, dass durch Anlagebetrug so viel Geld vernichtet wird. Übrigens ist gerade Deutschland ein Eldorado für Betrüger. In einem aktuellen SZ-Artikel stand, dass es nirgendwo in Europa Anlagebetrüger leichter hätten als in Deutschland.

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